Sommerschule 2015: "(Post)imperial Turns"

21.09.2015 - 25.09.2015

Die Sommerschule 2015 führte die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien und den Masterstudiengang Osteuropastudien in die kirgisische Hauptstadt Bischkek. Thema waren "(Post)Imperial Turns".

(Post)imperial Turns

Sommerschule der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in Bishkek, Kirgistan

20.-27. September 2015

Hier finden Sie Kathleen Begers Bericht zur Sommerschule 2015.

Imperien sind in den letzten zwei, drei Jahrzehnten so sehr in den Fokus von Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaftlern gerückt, dass einmal mehr eine kopernikanische Wende der Wissenschaftsgeschichte ausgerufen wurde. Wie auch immer im Rückblick dieser Imperial Turn einzuschätzen sein wird – die intensivierte Beschäftigung mit Imperien hat zusammen mit der Analyse der Globalisierung den Blick für übernationale Zusammenhänge geschärft. Die Fragen, was Imperien über Jahrhunderte zusammenhält und warum sie zerbrechen, was aus ihren Zerfallsprodukten und warum postimperiale Nostalgie entsteht, haben unter anderem ein neues Interesse an der imperialen Peripherie befördert. Im Kontext zuerst der postcolonial studies erschienen die Bewohner von Randgebieten nicht mehr nur als passive, ohnmächtige Objekte von Herrschaftsinteressen, sondern als Akteure, die das Verhalten und die Wahrnehmung der Eroberer und Verwalter prägten. Transkulturelle Verflechtungen zwischen Zentren und Peripherien, die in der Imperialzeit entstanden, entfalten ihre Wirkungsmacht bis in die Gegenwart. Solche Zusammenhänge lassen sich auch in den ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien erkennen, deren Erforschung zumindest im Westen systematisch erst mit ihrer Unabhängigkeit begann.

In der Sommerschule sollte es weniger um eine Bilanz der Imperiumsforschung und schon gar nicht um eine neue Theorie von Imperien gehen. Vielmehr sollten grundlegende, nicht notwendig kompatible Thesen und Fragestellungen des Imperial Turn mit Blick auf die beteiligten Wissenschaftsdisziplinen diskutiert werden. Fallstudien bot die imperiale Vergangenheit beziehungsweise die post- und interimperiale Gegenwart der zentralasiatischen Republik Kirgistan. Drei Themenfelder haben sich im Vorfeld herauskristallisiert:

1. Visionen und Repräsentationen: Damit ist das Spannungsverhältnis von Legitimation, Verschleierung und Infragestellung imperialer Herrschaft in verschiedenen Medien angesprochen – sei es explizit durch politische, rechtliche oder ideologische Entwürfe und Gegenentwürfe; sei es implizit durch sinnstiftende Narrative und Visualisierungen etwa im Kontext von Orientalismus/Okzidentalismus.

2. Internationale bzw. interimperiale Kontexte: Imperien stehen – und entstehen – nicht nur in Konkurrenz mit anderen Imperien, sondern auch zu alternativen Ordnungsentwürfen wie dem Nationalstaat oder supranationalen Zusammenschlüssen. Für Kirgistan besitzt dieses Thema mit dem britisch-zarischen Gegensatz in Asien („Great Game“) nicht nur eine historische Dimension, sondern auch eine tages- und geopolitische Aktualität, liegt doch das Land an der Schnittstelle russischer, chinesischer und US-amerikanischer Interessen.

3. Märkte und Menschen: Hierbei geht es einerseits aus der Makroperspektive um Wirtschaftsräume, die mit Imperien erst entstehen und oft genug (etwa in der Eurasischen Union) über ihren Zerfall hinaus wirken. Andererseits ist mit anthropologischem Blick auf die konkrete (Aus)gestaltung von Austauschbeziehungen durch Menschen auf Märkten aller Art und über legale und geografische Grenzen hinweg zu fragen.

Die Sommerschule ist eine gemeinsame Veranstaltung der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien und des Elitestudienganges Osteuropastudien.

Andreas Renner

Als Lehrende nahmen teil:

Martin Schulze Wessel (München)

Ulf Brunnbauer (Regensburg)

Andreas Renner (München)

Irina Morozova (Regensburg)

Sören Urbansky (München)

Anja Burghardt (München)

Beate Eschment (Berlin)

Öffentliche Abendvorträge

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