Prof. Dr. Jana Osterkamp

Kontakt

Ludwig-Maximilians-Universität München
Historisches Seminar der LMU
Geschichte Ost- und Südosteuropas
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München

Besucheradresse:
Historicum, Schellingstraße 12, Raum 432

Tel.: +49 (0)89 / 2180 - 5825
E-Mail

Forschungsprojekt

Vielfalt ordnen. Föderalismusvorstellungen in der Habsburgermonarchie und ihren Nachfolgestaaten

Die Habsburgermonarchie war im langen 19. Jahrhundert ein Laboratorium für föderale Ordnungsvorstellungen. Das Habilitationsvorhaben nähert sich diesem Phänomen über vier thematische Zugänge: Nation, Wirtschaft/Finanzen, Religion und Region.

Mit Blick auf die Heterogenität des Habsburgerreiches lautet die zentrale Frage: Was bedeutet Föderalismus für gesellschaftliche Vielfalt und welche Bedeutung hat umgekehrt gesellschaftliche Vielfalt für föderale Ordnungsvorstellungen? Dabei wird das integrative und befriedende Potential von föderalen Strukturen betont. Weder werden Föderalismusideen ausschließlich als zentrifugal-separatistisch, noch werden bestehende Ungleichheiten von vornherein als defizitär gedeutet. In den föderalen Ordnungsvorstellungen jener Zeit zeigt sich vielmehr ein mitunter überraschend modernes Herrschaftsverständnis. Auf überlappenden Loyalitäten und Identitäten aufbauende Sowohl-als-auch-Zugehörigkeiten der Staatsbürger waren ebenso Thema wie Ideen einer Integration durch Recht und Institutionen. Die geplante Föderalismusgeschichte leistet damit auch einen Beitrag zu der in neueren Forschungen aufgeworfenen Frage, warum das Habsburgerreich so lange bestehen konnte.

Für die Analyse wird auf politik- und rechtswissenschaftliche Ansätze zu Föderalismus in supranationalen Ordnungen und konzeptionelle Fragen nach Loyalität und Moderne zurückgegriffen. Sie stützt sich auf gedruckte Dokumente, Archivquellen sowie Reichsrats-, Landtags- und Verwaltungsprotokollen.

Weitere Informationen ...

Curriculum Vitae

Studium der Rechtswissenschaft in Berlin und Prag (1997-2003)

Doktorandin am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt a. M. (2004-2007)

wissenschaftliche Mitarbeiterin am Collegium Carolinum, An-Institut der LMU (z.Zt. freigestellt)

Lehrveranstaltungen am Historicum, Osteuropäische Geschichte, LMU

Dozentin des Internationalen Graduiertenkollegs "Religiöse Kulturen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts", München und Prag (seit 2009)

Leiterin der Emmy Noether-Nachwuchsgruppe (DFG) „Vielfalt ordnen. Föderalismusvorstellungen in der Habsburgermonarchie und ihren Nachfolgestaaten“ (seit 2012)

Vorstandsmitglied der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien an der LMU München und der Universität Regensburg (2012-2014)

Elternzeit (2013/2014)

Feodor-Lynen Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Universität Wien (2014)

Vertretung des Lehrstuhls für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der LMU München (seit 10/2016)

Publikationen

Monografien

Verfassungsgerichtsbarkeit in der Tschechoslowakei (1920-1939). Verfassungsidee – Demokratieverständnis – Nationalitätenproblem. Frankfurt am Main 2009

Herausgeberschaften

Zus. mit Martin Schulze Wessel (Hg.): Exploring Loyalty. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum; 136).

(Hg.): Vielfalt und Verteilung. Regionale, nationale und konfessionelle Verteilungsfragen in Europa. Historische Sozialkunde. Geschichte – Fachdidaktik – Politische Bildung 2 Wien 2015.

Zus. mit Joachim von Puttkamer (Hg.): Sozialistische Staatlichkeit. München 2012 (Bad Wiesseer Tagungen des Collegium Carolinum; 32).

Zus. mit Oliver Brupbacher; Nadine Grotkamp; Tilmann Roeder; Stefan Ruppert: David Sörgel (Hg.): Erinnern und Vergessen. München 2007.

Zus. mit Renate Schulze (Hg.): Kirche und Sozialismus in Osteuropa. Wien 2006.

Aufsätze (Auswahl)

Zus. mit Martin Schulze Wessel: Exploring Loyalty. In: Dies. (Hg.): Exploring Loyalty, Göttingen 2017 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum; 136), S. 1-16.

“Imagined Law” and “Imagined Communities”. Confessional Collectives and their Ideas for a Federal Habsburg Partition of Galicia. In: Kleinmann, Y.; Stach, St.; Wilson,T. (Hg.): Religion in the Mirror of Law. Research on Early Modern Poland-Lithuania and its Successor States in the 19th and Early 20th Centuries. Frankfurt a.M. 2016 (Studien zur europäischen Rechtsgeschichte; 280), S. 41-60.

"Kooperatives Imperium": Loyalitätsgefüge und Reich-Länder-Finanzausgleich in der späten Habsburgermonarchie. In:  Geschichte und Gesellschaft 42 (2016), 4, S. 592-620.

Zus. mit Martin Schulze Wessel: Texturen von Loyalität. Überlegungen zu einem analytischen Begriff. In: Geschichte und Gesellschaft 42 (2016), 4, S. 553-573.

Geschichte als Argument. Das Böhmische Staatsrecht als politischer Leitbegriff im 19. Jahrhundert. In: Střed/Centre 2016, 1, S. 9-27.

Imperial diversity in the village. Petitions for and against the division of Galicia in 1848. In: Nationalities Papers 44 (2016), 5, S. 731-750. (online)

Cooperative Empires. Provincial Initiatives in Imperial Austria. In: Austrian History Yearbook 47 (2016) 128-146.

Wasser, Erde, Imperium. Eine kleine Politikgeschichte der Meliorationen in der Habsburgermonarchie. In: Ganzenmüller, Jörg/Tönsmeyer, Tatjana (Hg.): Vom Vorrücken des Staates in die Fläche. Ein europäisches Phänomen des langen 19. Jahrhunderts. Wien 2016, 179-198.

Equality at Stake. Legal and National Discourses on Family Law in Czechoslovakia 1918-1931. In: Sara L. Kimble/Marion Röwekamp (Hg.): New Perspectives on European Women’s Legal History. London 2016, 97-121.

Föderale Vielfalt und fiskalische Verteilung. In: Historische Sozialkunde 2 (2015), 22-25.

Zur Geschichte von „Vielfalt und Verteilung“: Einleitung. In: Historische Sozialkunde 2 (2015), 2-3.

Föderale Schwebelage. Die Habsburgermonarchie als politisches Mehrebenensystem. In: Gerold Ambrosius/Christian Henrich-Franke/Cornelius Neutsch (Hgg.): Föderalismus in historisch vergleichender Perspektive. Bd. 2: Föderale Systeme: Kaiserreich - Donaumonarchie - Europäische Union. Baden-Baden 2015, 197-219 (Schriftenreihe des Instituts für Europäische Regionalforschungen; 22).

„Too much Future!“ Ideologie und nationale politische Mythen im Staatssozialismus. In: Osterkamp, Jana / von Puttkamer, Joachim (Hgg.): Sozialistische Staatlichkeit. München 2012, 73-90.

Nationale Frage und Verfassungsgerichtsbarkeit in der Tschechoslowakei / Národnostní otázka a ústavní soudnictví v Československu. In: Tomáš Langášek (Hg.): Ústavní soud Československé republiky. 90 let od jeho ustavující schůze. Ústavní soud, Brno: 2012, 55-75 / 76-93.

Verfassungshüter ohne politischen Rückhalt. Das tschechoslowakische Verfassungsgericht nach 1920 im Vergleich mit Österreich. In: Beiträge zur Rechtsgeschichte Österreichs 2 (2011), 275-290.

Loyalität als Rechtspflicht. Verfassungsrechtliche Grundpflichten im Staatssozialismus. In: Peter Haslinger/Tomas Nigrin/Volker Zimmermann (Hgg.): Loyalitäten im Staatssozialismus. DDR, Tschecho­slowakei, Polen. Herder-Institut. Marburg 2010, 25-44 (Tagungen zur Ostmitteleuropa-Forschung 28).

Hans Kelsen in der Tschechoslowakei. In: Hans Kelsen: Leben-Werk-Wirksamkeit. Hg. von Robert Walter/Werner Ogris/Thomas Olechowski. Wien 2009, 305-318 (Schriftenreihe des Hans Kelsen-Instituts 32).

Ústavní soudnictví v meziválečném Československu. In: Právník 6 (2007) 585-618.

Der Weg des parlamentarischen Regierungssystems von Frankreich in die Erste Tschechoslowakische Republik. In: Právněhistorické studie 38 (2007) 343-354.

Die Verfassungsgerichtsbarkeit in der Kremsierer und der Frankfurter Reichs- verfassung 1848/49. In: Vývoj české ústavnosti v letech 1618-1918. Hg. von Karel Malý und Ladislav Soukup. Prag 2006, 397-413.

Paris – Prag. Geschichte eines Verfassungstransfers. In: Rechtstransfer in der Geschichte. Tagungsband hg. von Vanessa Duss und Nikolaus Lindner. München 2006, 322-336.

Rezensionen (Auswahl):

Steffi Marung / Katja Naumann (Hg.), Vergessene Vielfalt. Territorialität und Internationalisierung in Ostmitteleuropa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2014. In: Bohemia 55/1 (2015) 185-188.

Arnold Suppan, Hitler - Beneš - Tito. Konflikt, Krieg und Völkermord in Ostmittel- und Südosteuropa, Wien: Verlag der ÖAW, 2014. In: Bohemia 55/1 (2015), 222-223.

Katalin Gönczi, Die europäischen Fundamente der ungarischen Rechtskultur. Juristischer Wissenstransfer und nationale Rechtswissenschaft in Ungarn zur Zeit der Aufklärung und im Vormärz, Frankfurt am Main: Klostermann, 2008. In. Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 63/1 (2015) 147-149.

Vorträge / Workshops

06/2017 - Vielfalt ordnen. Eine Föderalismusgeschichte der Habsburgermonarchie, Kolloquium Osteuropäische Geschichte, Halle-Wittenberg (Vortrag).

06/2017 - (Kein) Ende des alten Europa? Neuordnung in den Jahren 1917-1919, Deutsch-polnisch-französische Sommerschule, Breslau (Vortrag).

05/2017 - Gerecht verteilen. Geschichte und Gegenwart von Finanzföderalismus, Kompetenzverbund Historische Wissenschaften, München (Podiumsdiskussion, Konzept und Teilnehmerin).

11/2016 - Das kooperative Imperium. Politische und gesellschaftliche Zusammenarbeit im Herrschaftssystem der Habsburgermonarchie, Jahrestagung des Collegium Carolinum, Bad Wiessee (Konferenz, gemeinsam mit Luboš Velek).

03/2016 - Religiöse Vielfalt ordnen. Zur Föderalismusgeschichte der Habsburgermonarchie. Institut für Europäische Geschichte, Mainz (Vortrag).

12/2015 - "Promoting Jews as a Nationality: The Perspective of Viennese Chief Rabbi Chajes", Wien (Vortrag).

12/2015 - "Vielfalt ordnen: Föderalismusgeschichte der Habsburgermonarchie", Basel (Vortrag).

10/2015 - "Historisches Staatsrecht als Argument im "imperialen Föderalismus" Österreich-Ungarns", Prag (Vortrag).

10/2015 - "Die Länderlobby. Zur "Verländerung" von staatlichen Aufgaben im Habsburgerreich", Siegen (Vortrag).

08/2015 – „Cooperative Empires”, Tokyo (Vortrag).

03/2015 - "Multinational federalism. Eine politikwissenschaftliche Perspektive für die Habsburgermonarchie", Budapest (Vortrag).

02/2015 – “Föderalismus in der Habsburger Monarchie und ihren Nachfolgestaaten“, Regensburg (Vortrag).

01/2015 – “Diversity and difference in Francis Ferdinand’s plans to reorganise the Habsburg Empire”, Wien (Vortrag).

06/2014 – “The Bosnian Annexation Crisis of 1908 as a Watershed”, Sarajevo (Vortrag).

06/2014 – „Vielfalt ordnen. Föderale Ordnungsvorstellungen für Galizien“, Wien (Vortrag).

05/2014 – “Ein Reich ohne Eigenschaften? Das Erbe föderaler Ideen in den Nachfolgestaaten“, Wien (Vortrag).

05/2014 – „Zwischen Kooperation und Koordination? Finanzföderalismus in der späten Habsburgermonarchie“, Wien (Vortrag).

04/2014 – “Wien als Metropole des Habsburgerreiches. Politische Polykratie in der Topographie einer Stadt“, Wien (Vortrag).

05/2013 – "Kooperation im Imperium jenseits des Nationalitätenkampfes. Finanzföderalismus im ausgehenden Habsburgerreich", Leipzig (Vortrag).

05/2013 – „Vergessenes Erbe? Föderalismuskonzepte und Nationalstaatsideologien in den ‚Nachfolgestaaten‘“, Wien (Vortrag).

11/2012 – „Bürokratie als Träger von supranationalen Loyalitäten in der Habsburgermonarchie“, München (Vortrag).

09/2012 – „Viele Loyalitäten machen einen Staat? Föderalismusvorstellungen in der Habsburgermonarchie“, 49. Deutscher Historikertag, Mainz (Vortrag).

09/2012 – „Katolická etika a ekonomické myšlení Albína Bráfa v éře národního vzbuzení“, Prag (Vortrag).

11/2011 – „Národnostní otázka a ústavní soudnictví“, Brünn (Vortrag).

04/2010 – „’Imagined federalisation’ and ‘imagined communities’ - Federal Ideas in the Habsburg Partition of Galicia”, Lemberg/Lviv (Vortrag).

04/2009 – „Hans Kelsen in der Tschechoslowakei“, Wien (Vortrag).

11/2008 – „Verfassungsrechtliche und politische Grundpositionen der Verfassungsgerichtsbarkeit“, Wien (Vortrag).

10/2008 – „Inszenierung und Kommunikation in der tschechoslowakischen Verfassungskultur nach 1918“, Jena (Vortrag).

05/2007 – „Ermächtigungsgesetze in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit“, Salzburg (Vortrag).

04/2006 – Ústavní soudnictví v meziválečném Československu, Prag (Vortrag).

09/2005 – „Verfassungsgerichtsbarkeit in der Kremsierer und der Frankfurter Reichsverfassung 1848/49“, Prag (Vortrag).

05/2005 – „Paris – Prag. Geschichte eines Verfassungstransfers“, Luzern (Vortrag).

Lehrveranstaltungen

SoSe 2017

Neuere Forschungen zur Geschichte Osteuropas

SoSe 2017

Neuere Föderalismustheorie und Föderalismusgeschichte in Osteuropa

SoSe 2017

 Die neue Ordnung im Zentrum Europas, 1917-1919

WiSe 2016/17

Einführung in die Geschichte der Habsburgermonarchie im 'langen 19. Jahrhundert'

WiSe 2016/17

Neuere Imperiengeschichte und Imperienvergleich in der osteuropäischen Geschichte

 

WiSe 2016/17

Märzrevolution von 1848

WiSe 2016/17

Oberseminar zur Geschichte Osteuropas

 

SoSe 2015

Internationales Graduiertenkolleg "Religiöse Kulturen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts". Forschungskolloquium