Anna Baumgartner, M.A.

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Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Ludwig-Maximilians-Universität München
Maria-Theresia-Straße 21
D-81675 München
Tel.: +49 (0)89 / 2180 - 9592
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Promotionsprojekt

Orientalismus, Abenteuer und Exotik. Der polnische Pferde- und Schlachtenmaler Józef Brandt in München (1862-1915)

Thema des Dissertationsprojekts ist die sogenannte „polnische Münchner Schule“ – eine für die Entwicklung der polnischen Malerei überaus wichtige Kolonie, die sich in München um Józef Brandt, Alfred Wierusz-Kowalski und Maksymilian Gierymski gruppierte, vor allem in den Jahren 1870 bis 1890 sehr aktiv war und das Münchner Kunstleben mitbestimmte.

Ziel der Arbeit ist es, auf rezeptionsästhetischer Ebene zu ergründen, wie Józef Brandt, der oft als Hauptanführer der polnischen Kolonie gesehen wird, in der bayerischen Hauptstadt funktionierte, welche Bedeutung seine Malerei für Polen im Zeitalter der Teilungen einnahm und warum er mit der Darstellung von Themen aus der polnischen Geschichte auch auf dem internationalen Kunstmarkt große Erfolge feierte. Ansätze aus den Postcolonial Studies sollen bei der Erörterung helfen, inwiefern es durch die Darstellung dynamischer Reiterszenen mit Kosaken und Tataren, die in die Landschaft der ehemaligen polnischen Ostgebiete eingebettet sind, zur Entwicklung eines „polnischen Orientalismus“ kommt, der die Schaulust des internationalen Publikums befriedigt, aber gleichzeitig zur gezielten Exotisierung bzw. Selbstorientalisierung der polnischen Geschichte führt. Von Interesse ist dabei ebenso die Verbindung dieser Malerei zur zeitgenössischen Literatur, sowie zu den sich gerade neu entwickelnden Medien Film und Fotografie. Eine These ist, dass die Bildlösungen Brandts beim Betrachter ähnliche Bedürfnisse befriedigen und Affekte hervorrufen, wie sie heutzutage von Abenteuer- und Historienfilmen im (Hollywood-)Kino evoziert werden.

Siehe auch die Projektskizze in Jahresbericht 2014 der Graduiertenschule

Curriculum Vitae

seit 2015 Assoziierte Doktorandin am deutsch-polnischen Promotionskolleg "Polen und Deutschland im modernen Europa" an der Ludwig-Maximilians-Universität München
seit 12/2012

Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien am Standort München mit Lehrtätigkeit am Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München (Seminare zum Themenkreis „Body und Gender in Polen“ sowie zum „Orientalismus in der Malerei des 19. Jahrhunderts“)

seit 03/2011

Redakteurin beim Online-Portal skispringen.com

01/2013 - 11/2013

Projektmitarbeit am Nationalmuseum Krakau (Recherchetätigkeit zur Rezeption des Malers Maksymilian Gierymski)

04/2012 - 09/2012

Lehrbeauftragte am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin

2007 - 2009

wissenschaftliche Mitarbeit am Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften (CBH PAN) Berlin am Ausstellungsprojekt „My berlińczycy! / Wir Berliner! Geschichte einer deutsch-polnischen Nachbarschaft“ (Eigenständiges Kuratieren des Ausstellungsteils „Epilog“ zur zeitgenössischen polnischen Kunst in Berlin von 1980 bis heute - Ausstellung im Märkischen Museum Berlin April bis Juni 2009)

2006 - 2007

Direktaustauschstipendiatin am Kunsthistorischen Institut der Universität Warschau

2004 - 2011

Studium der Kunstgeschichte und Osteuropastudien an der Freien Universität Berlin

(Magisterarbeit "Wojciech Kossak. Ein polnischer Schlachtenmaler am preußischen Hof in Berlin (1895-1902) zwischen Wilhelminismus, polnischem Patriotismus und dem Aufkommen der Moderne" (Betreuer: Prof. Dr. Werner Busch, Prof. Dr. Gertrud Pickhan); Auszeichnung mit dem „Wissenschaftlichen Förderpreis des Botschafters der Republik Polen 2011“)

 

Auszeichnungen

Stipendiatin am Deutschen Historischen Institut Warschau, März/April 2016

Wissenschaftlicher Förderpreis des Botschafters der Republik Polen für ihre Magisterarbeit über den Berlinaufenthalt des Schlachtenmalers Wojciech Kossak (Leipzig, 6.12.2011)
(Siehe hierzu auch das Interview über die Magisterarbeit im Rahmen der Verleihung mit dem Sender „Polskie Radio dla Zagranicy“)

Direktaustauschstipendiatin am Kunsthistorischen Institut der Universität Warschau im akademischen Jahr 2006/2007

Publikationen

Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden

Mythen in der polnischen Historienmalerei. In: Jahrbuch Polen 28, 2018, S. 181-193.

Die Münchener Polenschule. In: Dieter Bingen / Hans-Jürgen Bömelburg / Andrzej Klamt / Peter Oliver Loew (Hgg.): Deutsche und Polen. Geschichte einer Nachbarschaft, Darmstadt 2016, S. 112-116.

"Egzotyka" a malarstwo Józefa Brandta i jego kręgu – próba definicji pojęcia [Überlegungen zur "Exotik" in der Malerei um Józef Brandt]. In: Muzeum Okręgowe w Suwałkach (Hg.): Egzotyczna Europa. Kraj urodzenia na płótnach polskich monachijczyków, Suwałki 2015, S. 33-36.

Świat obrazów Józefa Brandta [Über die Bildwelten Jozef Brandts]. In: Muzeum Okręgowe w Suwałkach (Hg.): Egzotyczna Europa. Kraj urodzenia na płótnach polskich monachijczyków, Suwałki 2015, S. 49-61.

Maksymilian Gierymski w świetle niemieckojęzycznej krytyki artystycznej / The Reception of Maksymilian Gierymski’s Works in the Context of German Art Criticism. In: Muzeum Narodowe w Krakowie (Hg.): Maksymilian Gierymski. Dzieła, inspiracje, recepcja / Maksymilian Gierymski. Works, Inspiration, Reception (Ausstellungskatalog poln./engl.), Kraków 2014, S. 229-255.

Das Racławice Panorama in Breslau. Ein Erinnerungsort für die polnische Nation. In: Arnold Bartetzky / Rudolf Jaworski (Hgg.): Geschichte im Rundumblick. Panoramabilder im östlichen Europa (Visuelle Geschichtskultur, Band 11), Köln / Weimar / Wien 2014, S. 45-64.

Ein polnischer Nationalmaler am preußischen Hof. Wojciech Kossak und sein wiederentdecktes Gemälde Schlacht bei Zorndorf (1899). In: zeitenblicke 10 (2), 22.12.2011.

Fałat und Kossak. Polnische Maler im preußischen Berlin Ende des 19. Jahrhunderts. In: Robert Traba (Hg.): My, berlińczycy!/Wir Berliner! Geschichte einer deutsch-polnischen Nachbarschaft, Berlin 2009, S. 139-158 (erschienen auch in polnischer Version).

Die Politik der sowjetischen Machthaber gegenüber der Bevölkerung in den nach dem 17. September 1939 besetzten Ostgebieten Polens. Ein Überblick. In: Anna-Sophia Pappai / Michał Oskar Pec / Krzysztof Marcin Zalewski (Hgg.): Wypędzenia i co dalej? Materiały z seminarium polsko-niemieckiego dla studentów / Vertreibungen und was weiter? Beiträge eines deutsch-polnischen Seminars für Studierende, Warschau 2006, S. 20-31.

Rezensionen

Maria Janion: Die Polen und ihre Vampire. Studien zur Kritik der Phantasmen. Hg. v. Magdalena Marszałek, Berlin 2014. In: Polish-Studies. Interdisciplinary (Pol-Int), 14.02.2015.

Working with Feminism. Curating and Exhibitions in Eastern Europe. Hg. von Katrin Kivimaa, Tallinn 2012. In: kunsttexte.de/ostblick (3/2013–1).

Weitere Veröffentlichungen

Galerie. Von Hofmalerei bis Expressionismus. In: Robert Traba (Hg.): Polnisches Berlin. Semi-Stadtführer, Berlin 2014, S. 58-71.

Zu Hause in der weiten Welt / Zwölf türkische Positionen bei TANAS. In: von hundert 4/2012, S. 54-55.

Der Zauber einer unwirklichen Landschaft. Eine Annäherung an das Werk Roman Lipskis. In: Roman Lipski: Malerei, 31.08.-21.10.2011 (Ausstellungskatalog, Galerie „Arte Giani“ Köln, für die gekürzte Version s. hier.

Tactics of Invisibility. In: Artluk 4/2010, S. 20-22.

Kismet – Ebru Özsecen. In: Artluk 3/2010, S. 60-62.

Współcześni Artyści Polscy w Berlinie. In: Odra 1/2010, S. 73-79.

Stille Beobachter der postkommunistischen Landschaft. Roman Lipski, Joachim Reck und Krzysztof Zieliński – drei bildende Künstler aus Berlin. In: MOE Nr. 63, Juli / August 2009, S. 25-28.

Workshopleitungen

19./20.07.2017

„Perspektiven zur Erforschung der Münchener Polenschule“ (gemeinsam mit Dr. Aleksandra Krypczyk-De Barra, Nationalmuseum Krakau), Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, München

In Kooperation mit dem Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte München, dem Nationalmuseum Krakau sowie dem Generalkonsulat der Republik Polen in München

(Siehe hierzu auch den Bericht im Jahresbericht 2017 der Graduiertenschule)

27.11.2015 „Rethinking Orientalism“ (gemeinsam mit Marija Đokić), Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien / Institut für Kunstgeschichte der LMU München, München

 

Vorträge (Auswahl)

2017

"Der Pferde- und Schlachtenmaler Józef Brandt (1841-1915) – eine internationale Künstlerkarriere im Spiegel der deutschen und polnischen Kunstpresse" (Workshop "Aktuelle Tendenzen und Perspektiven in der Forschung zur 'Münchener Polenschule'", Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, München, Juli 2017)

2016

"Józef Brandt's Cossacks go global - from Polish national imaginary to the international art market" (Universität Regensburg, Dezember 2017)

"Die Münchener Polenschule. Polnische Künstlerpersönlichkeiten im München des 19. Jahrhunderts" (Mainzer Polonicum, Johannes Gutenberg-Universität, Mai 2016)

„Orientalismus, Abenteuer und Exotik - über die Malerei Józef Brandts“ (Deutsch-Polnische Gesellschaft München, Januar 2016).

2015

„Geschichtskonstruktionen und Ukrainefaszination in der Malerei des Münchner Polen Józef Brandt“ („Mainzer Polonicum“, Johannes Gutenberg-Universität, November 2015).

„Orientalismen im Werk Józef Brandts“ (Workshop „Rethinking Orientalism“, Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, München, November 2015)

„Von polnischen Reitern, Kosaken und Cowboys. Die Bildwelten Józef Brandts im Kontext des polnischen Historienfilms („Mainzer Polonicum“, Johannes Gutenberg-Universität, Juni 2015).

2014

„München Transnational. Lebenswelten polnischer Künstler im München des 19. Jh.“ („Workshop Exil, Diaspora, Transnationalität“, Universität Regensburg, November 2014).

Posterpräsentation zum Dissertationsprojekt (3. Tagung Deutsche-Polenforschung Gießen, März 2014).

2012

Projektpräsentation des Dissertationsvorhabens (Deutsch-Polnische Sommerakademie des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt, September 2012).

2010

„Wojciech Kossaks Schlacht bei Zorndorf (1899)“ („Workshop für historische Bildforschung“, Universität Köln, November 2010).

Anna Baumgartner, M.A.