Imperien

Leitung: Prof. Dr. Martin Schulze Wessel, Prof. Dr. Christoph K. Neumann, Dr. Jana Osterkamp

Landimperien beherrschten das östliche und südöstliche Europa bis 1917/18, ihre Wirkung reicht aber in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht weit über die Zäsur hinaus. In der Studiengruppe werden Zusammenhänge zwischen räumlichen Ordnungen und verschiedenen Wissensformen und Handlungspraktiken untersucht. Welche Identitäten bildeten sich in den Zentren, in den Peripherien und an den Grenzen von Imperien? Welche Aushandlungsprozesse fanden zwischen Zentren und Subzentren statt, wie konstituierte sich Macht im Zentrum und wie in hybriden Räumen? Welche grenzüberschreitenden Transferprozesse verbanden die Imperien Osteuropas untereinander und mit den anderen Großregionen in Südostasien, in Nordamerika und Europa? Die Studiengruppe ist an den neuzeitlichen Imperien in einer transregionalen Perspektive interessiert.

Die Geschichte der Imperien des östlichen Europa ist die Geschichte ihrer permanenten Reform, die zu lange als bloße Krisen- und Niedergangsgeschichte verstanden worden ist. Vergleichende Perspektiven zwischen Imperien und Nationalstaaten sind nicht kontrastiv anzulegen, vielmehr standen und stehen nationale und (neo-)imperiale Herrschaftsformen und -logiken in einem komplexen Wechselverhältnis. Die vielfältigen Formen der Durchdringung von nationalen und imperialen Herrschaftsformen und -semantiken stellen eine besondere Herausforderung für die Forschungen der Studiengruppe dar.

Das zwanzigste Jahrhundert lässt sich in den ehemals habsburgischen Ländern als Nachgeschichte imperialer Herrschaft erzählen. An das Russische Reich dagegen schloss sich mit der Gründung der Sowjetunion eine neue imperiale Herrschaft an. In der Studiengruppe werden die spezifischen Zentrum-Peripherie-Beziehungen untersucht, welche sich im sowjetischen Herrschaftsbereich herausbildeten. Eine weitere Frage gilt den postsowjetischen neoimperialen Diskursen, die in Russland heute wirkmächtig sind.

Mitglieder:

Dr. Mykola Borovyk
The Memory of World War II as a Factor of Collective Identity in Ukraine
 
Authoritarian regimes in quest of global legitimacy. Understanding the nexus between Russia's domestic and international legitimation
 
Boris Ganichev, M.A.
Das russländische Zollwesen als imperiales Scharnier zwischen Zentrum, Peripherie und Bevölkerung
 
Der Gemeindebesitz der Donkosaken. Entstehung und Entwicklung bis 1835
 
Helena Holzberger, M.A.
Zentralasien im fotografischen Modernitätsdiskurs. Bilderwelten von Usbekistan unter russischer und sowjetischer Herrschaft mit besonderer Berücksichtigung der Entwicklung usbekischer Fotografie
 
Henner Kropp, M.A.
Zwischen Sankt Petersburg und Washington: Die russische Kolonie in Alaska und die Vereinigten Staaten von Amerika
 
"Na Moskve net carja". Das samozvanstvo als kulturelles Gedächtnis in der Geschichte Russlands
 
Ruslan Mitrofanov
The Institutionalization of Psychiatry in the Russian Empire: the Case of the Kazan District Hospital as a Transnational Study

Daniel Schrader, M.A.
Demokratie repräsentieren? Politische Praktiken und Sprachen russländischer Räte- und Stadtdumendelegierten in Revolution und Bürgerkrieg, 1917-1919
 
Dr. Martin Zückert
Strukturpolitik in den slowakischen Karpaten