Werkstattgespräch: Herausforderungen der jüdischen Museologie in Ostmitteleuropa zu Beginn des 21. Jahrhunderts

06.08.2014 (14:00)

Auf dem Gebiet der jüdischen Museologie nimmt Ostmitteleuropa insofern eine besondere Stellung ein, als sich dort die zwei ältesten jüdischen Museen Europas befinden. Es handelt sich dabei um die Museen in Prag und Budapest, die seit ihrer Gründung zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwei totalitäre Regime und die beinahe vollständige Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in den böhmischen Ländern sowie in Ungarn überdauerten. In der Slowakei wurde die Tradition der jüdischen Museologie in der Zwischenkriegszeit gestiftet, durch den Kriegsausbruch 1939 aber unterbrochen und erst zu Beginn der 1990er Jahre in Bratislava wieder ins Leben gerufen. Die drei Museen sind trotz ihrer unterschiedlichen institutionellen Geschichte auf inhaltlicher Ebene eng miteinander verbunden, denn ihnen ist die Präsentation verschiedener Facetten des sprachlich und kulturell mannigfaltigen ostmitteleuropäischen Judentums gemeinsam. Und dennoch bleibt ihre Geschichtsvermittlung auch nach 1989 in hohem Maße nationalgeschichtlich orientiert, da sie darauf verzichten, regionale Zusammenhänge sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu thematisieren. Ob es diesbezüglich eine Aussicht auf einen Perspektivenwechsel gibt und wie dieser aussehen könnte, wird in dem Vortrag erläutert.

Katalin Deme, Ph.D., arbeitet als Kuratorin im „Museum der deutschen Besatzung 1940–1945“ in Aarhus, Dänemark. Sie studierte von 2000 bis 2007 Hebräische Sprache und Literatur am Institut National des Langues, Cultures et Civilisations Orientales (INALCO) in Paris und wurde 2013 im Fach Osteuropastudien an der Universitet Aarhus promoviert. In ihrer Dissertation befasste sie sich mit der jüdischen Museologie in Ostmitteleuropa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, speziell in Prag, Budapest und Bratislava. Zu diesem Themenbereich hat sie auch mehrere Beiträge veröffentlicht. Frau Deme war zudem Mitarbeiterin an den jüdischen Museen von Prag und Bratislava. Sie gehörte Mitte der 1990er Jahre einem Team von Museologen an, das die Bestände des jüdischen Museums in Prešov, Ostslowakei, nach mehr als 50 Jahren erzwungener Auslagerung wieder aufarbeitete und für die Öffentlichkeit zugänglich machte.

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