Jacqueline Nießer, Diplom-Kulturwissenschaftlerin

Alumna der Graduiertenschule

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Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung
Arbeitsbereich Geschichte
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Promotionsprojekt

Transnationale Vergangenheitsaufarbeitung im postjugoslawischen Kontext: die "Koalition für REKOM" [abgeschlossen]

Das Forschungsprojekt befasst sich mit der Aufarbeitung der jugoslawischen Zerfallskriege der 1990er Jahre, und zwar durch die "Koalition für REKOM". Die "Koalition für REKOM" ist ein Netzwerk von NGOs, Opferorganisationen und Individuen aus den sieben auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien entstandenen Ländern. In den Jahren 2006 bis 2011 haben sich bei REKOM ca. 6.000 Menschen über den Umgang mit den Kriegen der 1990er Jahre ausgetauscht. Ziel des zivilgesellschaftlichen Zusammenschlusses ist eine regionale Wahrheitskommission für das Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der "Koalition für REKOM" steht im Gegensatz zur vorherrschenden nationalistischen und ethnopolitischen Instrumentalisierung der Kriegsvergangenheit in den jeweiligen Gesellschaften der Region. Die Analyse zielt darauf ab, diesen spezifischen Fall von Vergangenheitsaufarbeitung zu beschreiben und zu verstehen. Konkret analysiere ich, wie sich REKOM entwickelt hat, wie über Vergangenheitsaufarbeitung verhandelt wird und welchen Sinn die Akteure in REKOM sehen. Welche Aneignungs- und Abwehrprozesse von Aufarbeitungskonzepten, etwa der Transitional Justice, dabei beobachtet werden können, ist eine der wichtigen Fragen. Letztlich kann die Studie empirisch fundierte Erkenntnisse zu Akteuren transnationaler Erinnerungspraktiken im Kontext globaler Diskurse über Vergangenheitsaufarbeitung liefern.

Siehe auch die Projektskizze im Jahresbericht 2012/13 der Graduiertenschule

Curriculum Vitae

Jacqueline Nießer wurde in Staßfurt, Sachsen-Anhalt, geboren. Nach einem Europäischen Freiwilligendienst in Frankreich studierte sie Kulturwissenschaften an den Universitäten Frankfurt (Oder) und Wrocław, Polen. Danach war sie für verschiedene Stiftungen und Vereine im internationalen Projektmanagement tätig. Für ihre anschließende Rückkehr in die Wissenschaft hat Jacqueline Forschungsstipendien der Südosteuropa Gesellschaft e.V. (Feldforschung), des Schroubek-Fonds Östliches Europa (Sprachkurs) und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (Feldforschung) erhalten.

Funktionen und Mitgliedschaften

  • Mitglied der Studiengruppe

Publikationen

Herausgeberschaften

Zusammen mit Juliane Tomann (Hgg.): Angewandte Geschichte. Neue Perspektiven auf Geschichte in der Öffentlichkeit, Paderborn 2014.

Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden

Zus. mit Juliane Tomann: Public and Applied History in Germany. Just Another Brick in the Wall of the Academic Ivory Tower? The Public Historian, Vol. 40 No. 4, November 2018, S. 11-27. DOI: 10.1525/tph.2018.40.4.11.

Zus. mit Juliane Tomann: On “Big Tents” and “Umbrellas”. In: The Public Historian 40/4, November 2018, S. 61-63). DOI: 10.1525/tph.2018.40.4.61.

Which Commemorative Models Help? A Case Study from Post-Yugoslavia. In: Mischa Gabowitsch (Hg.): Replicating Atonement. Foreign Models in the Commemoration of Atrocities, Basingstoke 2017, S. 131-161 (e-book).

Zusammen mit Juliane Tomann: Die Ironie der Praxis. Angewandte Geschichte an der Oder. In: Dies. (Hgg.): Angewandte Geschichte. Neue Perspektiven auf Geschichte in der Öffentlichkeit, Paderborn 2014, S. 97-110.

Zusammen mit Juliane Tomann / Rafal Zytyniec: Angewandte Geschichte – Betrachtungen eines neuen Ansatzes aus deutscher und polnischer Perspektive. In: HISTORIE. Jahrbuch des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Band 4: Deutsch-Polnische Beziehungsgeschichte, Berlin 2011, S. 268-283.

Weitere Veröffentlichungen

After Reconciliation. On the Closure of the ICTY in The Hague. In: Erinnerungskulturen. Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa, 18.12.2017.

Istorija kao slon u sobi: Srpska laboratoria sećanja. In: Peščanik, 02.02.2017.

History as Elephant in the Room: Observations from Serbia’s Memory Lab. In: Erinnerungskulturen: Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa, 16.12.2016.

Der Kampf der Erinnerungen war gestern, oder wie sich Erinnerungskultur gegen den Strich denken lässt: In: Erinnerungskulturen. Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa, 29.04.2015.

"Nemoj mi samo o miru i ljubavi!" Versöhnung als Tabu auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien? In: Kakanien Revisited, 2013.

Zusammen mit Juliane Tomann / Anna Littke / Jakob Ackermann / Felix Ackermann: Diskussion: Angewandte Geschichte: Ein neuer Ansatz? Version: 1.0. In: Docupedia-Zeitgeschichte, 15.2.2011.

Vorträge (Auswahl)

2018

"Pain as Call for Change" (9th InASEA Congress "Emotions, Senses and Affects in the Context of Southeast Europe", Zadar, Kroatien, September 2018)

"Alternative Truth – Testimony in a Truth Commission" (Conference "Testimony. Commemoration. Wellbeing", Sarajevo, 20. April 2018, und Belgrad, 26. April 2018).

"'Die Wahrheit der Anderen'. Transnationale Vergangenheitsaufarbeitung im postjugoslawischen Raum am Beispiel der REKOM Initiative" (Kolloquium zur Ost- und Südosteuropäischen Geschichte, Leipzig, Januar 2018).

2015

"A Truth Commission that dispenses with the Truth? The 'Regional Commission for Establishing Facts on the Yugoslav Wars'" (ASEEES Annual Convention, Philadelphia, USA, November 2015).

"Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina: Ahndung und Aufarbeitung (Forum der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, München, Juni 2015).

2014

"Coping as Crisis? Dealing with the Yugoslav wars through a regional approach" (7th InASEA Congress "Cultures of Crisis: Experiencing and Coping With Upheavals and Disasters in Southeast Europe", Istanbul, September 2014).

"Transnationale Vergangenheitsaufarbeitung im postjugoslawischen Kontext: Die Koalition für REKOM" (Projektvorstellung und Diskussion der Zwischenergebnisse im Forschungskolloquium "Neue Perspektiven in der südost- und osteuropäischen Geschichte", Regensburg, Januar 2014). 

2012

"'The dilemma about reconciliation' – Investigating a transnational approach to dealing with the past in postjugoslav societies (RECOM)" (Workshop des Netzwerks "Media and Memoria in South-Eastern Europe", Supetar, Insel Brac, Kroatien, Mai 2012).

2011

"The journey is its own reward. The Coalition for REKOM" (Zukunftswerkstatt des Goethe Instituts "Erinnerungen, Narrationen und Identitäten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Ex-Jugoslawien", Regensburg, September 2011).

"Einflüsse von Ansätzen der Vergangenheitsaufarbeitung aus anderen Ländern bei der regionalen Wahrheitskommission auf dem Westbalkan" (Doktorandenworkshop "Regionale Geschichte in einer transnationalen Welt", Regensburg, Juli 2011).

"The German Reference in Creating a Regional Truth Commission in Post-Yugoslavia" (Internationale Konferenz des Einstein Forums und des Hamburger Instituts für Sozialforschung "Translating Atonement: Can Countries learn from each other?", Potsdam, Juni 2011).

2010

"Between Globalization and Europeanization: Dealing with the past in Post-Yugoslavia" (Sommer-Schule des Deutschen Historischen Instituts Paris, RICHIE und der Universität Paris IV-Sorbonne "Towards a European Society? Convergence and Divergence in 20th Century Europe", Andé, Frankreich, Juli 2010).

Jacqueline Nießer, Diplom-Kulturwissenschaftlerin