Jacqueline Nießer, Diplom-Kulturwissenschaftlerin

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Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Universität Regensburg / Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung
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D-93047 Regensburg
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Promotionsprojekt

Transnationale Vergangenheitsaufarbeitung im postjugoslawischen Kontext: Die „Koalition für REKOM“

Das Forschungsprojekt befasst sich mit der Aufarbeitung der jugoslawischen Zerfallskriege der 1990er Jahre, und zwar durch die „Koalition für REKOM“. Die „Koalition für REKOM“ ist ein Netzwerk von NGOs, Opferorganisationen und Individuen aus den sieben auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien entstandenen Ländern. In den Jahren 2006 bis 2011 haben sich bei REKOM ca. 6.000 Menschen über den Umgang mit den Kriegen der 1990er Jahre ausgetauscht. Ziel des zivilgesellschaftlichen Zusammenschlusses ist eine regionale Wahrheitskommission für das Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der „Koalition für REKOM“ steht im Gegensatz zur vorherrschenden nationalistischen und ethnopolitischen Instrumentalisierung der Kriegsvergangenheit in den jeweiligen Gesellschaften der Region. Die Analyse zielt darauf ab, diesen spezifischen Fall von Vergangenheitsaufarbeitung zu beschreiben und zu verstehen. Konkret analysiere ich, wie sich REKOM entwickelt hat, wie über Vergangenheitsaufarbeitung verhandelt wird und welchen Sinn die Akteure in REKOM sehen. Welche Aneignungs- und Abwehrprozesse von Aufarbeitungskonzepten, etwa der Transitional Justice, dabei beobachtet werden können, ist eine der wichtigen Fragen. Letztlich kann die Studie empirisch fundierte Erkenntnisse zu Akteuren transnationaler Erinnerungspraktiken im Kontext globaler Diskurse über Vergangenheitsaufarbeitung liefern.

Siehe auch die Projektskizze im Jahresbericht 2012/13 der Graduiertenschule

Curriculum Vitae

Jacqueline Nießer wurde in Staßfurt, Sachsen-Anhalt, geboren. Nach einem Europäischen Freiwilligendienst in Frankreich studierte sie Kulturwissenschaften an den Universitäten Frankfurt (Oder) und Wrocław, Polen. Danach war sie für verschiedene Stiftungen und Vereine im internationalen Projektmanagement tätig. Für ihre anschließende Rückkehr in die Wissenschaft hat Jacqueline Forschungsstipendien der Südosteuropa Gesellschaft e.V. (Feldforschung), des Schroubek-Fonds Östliches Europa (Sprachkurs) und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (Feldforschung) erhalten.

Publikationen

Istorija kao slon u sobi: Srpska laboratoria sećanja. In: Peščanik, 02.02.2017.

History as Elephant in the Room: Observations from Serbia’s Memory Lab. In: Erinnerungskulturen: Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa, 16.12.2016.

Der Kampf der Erinnerungen war gestern, oder wie sich Erinnerungskultur gegen den Strich denken lässt, in: Erinnerungskulturen. Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa, 29.04.2015.

zus. mit Tomann, Juliane: Angewandte Geschichte. Neue Perspektiven auf Geschichte in der Öffentlichkeit, Paderborn 2014.

„Nemoj mi samo o miru i ljubavi!“ Versöhnung als Tabu auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien? In: Kakanien Revisited, 2013.

zus. mit Tomann, Juliane; Zytyniec, Rafal: Angewandte Geschichte – Betrachtungen eines neuen Ansatzes aus deutscher und polnischer Perspektive. In: HISTORIE. Jahrbuch des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Folge 4: Deutsch-Polnische Beziehungsgeschichte, Berlin 2011, S. 268 – 283.

zus. mit Tomann, Juliane; Littke, Anna; Ackermann, Jakob; Ackermann, Felix: Diskussion: Angewandte Geschichte: Ein neuer Ansatz? Version: 1.0. In: Docupedia-Zeitgeschichte, 15.2.2011.

Vorträge

A Truth Commission that dispenses with the Truth? The ‘Regional Commission for Establishing Facts on the Yugoslav Wars’, ASEEES Annual Convention, November 2015, Philadelphia, USA

"Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina: Ahndung und Aufarbeitung, Forum der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, Juni 2015, München

"Coping as Crisis? Dealing with the Yugoslav wars through a regional approach", 7th InASEA Congress "Cultures of Crisis: Experiencing and Coping With Upheavals and Disasters in Southeast Europe", September 2014, Istanbul, Türkei

"Transnationale Vergangenheitsaufarbeitung im postjugoslawischen Kontext: Die Koalition für REKOM" (Projektvorstellung und Diskussion der Zwischenergebnisse), Forschungskolloquium "Neue Perspektiven in der südost- und osteuropäischen Geschichte", Januar 2014, Regensburg

“The dilemma about reconciliation” – Investigating a transnational approach to dealing with the past in postjugoslav societies (RECOM), Workshop des Netzwerks "Media and Memoria in South-Eastern Europe", Mai 2012, Supetar, Insel Brac (Kroatien)

"The journey is its own reward. The Coalition for REKOM”, Zukunftswerkstatt des Goethe Instituts „Erinnerungen, Narrationen und Identitäten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Ex-Jugoslawien“, September 2011, Regensburg

"Einflüsse von Ansätzen der Vergangenheitsaufarbeitung aus anderen Ländern bei der regionalen Wahrheitskommission auf dem Westbalkan", Doktorandenworkshop “Regionale Geschichte in einer transnationalen Welt”, Juli 2011, Regensburg

"The German Reference in Creating a Regional Truth Commission in Post-Yugoslavia", Internationale Konferenz des Einstein Forums und des Hamburger Instituts für Sozialforschung "Translating Atonement: Can Countries learn from each other?" Juni 2011, Potsdam

"Between Globalization and Europeanization: Dealing with the past in Post-Yugoslavia", Sommer-Schule des Deutschen Historischen Instituts Paris, RICHIE und der Universität Paris IV-Sorbonne "Towards a European Society? Convergence and Divergence in 20th Century Europe", Juli 2010, Andé, Frankreich

Jacqueline Nießer, Diplom-Kulturwissenschaftlerin