Forum München mit Oksana Matijtschuk (Czernowitz): „aus der verzweifelten Hoffnung / daß Dichten / möglich sei“. Ahasver in der Bukowina: Verfolgung und Vertreibung im Spiegel der Lyrik von Rose Ausländer.

17.11.2014 (20:00 - 22:00)

In bildmächtiger Ver-Dichtung zeugen Gedichte Rose Ausländers von ihrem eigenen Schicksal und exemplarisch von den traumatisierenden Erfahrungen der Juden im 20. Jahrhunderts.
Nach einer Rezitation ausgewählter solcher Gedichte durch Helmut Becker reflektiert ein Vortrag der Germanistin Oxana Matiychuk (2010 am Taras-Schewtschenko-Institut für Literatur an der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Kiew promoviert) über die Figur des Ahasver, die durch die Juden-Verfolgungen des 20. Jahrhunderts zum Sinnbild für das kollektive Schicksal des jüdischen Volkes wurde, und arbeitet anhand von Ausländers Gedicht „Le Cháim“ die existentielle Grenzerfahrung der Unbehaustheit und Vertreibung in jüdischer Lyrik aus der Bukowina auf.
Die abschließende Rezitation aus Werken verschiedener Dichter (neben Ausländer v.a. Paul Celan und Immanuel Weißglass) läßt die Gestalt des Wanderers in unterschiedlichen Rollen als Flüchtling, als Geretteter und als Gast lebendig werden.

Oksana Matijtschuk ist am Lehrstuhl für ausländische Literaturgeschichte und Literaturtheorie an der Jurij Fedkowytsch Universität Czernowitz/Tscherniwzi tätig. Sie promovierte 2010 zum Thema „Genese des poetischen Textes im Werk von Rose Ausländer“ am Taras-Schewtschenko-Institut für Literatur an der ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Kiew.

Sie leitet die 2009 gegründete Ukrainisch-Deutsche Kulturgesellschaft Czernowitz am Zentrum Gedankendach und ist als Angestellte des Internationalen Büros der Universität für Projekte bzw. Kooperationen mit den Partnerinstitutionen aus Deutschland sowie Österreich zuständig.

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