Dr. Anna Juraschek

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Promotionsprojekt [abgeschlossen]

Die Rettung des Bildes im Wort. Bruno Schulz’ Bild-Idee in seinem prosaischen und bildnerischen Werk 

In der Dissertation soll die Idee des Bildes in Bruno Schulz’ Gesamtwerk aus der Perspektive von Walter Benjamins Philosophie untersucht werden. Die auffällig intensive Auseinandersetzung mit Wahrnehmungsbedingungen und dem künstlerischen Schaffen sowohl in den Graphiken als auch in der Literatur legen die Annahme nahe, dass sich Schulz’ Werk mit den zeitgenössischen Veränderungen und Bedingungen des Bildschaffens und -lesens auseinandersetzt. Dabei stellt er die kindliche und erwachsene Wahrnehmung in seinen Erzählperspektiven gegenüber, untersucht moderne Varianten mythischen Denkens und thematisiert den problematischen Einfluss der Photographie und Kataloge auf Formen des Denkens, Erinnerns und Wahrnehmens. Wie Schulz’ Bildtheorie mit einer Kritik an Entwicklungen der Moderne zusammenhängen – wie der instrumentellen Sprachauffassung, der isolierten Objektbetrachtung sowie religiöser Fortschrittgläubigkeit – lässt sich durch einen Vergleich mit Benjamins Philosophie genauer erfassen. Gerade die Neubewertung der Sprache als Medium des Denkens und Mitteilens, die Verwandlungstendenz, die allen Gegenständen gemein ist und gleichzeitig die Konstanz bestimmter mythischer und religiöser Denkmuster, für die sich beide in ihrem Werk interessieren, spielen dabei eine große Rolle. Die Frage nach der Rettung des Bildes im Wort ist mit den möglichen Antworten auf diese Veränderungsprozesse verbunden.

Curriculum Vitae

Anna Juraschek ist Regionalkoordinatorin für Polen und Tschechien des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa). Bis 2015 war sie assoziierte Doktorandin der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien. Sie hat 2009 den Master Osteuropastudien an der Uni Regensburg abgeschlossen. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Dr. Dorothee Gelhard arbeitete sie anschließend in der Lehre und war in die Organisation wissenschaftlicher Projekte eingebunden. Für ihre Promotion ging sie 2010 zu einem einjährigen Forschungs- und Studienaufenthalt an die Jagiellonen Universität Krakau und arbeitete dort für das Internationale Zentrum für Ideengeschichte. Von Januar bis Juni 2013 war sie Fellow am Franz Rosenzweig Minerva Research Center an der Hebräischen Universität Jerusalem. Sie arbeitete außerdem als Lektorin und Übersetzerin.

Publikationen

"Die Rettung des Bildes im Wort. Bruno Schulz’ Bild-Idee in seinem prosaischen und bildnerischen Werk" ( = Schnittstellen. Studien zum östlichen und südöstlichen Europa; Bd. 3), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2016.

"Wohin weist die Wade? Eine Untersuchung der Bedeutung des Bereichs Knie abwärts im Werk von Bruno Schulz oder die Welt von der Wade aus betrachtet", in: Gernot Howanitz/Christian Kampkötter/Heinrich Kirschbaum (Hg.): Slavische Identitäten. Paradigmen, Poetiken, Perspektiven, München: Otto Sagner 2014, S. 169–179.

"Shylock as a Symbol of the Disenfranchised Jew – A Comparative Study of Karl Emil Franzos’ and Rudolf von Jhering’s Legal Thinking", in: Yvonne Kleinmann/Stephan Stach/Tracie Wilson (Hg.): Religion in the Mirror of Law. Eastern European Perspectives from the Early Modern Period to 1939. Reihe des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte, Fankfurt am Main: Vittorio Klostermann Verlag (im Druck), 22 Seiten.

Vorträge

2013

Vortrag im Rosenzweig Minerva Research Center an der Hebräischen Universität Jerusalem, Israel: „Unterwegs auf ‚blinden Gleisen‘ und ‚vergessenen Nebenlinien‘. Vergessen und Erinnern im Werk von Bruno Schulz.“ (21.06.2013)

Konferenz „Raum, Zeit und Geschlecht bei Irène Némirovsky, Leo Perutz und Bruno Schulz“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Vortrag: „Das ‚Wie‘ der Erinnerung in Bruno Schulz’ Werk.“ (18.–19.04.2013)

2012

Tagung des Promotionskollegs der Universität Regensburg. Vorstellung des Promotionsvorhabens „Die Idee des Bildes in Bruno Schulz‘ Werk“. (06.07.2012)

2011

Konferenz „Junges Forum Slavistische Literaturwissenschaft“, ausgerichtet vom Lehrstuhl für Slavische Literaturen und Kulturen der Universität Passau. Vortrag: „Wohin weist die Wade? Eine Motivuntersuchung im Werk von Bruno Schulz.“ (07.-09.10.2011)

2010

Konferenz „Religion in the Mirror of Law. Research on Early Modern Poland-Lithuania and Its Successor States in the 19th and Early 20th Centuries” am Zentrum für Stadtgeschichte Ostmitteleuropas in Lviv/Lemberg, Ukraine. Vortrag: „Shylock as a symbol of the disenfranchised Jew - A comparative study on Karl Emil Franzos' and Rudolf von Jhering's legal thinking.“ (16.-17.04.2010)

Anna Juraschek, M.A.