Mission Statement

Wer wir sind

Die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien (GSOSES) ist eine gemeinsame Einrichtung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und der Universität Regensburg, die seit Oktober 2012 besteht. Sie vereint Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 15 verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer, die zum östlichen und südöstlichen Europa, aber auch zu anderen Weltregionen forschen. Darin spiegelt sich der Anspruch wider, Ost- und Südosteuropa nicht isoliert, sondern in ihren Wechselbeziehungen zu anderen Regionen zu untersuchen. Die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder finanziert die GSOSES in der zweiten Förderphase von 2012 bis 2017.

Unsere Ziele

Hauptziel der GSOSES ist es, dem wissenschaftlichen Nachwuchs optimale Bedingungen zur Entwicklung und Vollendung von Promotions- und Habilitationsprojekten, die das östliche und südöstliche Europa untersuchen, zu bieten. Im Zentrum der Bemühungen steht die individuelle Forscherpersönlichkeit, der wir soviel Freiraum und strukturierte Unterstützung sowie Weiterqualifikation wie möglich und nötig anbieten.

Zu den strukturellen Zielen der GSOSES gehört die Neupositionierung der Ost- und Südosteuropaforschung in der Matrix der Area Studies. Forciert werden daher Ansätze, die mit den Labels Transnationalität, Verflechtung und Bricolage bezeichnet werden können. Damit will die GSOSES die Ost- und Südosteuropaforschung endgültig von den Denkschablonen des Kalten Krieges, die so tiefe Spuren in ihrer Epistemologie hinterlassen haben, hinter sich lassen und der sich aus der Globalisierung ergebenden heuristischen Herausforderung stellen.

Ein weiteres Strukturziel der GSOSES ist die Verstärkung der interdisziplinären Kooperation, um analytischen Mehrwert zu generieren. Dabei geht es insbesondere um die Verschränkung von geistes- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven einerseits, die Integration von kunstwissenschaftlichen Zugängen in einen regionalwissenschaftlichen Kontext andererseits. Dieser Ansatz findet seinen Niederschlag in den drei Forschungsfeldern "Grundlagen und Formen des sozialen und politischen Wandels", "Kulturelle Ordnungen" sowie "Infrastrukturen, Migrationen und Wissenstransfers".

Unsere Motivation

Ost- und Südosteuropa ist jene Region Europas, die in den letzten Jahren den intensivsten, alle Teilbereiche der gesellschaftlichen Ordnung transformierenden Wandel durchlebt hat. Alleine die Tatsache, dass sich innerhalb eines Vierteljahrhunderts die Zahl der Staaten in der Region (inklusive Zentralasiens und des Kaukasus) von neun auf 30 vermehrte, verdeutlicht die Dramatik der Veränderungen. Nur sieben Staaten haben keine Grenzveränderung erlebt. Nirgendwo sonst auf der Welt war somit in jüngster Vergangenheit die territoriale Ordnung so im Fluss wie im östlichen und südöstlichen Europa und angesichts jüngster Entwicklungen (Annexion der Krim durch Russland) sowie ungelöster Territorialkonflikte im Bereich der ehemaligen Sowjetunion und Jugoslawiens ist ein Ende der Veränderung von Grenzen noch nicht abzusehen. Diese Dynamik bedeutet angesichts der Verflochtenheit der Region mit der Europäischen Union auch eine besondere gesellschaftliche und politische Relevanz der wissenschaftlichen Beschäftigung mit ihr.

Transformativer Wandel ist allerdings keinesfalls ein Spezifikum nur der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart der Region: Mit dem kommunistischen Experiment, den Verheerungen der beiden Weltkriegen und der Auflösung imperialer Ordnungen waren die Gesellschaften der Region wiederholt mit radikalen Veränderungen und Neukonstituierungen ihrer politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Ordnungen konfrontiert. Dieser tiefgehende Wandel, der häufig mit dem Verlust, ja auch der gezielten Vernichtung von Wissen verbunden war, konstituiert einen besonderen Forschungsbedarf. Gleichzeitig stellen diese Entwicklungen bzw. Zäsuren auch Besonderheiten des Untersuchungsgegenstandes dar, die es möglich, ja erforderlich machen, aus westlichen Traditionen stammende Denkschablonen zu überwinden. Umgekehrt können anhand von empirischen Beispielen aus dem östlichen und südöstlichen Europa zentrale Fragen allgemeiner Natur aufgeworfen und analysiert werden; durch die konzentrierte Kraft der Graduiertenschule hoffen wir, stärker als bisher in der Ost- und Südosteuropaforschung üblich einen Beitrag zur Theoriebildung zu leisten.

Unsere Basis

Ein Wort kann die Grundlage unserer Arbeit beschreiben: Kooperation. Die Graduiertenschule verbindet zwei Sprecheruniversitäten und sieben außeruniversitäre wissenschaftliche Einrichtungen in zwei Städten; sie ist eingebettet in ein breites Netzwerk von Kooperationsbeziehungen mit wissenschaftlichen Einrichtungen im In- sowie im Ausland. Sie ist darüber hinaus ein Ort für Gastwissenschaftler/innen und von Veranstaltungen, die sich dem wissenschaftlichen Austausch in der Ost- und Südosteuropaforschung widmen.

Aufbauen kann die Graduiertenschule auf die ausgebaute Forschungs- und Studienlandschaft zu Ost- und Südosteuropa an ihren beiden Standorten; gefehlt hat, bis zur Einrichtung der Graduiertenschule, genau das: ein strukturiertes Promotionsprogramm als Schnittstelle zwischen den einschlägigen Masterstudiengängen in München und Regensburg einerseits – und dabei insbesondere dem gemeinsamen M.A.-Programm „Osteuropastudien“ –  und den Forschungseinrichtungen vor Ort mit ihren Ressourcen und auch Karrieremöglichkeiten andererseits. Wie profitieren nun die Promovierenden und Postdoc-Forscher/innen der Graduiertenschule von dieser Basis? Als wichtigste Vorteile sind zu nennen:

  • die konzentrierte Betreuungskompetenz durch eine Vielzahl von erfahrenen Forscher/innen in verschiedenen Disziplinen mit Osteuropabezug sowie aus benachbarten Area Studies;
  • die materiellen Möglichkeiten der Forschungsförderung sowie die aktive Unterstützung bei der eigenen Vernetzung durch die Graduiertenschule;
  • die hervorragende Literaturversorgung dank der Osteuropaabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek sowie den Fachbibliotheken der beteiligten Forschungsinstitute, die zu den international führenden in ihrem Bereich gehören;
  • die Reichhaltigkeit des akademischen Programms, von Einzelvorträgen über Workshops, Podiumsdiskussionen bis hin zu großen internationalen Tagungen;
  • die Internationalität des Programms und der Zusammensetzung der Graduiertenschule, angereichert durch die Gastwissenschaftler- und Stipendienprogramme der Sprecheruniversitäten und der beteiligen Forschungsinstitute;
  • die Nähe zu führenden Fachzeitschriften und Publikationsreihen der Ost- und Südosteuropaforschung, die von an der GSOSES beteiligten Einrichtungen und Personen herausgegeben werden, sowie die Möglichkeit, unterschiedliche praktische und organisatorische Aspekte von Wissenschaft kennenzulernen;
  • die Etablierung eines breiten Netzwerks von Mentoren und Mentorinnen, die für außerwissenschaftliche Karrierewünsche Beratung und Hilfestellung leisten.