Dr. Darina Volf

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Dr. Darina Volf (geb. Majernikova)
LMU München/Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Maria-Theresia-Str. 21

D-81675 München

Tel.: +49 (0)89 / 2180 - 1375
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Forschungsprojekte

Das Apollo-Sojuz-Testprojekt (ASTP): Blockübergreifende Kooperation trotz Systemkonkurrenz (1970er Jahre)

Teilprojekt 1 in der DFG-Forschergruppe "Kooperation und Konkurrenz in den Wissenschaften"

In seiner Rede vor dem National Space Club im Januar 1971 betonte der stellvertretende NASA-Administrator George M. Low die Rolle von Kooperation und Konkurrenz - und zwar in der Gestaltung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in der Raumfahrt.

Die Konkurrenzbeziehung zwischen den USA und der Sowjetunion begründete Low mit der strategischen, politischen und ökonomischen Bedeutung der Erfolge der jeweiligen nationalen Raumfahrt. Die internationale Kooperation, so Low, sei wiederum für die Erforschung des Weltraums und damit für das Wohl der Menschheit wichtig.

In dieser Aussage spiegelt sich zum Einen die Abkehr von einer einseitig wettbewerbsorientierten Strategie wider, wie sie die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in der Raumfahrt bis zum Endpunkt des Wettlaufs zum Mond dominierte. Zum Anderen deutet Low an, welche Überlegungen in die Entscheidung für oder gegen eine Kooperation mit dem Hauptgegner im Kalten Krieg eingeflossen sind. Neben dem wissenschaftlichen Nutzen spielten auch ökonomische und politische Erwägungen eine große Rolle – dies machte die amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit in diesem Bereich zu einem höchst komplexen Unterfangen.

Die amerikanisch-sowjetische Kooperation in der Raumfahrt, die sich im Zuge des Apollo-Sojuz-Testprojekts (ASTP) entwickelte, ermöglicht eine Untersuchung der eng miteinander verflochtenen Dynamiken der grenzübergreifenden wissenschaftlichen Zusammenarbeit, der internationalen Politik, der Diplomatie und der nationalen Wissenschaftsbetriebe in zwei unterschiedlichen und miteinander in scharfer Konkurrenz stehenden Systemen.

In diesem Teilprojekt werden zunächst die schwierigen Aushandlungsprozesse, die der Kooperation vorausgingen, im Mittelpunkt stehen. Wie haben die Akteure die Zusammenarbeit mit dem politischen Gegner und Hauptwettbewerber in Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft forciert, ausgehandelt, legitimiert, in Frage gestellt und sabotiert? Darüber hinaus soll die praktische Ausgestaltung der Zusammenarbeit untersucht werden, aber auch deren Wahrnehmung bei den beteiligten Akteuren, öffentliche Selbst- und Fremdbilder sowie die epistemischen Effekte in den Blick genommen werden.

 

Über Riesen und Zwerge: Tschechoslowakische Amerika- und Sowjetunionbilder 1948-1989 [abgeschlossen]

Promotionsprojekt an der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien

Im Promotionsprojekt wurden Russland- und Amerikabilder in der Tschechoslowakei zwischen 1948 und 1989 untersucht. Der Schwerpunkt lag auf Bildern, die im innenpolitischen Diskurs wichtige Funktionen erfüllten und für die Mobilisierung, Identitätsstiftung sowie Legitimierung des politischen Systems und der außenpolitischen Ausrichtung von Bedeutung waren. Ausgehend von der Annahme, dass Fremdbilder mehr über die eigene als über die fremde Nation aussagen, wurde dabei stets auch das Selbstbild der Tschechen und Slowaken, bzw. der Akteure, die mit bestimmten Fremdbildern operieren, beleuchtet. Es wurde gezeigt, wie die Bilder der beiden Großmächte von 1945 bis in die Zeit nach 1989 konstruiert, durchgesetzt, verbreitet, neu verhandelt und verändert wurden. Diese Prozesse der Konstruktion, Etablierung und des Wandels der Fremdbilder waren eng mit der Politik verbunden, zum einen weil politische Rahmenbedingungen die Fremdbilder, ihren Entstehungsprozess und die Möglichkeiten ihrer Durchsetzung beeinflussten, zum anderen weil Fremdbilder als ein Mittel im politischen Kampf eingesetzt wurden. Daher erfolgte die Analyse stets vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen und berücksichtigte die Interessen der einzelnen Akteure an der Erzeugung bestimmter (positiver oder negativer) Fremdbilder.

Siehe auch die Projektskizze in Newsletter Nr. 7, Wintersemester 2016/17, der Graduiertenschule

Die Studie ist als Band 7 der Reihe "Schnittstellen. Studien zum östlichen und südöstlichen Europa" erschienen.

Curriculum Vitae

Geb. in Poprad (Slowakei). Studium der Politikwissenschaft, osteuropäischen Geschichte und Slavistik an der LMU München. 2010-2012 studentische Hilfskraft in der wissenschaftlichen Bibliothek im Sudetendeutschen Haus. 2007-2012 Stipendiatin des DAAD. 2010-2012 Stipendiatin im Max-Weber-Programm der Studienstiftung, 2012-2016 Doktorandin der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, Februar-April 2014 Forschungsaufenthalt an der Karlsuniversität Prag (Stipendium: Ministerstvo školství, mládeže a tělovýchovy České republiky). Seit Oktober 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der DFG-Forschergruppe "Kooperation und Konkurrenz in den Wissenschaften" an der LMU München.

Publikationen

Monografien

Über Riesen und Zwerge. Tschechoslowakische Amerika- und Sowjetunionbilder 1948-1989, Göttingen 2017.

Weitere Veröffentlichungen

Helden aus der "Nation der Schwejks". Das Attentat auf Reinhard Heydrich in der tschechischen Erinnerungskultur. In: Erinnerungskulturen. Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa, 29.06.2017.

10 Jahre "Geschichten des 20. Jahrhunderts": Zeitzeugeninterviews in der tschechischen Erinnerungskultur. In: Erinnerungskulturen. Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa, 16.06.2016.

Shifting Attitudes Toward the Second World War Commemorations in the Czech Republic. In: Cultures of History Forum, 01.03.2016.

Jugend im 20. Jahrhundert in der Tschechoslowakei. 07.–10.11.2013, Bad Wiessee (Tagungsbericht). In: Bohemia 54, 2014, S. 162-166.

Rezensionen

Tomáš Hermann / Doubravka Olšáková (Hgg.): Plánování socialistické vědy. Dokumenty z roku 1960 ke stavu a rozvoji přírodních a technických věd v Československu. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas / jgo.e-reviews, jgo.e-reviews 1/2017, S. 36-37.

Jiří Křesťan: Případ Václava Talicha: k problému národní očisty a českého heroismu [= Der Fall Václav Talich. Zum Problem der nationalen Säuberung und des tschechischen Heroismus]. In: Bohemia 57 (1), 2017, S. 229-231.

Doubravka Olšáková: Věda jde k lidu! Československá společnost pro šíření politických a vědeckých znalostí a popularizace věd v Československu ve 20. století. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas / jgo.e-reviews, jgo.e-reviews 4/2014, S. 46-47.

Vorträge (Auswahl)

2015

"Unmasking the Myth of American Freedom and Democracy: Representations of the US in Czechoslovak Media in the Stalinist Period" (20th Annual ASN World Convention, New York, April 2015).

Vorstellung des Dissertationsprojektes (19. Münchner Bohemisten-Treffen, März 2015).

2014

Vorstellung des Dissertationsprojektes (Kolloquium "Sociální a kulturní dějiny 20. Století", Karlsuniversität Prag, März 2014).

Vorstellung des Dissertationsprojektes (AG "Visuelle Medien im deutsch-tschechischen Kontext", März 2014).

2013

"Befreiung oder Okkupation? Erinnerung an die US‐Armee in Westböhmen in der sozialistischen Tschechoslowakei" (Tagung "Die Transformation der Erinnerung nach 1945. Stadt, Migration und Gedächtnis im europäischen Vergleich", Košic, Oktober 2013).

Darina Volf