Dr. Adrian Grama

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Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
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Forschungsprojekte

Die Angst vor dem Globalen. Die zweite Globalisierung von der europäischen Peripherie aus überdenken (1960-1990)

Mein Projekt zielt darauf ab, zwei ineinander verschlungene Geschichten zu erzählen. Auf der einen Seite möchte ich untersuchen, wie sozialistische Außenhandelsmitarbeiter (sowohl Arbeitnehmer als auch Experten) die Möglichkeit zur Teilhabe an globalen Märkten und die Notwendigkeit, dort zu konkurrieren, wahrnahmen und wie diese Erfahrung wiederum die inländische und internationale Neuausrichtung während des Kalten Krieges und danach prägte. Auf der anderen Seite möchte ich zeigen, dass die globale Wende der sozialistischen Wirtschaftssysteme im Osten nicht nur von Transformationen der Weltwirtschaft beeinflusst wurde, sondern auch Schlüsselprozesse der Finanzialisierung, der steigenden Staatsverschuldung, der Überproduktion oder von Offshoring beleuchten könnte, die gewöhnlich als Folgen der Transformation der 1970er Jahre gelten.

Wie sollten wir über die Globalisierung der osteuropäischen Volkswirtschaften ab den 1970er Jahren, das Aufkommen neuer Berufe im Welthandel unter dem späten Staatssozialismus und den Übergang zum Kapitalismus nach 1989 in dieser Region nachdenken? Welche Rolle spielten sozialistische Handelsexperten, Zwischenhändler und Handelsvertreter bei der Integration der späten sozialistischen Volkswirtschaften in die Weltmärkte und wie beeinflussten ihre Erfahrungen, beruflichen Netzwerke und Fähigkeiten, die sie Geschäftstransaktionen auf der ganzen Welt erwarben, die Entstehung des Kapitalismus in Osteuropa in den 1990er Jahren? Dieses Projekt bildet, gestützt auf Archivrecherchen an verschiedenen Orten und Oral History, die Lebens- und Arbeitszyklen eines Jahrgangs von Fachkräften von ihrem Aufstieg als Berufsgruppe während der Globalisierung des späten Staatssozialismus in den 1970er Jahren bis hin zu ihrer Beteiligung an der großen sozialen und wirtschaftlichen Transformation, die nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime Osteuropas folgte, ab. Damit verknüpft das Projekt die jüngste Wiederbelebung des Kapitalismus als Forschungsobjekt der Arbeitshistoriker (Kocka ed. 2016) und die aufstrebende Literatur über die Transformation der osteuropäischen Arbeiterklassen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Siefert) ed. zu erwarten 2018).

Dieses Projekt folgt zwei Zielen: Zum einen biete ich eine empirisch umfangreiche und vielschichtige Erläuterung des sozialen Wandels an der osteuropäischen Peripherie, welche die Krise des Staatssozialismus und den anschließenden Übergang zum Kapitalismus neu beleuchtet; andererseits stelle ich den traditionellen Fokus der Arbeitsgeschichte auf Handarbeit und produktive Arbeit infrage, indem ich mich auf Fachkräfte des Wirtschaftslebens im Außenhandel beziehe, die ein direktes Ergebnis der zweiten Globalisierungswelle waren, die in den 1970er Jahren begann. Diese doppelte wissenschaftstheoretische Verschiebung in Geografie und Disziplin sollte es erlauben, zwischen der alten Arbeitsgeschichte und der entstehenden globalen Arbeitsgeschichte zu unterscheiden - sowohl in Bezug auf den Forschungsschwerpunkt als auch auf die Methoden.

Die Arbeiterfrage im Nachkriegsrumänien (1944-1954) [abgeschlossen]

Promotionsprojekt als Gaststipendiat der Graduiertenschule (Januar 2015 bis Mitte April 2015)

Meine Doktorarbeit untersucht die Dynamiken sozialen Wandels in Rumänien in der Mitte des 20. Jahrhunderts aus der Warte von Industriearbeitern. Dieses Projekt will zeigen, auf wie unterschiedliche Weisen die Metall- und Bergarbeiter die aufeinanderfolgenden Diktaturen der 1940er und der 1950er Jahre in Rumänien durchlebten. Dabei stellt es sich zwei einander ergänzende Aufgaben: Zunächst soll das komplexe Universum der Industriearbeiter und die Fülle ihrer Erfahrungen, die durch die Heimatfront im Zweiten Weltkrieg bestimmt wurden, dargestellt werden. Zweitens soll es in diesem Projekt um den sozialen Kontext gehen, in dem die Industrialisierung der Nachkriegszeit stattfand - das Stichwort ist „billige Arbeit“. Hier war die sozialistische Industrialisierung auf Regeln aus dem Krieg angewiesen, die darauf abzielten, die Kaufkraft der Arbeiter so niedrig wie möglich zu halten, um massive Investitionen in die Schwerindustrie zu ermöglichen. Meine Dissertation trägt zu einer aufkommenden kritischen Historiographie bei, die versucht, die sozialen Folgen des Zweiten Weltkriegs in Ostmitteleuropa zu lokalisieren und ein differenzierteres Verständnis des Übergangs zum Staatssozialismus zu vermitteln.

Curriculum Vitae

Adrian Granma absolvierte sein Bachelorstudium der Politikwissenschaft an der Universität Bukarest im Jahr und beendete 2009 einen Master der Nationalismusstudien an der Central European University in Budapest. Seine Promotion in komparativer Ost, Mittel- und Südosteuropäischer Geschichte schloss er an ebenjener Universität im Jahr 2016 ab.

Funktionen und Mitgliedschaften

Publikationen

Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden

Practices of Distance, Perceptions of Proximity: Trade-Union Delegates and Everyday Politics in Postwar Romania. In: Muriel Blaive / Nicolas Maslowski (eds.): Perceptions of Society at the Top in East Central Europe, 1945-1981, London 2018 (forthcoming).

Labor's Risks: Work Accidents, the Industrial Wage Relation and Social Insurance in Socialist Romania. In: Marsha Siefert (ed.): Labor in State Socialist Europe after 1945. Contributions to Global Labor History, Budapest 2018 (forthcoming).

With Susan Zimmermann: The Art of Link-Making in Global Labor History: Subaltern, Feminist and East European Interventions. In: European Review of History/ Revue européenne d’histoire 25 (1), 2018, S. 1-20, DOI: DOI: 10.1080/13507486.2017.1374927.

With Dan Mihai Cîrjan: Marxism strategic şi social-democraţie interbelică [Strategic Marxism and Interwar Social Democracy]. In: Andrei State and Alex Cistelecan (eds.): Plante Exotice. Teoria şi practica marxiştilor români [Exotic Plants. The Theory and the Praxis of Romanian Marxists], Cluj 2015, S. 43-125.

Vorträge (Auswahl)

2017

"Rethinking the Post-War Conjuncture: Labour and the Politics of Productivity in Eastern Europe (1945-1960)" ("Worlds of Labour Turned Upside Down – Revolutions and Labour Relations in Global Historical Perspective", ITH Conference, Linz, Austria, 2017).

"Oamenii meșterului. Istoria cotidiană și economia politică a reformelor salariale în România anilor '50 [The Foreman’s Men. Everyday History and the Political Economy Of Wage Reforms in Romania during the 1950s]" ("Istoria socială a comunismului românesc. Surse, metodologii, abordări, perspective" [The Social History of Romanian Communism. Sources, Methodologies, Approaches, Perspectives], Facultatea de Istorie și Filozofie, Universitatea Babeș-Bolyai, Cluj-Napoca, Romania, 2017).

2016

"The Fear of the Masses: Workers, Communists and the Question of Physical Violence in Postwar Romania" ("Perceptions of Society at the Top in East Central Europe, 1945-1981", International Conference, Institute for the Study of Totalitarian Regimes & Centre of French Civilization in Warsaw, Prague, Czech Republic, 2016).

"'Not Only the Liberty of the Individual but also the Rights of the Workers': Exiled Trade-Unionists and the Language of Totalitarianism during the Early Cold War" ("The Allure of Totalitarianism: The Roots, Meanings, and Political Cycles of a Concept in Central and Eastern Europe", International Conference, Imre Kertész Kolleg, Jena, Germany, 2016).

2015

"The Limits of Forced Labor in Postwar Eastern Europe. Towards a Global Genealogy of Stabilization Policies" (re: work/Humboldt Universität zu Berlin Summer Academy, Work and Non-Work in Global Perspective, Seoul, Republic of Korea, 2015).

2014

"Regulating Labor's Risks: Welfare and Crisis in late Socialist Romania" (Third Annual Europe & the World International Graduate Conference, Reims, France, 2014).

"Labor's Risks: Work Accidents and the Logic of Productivity in Socialist Romania" (European Social Science History Association, Vienna, Austria, 2014).

Adrian Grama