Dr. Ekaterina Makhotina

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Institut für Geschichtswissenschaft
Abteilung für Osteuropäische Geschichte
Adenauerallee 4-6
53113 Bonn
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Website (Universität Bonn)

Forschungsschwerpunkte

  • Erinnerungs- und Geschichtskultur im östlichen Europa
  • Selbstzeugnisse der Gewaltherrschaft
  • Geschichte Litauens (20. Jahrhundert), Holocaust in Litauen
  • Belagerung Leningrads als Ereignis und Erinnerungsort
  • Kriegerdenkmale und soziale Praktiken der Erinnerung, Eventisierung der Erinnerung
  • Stalinismus, Auseinandersetzung mit Stalinismus im postsowjetischen Raum

Promotionsprojekt [abgeschlossen]

Erinnerungsdiskurse zum Zweiten Weltkrieg in Museen, Gedenkstätten und Denkmalkultur Litauens
1944 - 2010

Das Projekt untersuchte die Formen der kulturellen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Litauen von 1944 bis zur Gegenwart. Zunächst fragte es nach den spezifischen erinnerungspolitischen Strategien in der Sowjetzeit, die den konventionellen Diskurs der Kriegserzählung formten. Dabei wurde gezeigt, dass die auf der staatlichen Ebene vermittelten Inhalte der Kriegserinnerung in Litauen sich von dem sowjetrussischen Narrativ unterschieden und auch eine andere politische Funktion hatten. So wurde beispielsweise die Komponente des litauischen nationalen Opferleids und "antifaschistischen Widerstands" hervorgehoben - unter anderem durch die Überschreibung der jüdischen Erinnerung.

Zum anderen stellt der politische Umbruch 1989-1990 eine wichtige Zäsur dar. Die dadurch eingeleitete geschichtspolitische Wende führte nicht nur zur Ausformung einer neuen nationalen Meistererzählung, die das litauische Opfer der sowjetischen Okkupation in den Mittelpunkt stellte, sondern auch zur Pluralisierung der Vergangenheitsdiskurse und Entstehung transnationaler Erinnerungsnetzwerke. Es gründeten sich neue Museen (Museum des Genozids, Holocaust-Ausstellung des Jüdischen Museums, Museum der Okkupationen), die meisten sowjetischen Museen wurden geschlossen. Mit ihnen verschwand auch das museal gestützte Gedächtnis und Gedenken an den Zweiten Weltkrieg. Die Studie zeigt auf, dass die Erinnerung an den Krieg im Form des rituellen Gedenkens - zuerst und vor allem am 9. Mai, dem Tag des Sieges - weiter existiert und für die junge Generationen der russischsprachigen Litauern eine wichtige Orientierung in der Vergangenheit und Gegenwart bietet.

Die Studie ist als Band 4 der Reihe "Schnittstellen. Studien zum östlichen und südöstlichen Europa" erschienen.

Curriculum Vitae

Seit April 2016 Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Geschichte Osteuropas der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Seit 2015 Leitung des Projektes "Sieg — Befreiung — Besatzung: Kriegsdenkmäler und Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des Kriegsendes im postsozialistischen Europa", zusammen mit Mischa Gabowitsch und Cordula Gdaniec. (Mehr zum Projekt).
2015 Wissenschaftliche Mitarbeit an der Ausstellung "Der 9. Mai: Formen des Gedenkens an das Kriegsende 1945" (Konzeption und Inhaltliche Begleitung, zusammen mit Cordula Gdaniec und Mischa Gabowitsch)
Januar 2015 Abschluss der Promotion zum Thema "Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Museen, Gedenkstätten und Denkmälern in Litauen nach 1989" (Summa cum laude).
2012-2015 Assoziierte Doktorandin der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in München
2013-2014 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte München (Redaktion der Mitteilungen der Deutsch-Russischen Historikerkommission).
Oktober 2011 -
März 2016
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Ludwigs-Maximilians-Universität München.
2008-2014 Arbeit am Promotionsprojekt zum Thema Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Litauen im Rahmen des am Collegium Carolinum angesiedelten Forschungsprojektes „Musealisierung der Erinnerung. Zweiter Weltkrieg und nationalsozialistische Besatzung in Museen, Gedenkstätten und Denkmälern im östlichen Europa“, gefördert von der VolkswagenStiftung.
2007–2008 Leitung des deutsch-russischen Forschungs- und Begegnungsprojektes „Geschichte mit den Augen des Anderen sehen“ zu regionalen Gedenkorten an Opfer politischer Repression in Deutschland und Russland, im Förderprogramm „Geschichtswerkstatt Europa“ der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“
2005-2008 Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung
2005-2006 Kollegiatin des Theodor-Heuss-Kollegs der Robert-Bosch-Stiftung
2001-2008 Studium der Neueren und Neuesten sowie Osteuropäischen Geschichte und Bohemistik in St. Petersburg, Karlsruhe und Regensburg und München.
1982 Geb. in St. Petersburg.

 

Auszeichnungen

2013: Förderpreis von The Center for Research on the History of Soviet Jewry during the Holocaust (International Institute for Holocaust Research at Yad Vashem) für Erforschung der Jüdischen Museen in Litauen.

Funktionen (Auswahl)

  • Mitglied im Beirat der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
  • Jury-Mitglied im Programm "Zwangsarbeit und vergessene Opfer“ der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft"
  • Mitglied im Vorstand des Cologne-Bonn Center for Central and Eastern Europe
  • Mitgliedschaft und Mitarbeit in außerakademischen Organisationen: Mitglied der Arbeitsgruppe "Zukunftswerkstatt" des deutsch-russischen Diskussionsforums „Petersburger Dialog“ und des deutsch-polnisch-russischen Trialogs (Ost-West-Forum Gödelitz); Mentorin für aktuelle Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Publikationen

Monografien

Fania Brancovskaja. Erinnerungen, Berlin 2018. (In Vorbereitung).

Erinnerungen an den Krieg – Krieg der Erinnerungen. Litauen und der Zweite Weltkrieg (= Schnittstellen. Studien zum östlichen und südöstlichen Europa; Bd. 4), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2016.

Stolzes Gedenken und traumatisches Erinnern: Gedächtnisorte der Stalinzeit am Weißmeerkanal. Frankfurt am Main 2013. (= Reihe Osteuropastudien)

Mitherausgeberschaften

Zus. mit Mischa Gabowitsch; Cordula Gdaniec (Hrsg.): Kriegsgedenken als Event. Der 9. Mai 2015 im postsozialistischen Europa. Paderborn; München; Wien; Zürich: Ferdinand Schöningh, 2017.

Zus. mit Ekaterina Keding; Włodzimierz Borodziej; Etienne François; Martin Schulze Wessel (Hrsg.): Krieg im Museum. Präsentationen des Zweiten Weltkriegs in Museen und Gedenkstätten des östlichen Europa. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2015.

Zus. mit Martin Schulze Wessel; Irene Götz (Hrsg.): Vilnius. Geschichte und Gedächtnis einer Stadt zwischen den Kulturen. Frankfurt am Main, New York 2010.

Wisenschaftliche Aufsätze (Auswahl)

Die Belagerung Leningrads im russischen und deutschen Gedächnis. Blokada Leningrada w istoričeskoj pamiati Rossji i Germanji. Katalog zur Ausstellung. Moskau 2017. (Im Erscheinen) Link zum Beitrag

Vilnus, Wilno, Wilna, Vilne, l'Europe en miniature. In: Francios, Etienne; Serrier, thomas: Lieux de mémoire européens. Paris 2017. (Im Erscheinen)

Kriegsgedenken als Protest. Der 9. Mai in Vilnus. In: Gabowitsch, Mischa (Hg.): Pamjatnik i prazdnik. Moskau 2017. (Im Erscheinen)

"Krieg nach dem Krieg". Die antisowjetische Partisanenbewegung in Litauen in und nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Zuckert, Martin; Zarusky, Jürgen; Zimmermann, Volker (Hrsg.), Partisanen im Zweiten Weltkrieg. Der Slowakische Nationalaufstand im Kontext der europäischen Wiederstandsbewegungen. Göttingen 2017. S. 147-164.

Between "Suffered" Memory and "Learned" Memory: The Holocaust and Jewish History in Lithuanian Museums and Memorials After 1990. In: Yad Vashem Studies 44-1, 2016. S. 207-246.

Hunger in Tagebüchern über die Leningrader Belagerung. In: Eisfeld, Alfred, Hausmann, Guido, Neutatz, Dietmar (Hrsg.): Hungersnöte und Epidemien in Russland und in der Sowjetunion. Regionale, ethnische und konfessionelle Aspekte. Essen 2017. S. 119-140.

Räume der Trauer – Stätten, die schweigen. Symbolische Ausgestaltung und rituelle Praktiken des Gedenkens an die Opfer des Stalinistischen Terrors in Levašovo und Sandormoch. In: Ganzenmüller, Jörg, Utz, Raphael: Sowjetische Verbrechen und russische Erinnerung. Orte – Akteure – Deutungen. Oldenbourg 2014. S. 31-58.

Auf der Suche nach der verlorenen Heimat: Das gesellschaftliche Erinnern an das 20. Jahrhundert im heutigen Russland. In: Zedler, Jörg (Hrsg.): "Was die Welt im Innersten zusammenhält". Gesellschaftlich-staatliche Kohäsionskräfte im 19. und 20. Jahrhundert. München 2014. S. 77-104.

Tjaželoe obraščenie s prošlym: Opyt nemeckogo Vergangenheitsbewältigung. (Der schwere Umgang mit der Vergangenheit: Die Erfahrung der deutschen Vergangenheitsbewältigung). In: Rossija i Germanija : Vyzovy 21 veka. – St. Petersburg: Rosbalt, 2013, – S.199 –218.

Archäologie der Erinnerung: Der Gedenkfriedhof und das sowjetische Ehrenmal Antakalnis in Vilnius, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2013, S. 247-262.

Вильнюс. Места памяти европейской истории. (Vilnius: Erinnerungsorte der europäischen Geschichte). In: Neprikosnovennyj Zapas, 4 2013, S. 277-297, Auch online: www.nlobooks.ru/node/3866

Gebrochene Erinnerung. Der Große Vaterländische Krieg in Russland heute. In: Deutsch-Russisches Museum Karlshorst (Hg.): Juni 1941. Der tiefe Schnitt. Berlin 2011. 2-te Auflage. S. 28-39.

Symbole der Macht, Orte der Trauer: Die Entwicklung der rituellen und symbolischen Ausgestaltung von Ehrenmalen des Zweiten Weltkriegs in Russland. In: Heineman, Monika u.a. (Hrsg.): Medien zwischen Fiction-Making und Realitätsanspruch. Konstruktion historischer Erinnerungen. Oldenbourg 2011. S. 279-306.

Vergangenheitsdiskurse zur Sowjetzeit in Russland und Litauen nach 1989. In: Assmann, Wolfgang R., Kalnein Graf von, Albrecht (Hg.): Erinnerung und Gesellschaft. Formen der Aufarbeitung von Diktaturen in Europa. Berlin 2011. S. 195-222.

Vom "Heldenepos" zum "Opferort" und zurück: Gedächtnisorte des Weißmeerkanals im heutigen Russland: Eine Lokalstudie im Medvež’egorsker Rayon. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, Bd. 58 (2010), S. 71–99.

Polnisch-russische Erinnerungsorte im Kontext des politischen Wandels im 20. Jahrhundert, In: Czejarek, Karol, Pszczolkowski, Tomasz G. (Hg.): Polen zwischen Deutschland und Russland. Materialien internationaler Colloquien. Pulstusk 2011. S. 229-241.

Diskussionsbeitrag für: Leben in und mit dem Stalinismus: (Diskussion des Buches von Orlando Figes: Die Flüsterer. Leben in Stalins Russland. Berlin: Berlin-Verlag, 2008), In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 58 (2010), S. 400-412.

"Es ist unsere Pflicht, es nicht zu vergessen": Zur Entwicklung der Holocaust-Gedenkkultur im sowjetischen und post-sowjetischen Litauen. In: Clio-online – Redaktion Themenportal Europäische Geschichte.

Von Revolutionen, Kriegen und Kosmosflügen: Was die russische Gesellschaft spaltet und zusammenhält, in: zur debatte Themen der katholischen Akademie in Bayern, 7 / 2011.

Veröffentlichungen im Web

Staging Soviet History in Lithuania: Full Text.

Individuelle und kollektive Erinnerung an die Stalinzeit im heutigen Russland. Abstract zur Forschungsarbeit und Kurzfilm "Erinnerung an die Stalinzet in Karelien": Artikel

"Die Unsrigen": Zur Holocaust-Debatte in Litauen: https://erinnerung.hypotheses.org/671

Gedenkrede in Hebertshausen, 22. Juni 2015: https://erinnerung.hypotheses.org/292

Der 9. Mai in Berlin: https://erinnerung.hypotheses.org/144

Geteilte Erfahrung – geteiltes Gedenken: 70 Jahre Befreiung des KZ Dachau: https://erinnerung.hypotheses.org/105

Das Georgsbändchen – was es verbindet, was es trennt: https://erinnerung.hypotheses.org/28

Ekaterina Makhotina, M.A.