Bajro Murić, M.A.

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Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Universität Regensburg
Landshuter Str. 4
D-93047 Regensburg
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Promotionsprojekt

Erforschung von Sprachenpolitik, linguistischen Repertoires und Identitätsbildung der bosnischen Immigranten in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Laut einem Bericht über die Auswanderung aus Bosnien aus dem Jahr 2015 hat sich fast ein Viertel der 1.256.652 Bosnier außerhalb des Landes in Deutschland, Österreich und der Schweiz niedergelassen. Trotz der beträchtlichen Anzahl bosnischer Immigranten in diesen Ländern gibt es, wenn überhaupt, nur sehr wenige Studien zu den sprachlichen Herausforderungen, vor die diese Menschen gestellt wurden, wodurch ihre soziolinguistische Realität weitgehend unerforscht blieb. Dieses Forschungsprojekt will die sprachlichen Probleme der nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz eingewanderten Bosnier untersuchen, um die  Schwierigkeiten und Probleme aufzuzeigen, die ihnen beim Versuch begegnen, sprachliche Ressourcen zu erwerben und zu nutzen sowie sie an ihre Kinder weiterzugeben. Das Projekt untersucht die Familiensprachenpolitik, das sprachliche Repertoire und die Identitätskonstruktion der bosnischen Immigranten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, um Sprachpraktiken, Ideologien und Überzeugungen in bosnischen monolingualen Familien sowie in den mehrsprachigen/transkulturellen Familien mit Mitgliedern bosnischen Ursprungs aufzudecken.

 

Angesichts des Mangels an Studien, die sich mit der Familiensprachenpolitik unter den bosnischen Einwanderern in Deutschland, Österreich und der Schweiz befassen, wird die Hauptforschungsfrage des Projekts lauten: Wie beeinflussen die aktuellen sozialpolitischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontexte den Umgang mit der Fremdsprache (Foreign Language Policy) in bosnischen Einwandererfamilien und in mehrsprachigen/transkulturellen Familien mit Mitgliedern bosnischer Herkunft in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Mit Hilfe der folgenden Forschungsziele, die zum Teil auch in einigen anderen Studien und Kontexten verfolgt werden, sollen diese Frage zu beantwortet werden. Zunächst wird das Projekt untersuchen,  1) wie bosnische Familien in den oben genannten Ländern ihre familiäre Sprachpolitik gestalten, erklären, „verteidigen“ und durchführen und 2) welche Faktoren den Umgang mit Sprache in der Familie beeinflussen. Das Projekt zielt darauf ab, den Zusammenhang zwischen der Fremdsprachenpolitik und dem Widerstand der bosnischen Immigranten in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Bezug auf den Sprachwandel und die Bewahrung der Herkunftssprache in den Familien zu beschreiben und zu erforschen. Im Falle eines Sprachwandels wird das Projekt auch untersuchen, warum eine Familie sich von ihrer Muttersprache entfernt hat und warum bosnische Mitglieder von multikulturellen/ transnationalen Familien aufgehört haben, mit ihren Kindern ihre Herkunftssprachen zu nutzen und welche Faktoren ihre Sprache in eine nachteilige Position gebracht haben. Das Projekt untersucht auch die Sprache von bosnischen Einwanderern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, um herauszufinden, wie sie ihr linguistisches Repertoire in Interaktionen einsetzen, um ihre Identität zu konstruieren, zu behaupten und auszuüben und wie die familiäre Sprachpolitik zu mit dem sprachlichem Repertoire und der Identität von bosnischen Einwanderer verknüpft ist.

Curriculum Vitae

Geboren 1988 in Cazin, Bosnien und Herzegowina. Erwarb seinen Master auf Englisch im Fach Sprachen und Literaturen mit Spezialisierung in (angewandter) Linguistik an der Universität Bern, Schweiz. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Sprachpolitik und -planung, soziolinguistische Folgen der Globalisierung, Sprache und Ethnizität sowie Sprache und Identität. Mitglied mehrerer NGOs, die sich in seinem Heimatland und im Ausland mit Menschen- und Minderheitenrechten befassen, wie die internationale Organisation Humanity in Action. Seit November 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Slavistik der Universität Regensburg und als Doktorand der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropaforschung angeschlossen.

Funktionen und Mitgliedschaften

Vorträge (Auswahl)

2017

"The Methodological Challenges of Researching FLP" (SLI Conference Mehrsprachigkeit in Gesellschaft, Politik und Bildung, University of Freiburg, 16-18.03.2017).

"The Methodological Challenges of Researching Family Language Policy: The Case of Bosnian Immigrant Families in Germany" ("Elizitationsverfahren in der Mehrsprachigkeitsforschung", University of Münster, 08.-10.03.2017).

"Longing for the Left-Behind: Language Ideologies and Nostalgia in Bosnian Muslim Families in Stuttgart, Germany" (Zadar Linguistic Forum, University of Zadar, 09-10.06.2017).

Bajro Muric