Dr. Arnošt Štanzel

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Promotionsprojekt

Die Wasserwirtschaft in Rumänien und der Tschechoslowakei: Von Wasserträumen und Wasserräumen im Staatssozialismus. Ein umwelthistorischer Vergleich [abgeschlossen]

Eines der zentralen Wesensmerkmale staatssozialistischer Regime war der Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung. Dabei spielten Infrastrukturvorhaben in peripheren Räumen eine wichtige Rolle. In der historischen Forschung bislang wenig beachtet geblieben ist dabei die Rolle der Umwelt in der Ideologie des Staatssozialismus. Ziel ist daher, die Erschließung der slowakischen und rumänischen Karpaten durch Wasserbauwerke sowie die Diskurse zum Thema Wasserverschmutzung zu erforschen und dadurch Rückschlüsse auf das Verhältnis von Mensch und Umwelt in dieser Region in der Zeit zwischen 1945 bis 1989 herausarbeiten.

Zwei Leitfragen sollen untersucht werden:

1.   Wie sah der Umgang der kommunistischen Machthaber und Eliten mit Umwelt und Natur in beiden Ländern aus? Welche Auswirkungen hatte staatliche Politik auf Umwelt und Natur, wie wurde die Politik durch Umwelt und Natur beeinflusst?

2.   Gab es Eigenheiten im Umgang mit Natur und Umwelt, wo lagen die Gemeinsamkeiten? Hierfür wird ein Vergleich in drei Richtungen gezogen: Erstens zwischen Rumänien und der Tschechoslowakei: Wie sah der Umgang verschiedener staatssozialistischer System mit vergleichbaren Naturräumen, den Karpaten und der Donau, aus? Zweitens mit der Sowjetunion: Wie wichtig war deren Vorbild und Einfluss? Und drittens mit westlichen, kapitalistischen Staaten: Inwiefern glich oder unterschied sich der Umgang mit Umwelt und Natur über den Eisernen Vorhang hinweg?

Siehe auch die Projektskizze in Jahresbericht 2014 der Graduiertenschule

Die Studie ist als Band 8 der Reihe "Schnittstellen. Studien zum östlichen und südöstlichen Europa" erschienen.

Curriculum Vitae

Arnošt Štanzel, geboren in Erlenbach am Main. 2003-2009 Studium der Wissenschaftlichen Politik, Neueren und Neuesten Geschichte und VWL/Wirtschaftspolitik in Freiburg und Basel. 2009 Magister Artium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Thema der Magisterarbeit: Versicherheitlichung von Energie). 2010 bis 2012 Anstellungen am Collegium Carolinum, München und als wissenschaftlicher Sekretär der deutsch-tschechischen und deutsch-slowakischen Historikerkommission. Dezember 2012 bis Juni 2016 an der Graduiertenschule Ost- und Südosteuropa an der LMU München. Derzeit Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Osteuropaabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Publikationen

Monografien

Wasserträume und Wasserräume im Staatssozialismus. Ein umwelthistorischer Vergleich anhand der tschechoslowakischen und rumänischen Wasserwirtschaft 1948–1989, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2017 ( = Schnittstellen. Studien zum östlichen und südöstlichen Europa; Bd. 8).

Aufsätze in Zeitschriften

Dams - Development Or Delusion? In: Digital Development Debates 14, 2015 (online).

Der Orava-Stausee in der Slowakei. Der Einfluss sich wandelnder Umweltvorstellungen auf die Raumproduktion. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder 54 (1), 2014, S. 88-118.

Už jsme vším – taky ochránci přírody. Vodní hospodářství na Slovensku a ochrana přírody od padesátých do sedmdesátých let v Československu. In: Marginalia Historica. Časopis pro dějiny vzdělanosti a kultury 1/2013, S. 241-247.

Wissenschaft und Technik in den böhmischen Ländern in den sechziger Jahren. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder 51 (1), 2011, S. 240-245.

Aufsätze in Sammelbänden

Geregelte Flüsse, ungeregelte Abflüsse. Zur Umwelt- und Planungsgeschichte der Tschechoslowakei 1948-1977. In: Oliver Sukrow (Hg.): Zwischen Sputnik und Ölkrise. Kybernetik in Architektur, Planung und Design, Berlin 2017, S. 122-139.

Zus. mit Doubravka Olšáková: Kafkaesque Paradigms. The Stalinist Plan for the Transformation of Nature in Czechoslovakia. In: Doubravka Olšáková (Hg.): In the Name of the Great Work. Stalin's Plan for the Transformation of Nature and its Impact in Eastern Europe, New York / Oxford 2016, S. 43-125.

Staudammbauten in den slowakischen Karpaten 1948-1975. Mit Wasserkraft zum neuen Menschen? In: Horst Förster / Julia Herzberg / Martin Zückert (Hgg.): Umweltgeschichte(n). Ostmitteleuropa von der Industrialisierung bis zum Postsozialismus, München 2013, S. 51-65.

Socialist Hydraulic Engineering Structures in the Slovakian Carpathians – A New Society through the Rule over Nature? In: Marco Armiero / Wilko Graf von Hardenberg / Valentin Quintus Nicolescu (Hgg.): STATE OF NATURE. 2nd International Workshop of the Nature and Nation Network Bucharest, 2-4 December 2011, Bucharest 2012.

Weitere Veröffentlichungen

Tagungsbericht Ordnung und Sicherheit, Devianz und Kriminalität im Staatssozialismus. Die Tschechoslowakei und die DDR 1948/49-1989. 03.11.2011-06.11.2011, Bad Wiessee. In: H-Soz-u-Kult, 24.01.2012.

Tagungsbericht 15. Bohemisten-Treffen. 04.03.2011, München. In: H-Soz-u-Kult, 15.04.2011.

15. Bohemistentreffen. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder 51 (1), 2011, S. 252-256.

Rezensionen

Tobias Huff: Natur und Industrie im Sozialismus. Eine Umweltgeschichte der DDR. Göttingen 2015. In: H-Soz-Kult, 15.09.2015.

Nina Möllers / Christian Schwägerl / Helmuth Trischler (Hgg.): Willkommen im Anthropozän. Unsere Verantwortung für die Zukunft der Erde. München 2015, 05.12.2014–31.01.2016, München (Ausstellung mit Begleitpublikation). In: H-Soz-Kult, 14.02.2015.

Arnošt Štanzel