[Tagung München] Research Workshop "Forms of Violence"

08.04.2016 09:30 - 09.04.2016 13:00

Das Institut für den Nahen und Mittleren Osten der Ludwig-Maximilians-Universität München veranstaltet am Freitag, dem 8., und Samstag, dem 9. April, einen Research Workshop über "Forms of Violence". Der Turkologe Prof. Dr. Christoph K. Neumann, Mitglied der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, hat diese internationale Tagung organisiert; Gerhard Grüßhaber, Doktorand der Graduiertenschule, gehört zu den Vortragenden.

Mit dieser kleinen Konferenz verfolgen die Veranstalter zwei Anliegen: Zum einen werden heute in der EU-europäischen Öffentlichkeit die islamische Welt und der Nahe Osten als Raum der Gewalt verstanden. Dabei handelt es sich sicher um eine orientalistische Verkürzung und Verkennung, die sich dem Erbe von Wahrnehmungen aus der Zeit des Imperialismus und heutigen politischen Interessen verdankt. Trotzdem betrachten die Kulturwissenschaftler am Institut es als ihre Aufgabe, sich mit Vergangenheit und Gegenwart von Gewalt in der Region kritisch forschend auseinanderzusetzen. Diese Konferenz präsentiert also Ergebnisse, die in einen Zusammenhang mit einem momentan öffentlich virulenten Diskurs zu lesen sind, aber zugleich das wissenschaftliche, mit einem aus der Mode geratenen Wort: aufklärerische Anliegen der teilnehmenden Wissenschaftler artikulieren.

Denn das ist der zweite Moment: Beim Nachdenken über eine gemeinsame Konferenz haben Mitarbeiter des Instituts für den Nahen und Mittleren Osten der LMU München bestätigt gefunden, dass die Vielfalt ihrer disziplinären und regionalen Ansätze sich bei einer ganzen Reihe von Themen zu gemeinsamen Interessen verbinden — so, wie es sein soll. Dieser Workshop wird insofern auch Auskunft über den Stand geben, auf dem sich die in einem ja immer noch neuen Institut organisierten Nah- und Mittelost-Studien in München befinden — wenn auch nur fast vollständig: weil Talin Suciyan zum Zeitpunkt der Tagung noch in Berkeley forscht, sind entsprechende Arbeiten zu den christlichen Elementen der nahöstlichen Gesellschaften im Programm weniger repräsentiert, als das unserem Anliegen entspricht (Siehe ihr kürzlich erschienenes Buch The Armenians in Modern Turkey: Post-Genocide Society, Politics and History).

Für eine Keynote konnte Walter Posch aus Wien mit einem Vortrag zum Iran gewonnen werden. Walter Posch ist ein Historiker, der in den letzten Jahren zahlreiche politikwissenschaftliche Publikationen über Konflikte vor allem im Zusammenhang mit dem Iran vorgelegt hat. Die Wahl dieses Referenten unterstreicht auch, dass ein Nachdenken über die Region nur mit gleichwertiger Berücksichtigung des Irans wissenschaftlich verantwortbar ist.

Die Tagung ist ein gemeinsamer Workshop, aber kein interner: Es ist sehr erwünscht, dass viele Zuhörer zu mitdiskutierenden Teilnehmern werden.

Veranstalter: Institut für den Nahen und Mittleren Osten
Zeit: 8.-9.4.2016
Ort: LMU Hauptgebäude, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München, Erdgeschoss C005

 

Programm

Friday, April 8th 2016

9.30 - 10.30 Opening Discussion (Chair: Christoph K. Neumann)

10.30 - 12.00 Panel I: Divine Prerogatives and Violence (Chair: Heidi Walcher)

  • Nathan Gibson: "Rhetoric as a Fulcrum of Power: How a Writer’s Words Helped the Caliph Turn Program into Practice"
  • Rocio Daga Portillo: "Insult of the Prophet and the Legitimation of Violence: From Collective Insurgence to Individual Crime"

12.00 - 13.30 Lunch Break

13.30 - 15.30 Panel II: Modern Racist Stereotyping and Violence (Chair: Christian Müller)

  • Yossi Brill: "Mensuration of Violence: Was there a Shoa in Northern Africa?"
  • Annette Bürger, Bestegül Ünsal: "NSU and anti-Muslim Racism: Underestimation of Right-Wing Extremist Violence in Contemporary Germany"
  • Sarah El Bulbeisi: "On Trauma and Melancholia: Palestinians in Germany and Switzerland"

15.00 - 16.00 Coffee Break

16.00 - 18.00 Panel III: State-Building and Violence (Chair: Ronny Vollandt)

  • Adrian Gheorghe: "Deconstructing the Ottoman Empire, Deconstructing the Conquest of Southeastern Europe. Anatolians, Warlords and Ottomans before the Battle of Kossovopolje (1389)"
  • Anna Vlachopoulou: "Violence in Revolutionary Processes in Early Modern Times and (maybe) Beyond: The Example of the Peloponnese; A Report on Work in Progress"
  • David Arn: "Pure Violence or Adaptive Tactics? The Media Strategy of the »Islamic State«"

18.00 Keynote:

  • Walter Posch (Landesverteidigungsakademie, Wien): "Political Violence in Contemporary Iran"

Saturday, April 9th, 2016

10.00 - 12.00 Panel IV: Socio-Political Order and Violence (Chair: Andreas Kaplony)

  • Christian Müller: "Sharia as Non-violent Law: a Pseudo-Problem? Divine Normativity versus Legal System in Theory and History"
  • Heidi Walcher: "The Greenfield Case: Rethinking a 1891 Love Affair in Terms of »Violence«"
  • Gerhard Grüßhaber: "School of Violence: German Officers in Ottoman/Turkish Service, 1912- 1923"

12.30 - 13.00 Final Discussion

13.00 Lunch Break

 

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