[Workshop München] Auditive Forschungsprimärdaten in den Geschichtswissenschaften

11.02.2016

Am 11. Februar 2016 findet in den Räumlichkeiten des Collegium Carolinum der Workshop "Vom Wert digitaler Tondokumente für die historische Forschung" statt. Er wird vom Collegium Carolinum zusammen mit der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien und im Rahmen des „Kompetenzverbunds historische Wissenschaften in München“ veranstaltet.

Der Umgang mit auditiven Forschungsprimärdaten als Mittel der digitalen Informationsvermittlung und -erhaltung in den Geschichtswissenschaften steht im Mittelpunkt der Veranstaltung, welche der Diskussion der Herausforderungen sowie dem Erfahrungsaustausch dient.

Organisation und Moderation: Johannes Gleixner und Arpine Maniero, Collegium Carolinum

Zeit: 11. Februar 2016, 9:30 - 16:30 Uhr
Ort: Collegium Carolinum, Hochstraße 8 (2. Stock), D-81669 München
Teilnahme: nach vorheriger Anmeldung per E-Mail.

Programm

09:30 Uhr
Bereitstellung und Nachnutzung von Forschungsdaten: die Sicht der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Stefan Winkler-Nees (DFG: Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme)

10:15 Uhr
Kaffeepause

10:30 Uhr
- Vortragstitel wird nachgereicht -
Reiner Maurer (GESIS - Leibniz Institut für Sozialwissenschaften: Abt. Datenarchiv für Sozialwissenschaften)

11:15 Uhr
Rahmenbedingungen der Langzeitarchivierung von Tondokumenten
Astrid Schoger (BSB München)

12:00 Uhr
Mittagspause

13:00 Uhr
Arbeiten mit mündlichen Korpora am Archiv für Gesprochenes Deutsch
Thomas Schmidt (IDS Mannheim)

13:45 Uhr
Text-Alignierung von Multimedia-Daten – Praktische Anleitungen
Florian Schiel (LMU München)

14:45 Uhr
Kaffeepause

15:00 Uhr
Diskussionsrunde mit Beispielen aus der Forschung
Klaas-Hinrich Ehlers und Anna Bischof (Collegium Carolinum), Doktoranden der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien

ca. 16:30 Uhr
Ende

 

Forschungsdaten sind die Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis. Die Bereitstellung dieser Daten hat daher in den verschiedenen Fachdisziplinen höchste Aktualität, dennoch ist der Zugang zu solchen Daten in der Praxis bislang nur eingeschränkt möglich. Auch die Frage nach ihrer Aufbereitung, Ausstattung mit Metadaten, Einspeisung in geeignete Datenbanken, Langzeitarchivierung und – was noch von viel weitreichenderer Bedeutung ist – Kontextualisierung innerhalb einzelner Fachdisziplinen bleibt nach wie vor offen. Gerade die Ausstattung mit Metadaten und die Einbettung in den fachdisziplinären Kontext sind aber für die zu Recht geforderte Transparenz dieser Daten unerlässlich.

Insgesamt ist die (Online-)Verfügbarkeit von Forschungsprimärdaten im deutschsprachigen Raum sehr gering und vor allem nicht einheitlich gestaltet. Geisteswissenschaftliche Disziplinen wie die Geschichtswissenschaft sind davon in besonderem Umfang betroffen, da es schon bei der Erhebung der Daten keine Quasi-Standards (bezüglich Datenformate, Software) existieren, wie das beispielsweise in den Sozialwissenschaften der Fall ist. Eine der Erhebung folgende Aufbereitung solcher Daten geschieht – wenn überhaupt – nur in begrenztem Umfang, von einer Kontextualisierung kann in vielen Fällen keine Rede sein. Dieser institutionelle Mangel verschärft sich bei nichttextlichen und technisch aufwändigen Datenkorpora wie etwa Tonaufnahmen durch technische Schwierigkeiten.

Trotz der wachsenden Nachfrage an solchen Daten und der damit einher gehenden Anerkennung ihrer nachhaltigen Veröffentlichung, fehlen den Forschern sowohl Anreize, solche Daten aufzubereiten und zu veröffentlichen, als auch das Know-how im Umgang mit den zur Verfügung stehenden Werkzeugen. Es fehlen aber auch geeignete Umgebungen, die Aufbau, Langzeitarchivierung und Nachnutzung ermöglichen würden. Die einschlägigen Plattformen sind im technischen Bereich zwar weit fortgeschritten, lassen aber mitunter einen forschungspragmatischen Ansatz vermissen. Weiterhin fehlen Archivierungsmöglichkeiten, die bei gleichzeitiger Wahrung sämtlicher urheberrechtlicher Ansprüche eine wissenschaftlich optimale Nutzung der Primärdaten ermöglichen. Für die Etablierung dieser Daten als anerkannten Beitrag zum wissenschaftlichen Arbeiten bedarf es neben standardisierter und professioneller Erschließung der Bereitstellung technischer Werkzeuge, die die Bearbeitung, Durchsuchung, Anonymisierung etc. ermöglichen würden. Ein denkbarer Anreiz für die Wissenschaftler könnte zudem eine institutionalisierte Veröffentlichung solcher Daten sein. In fachspezifische Kontexte eingebettet und standardisiert erfasst wären sie dauerhaft recherchierbar und würden Nachnutzung und Referenzierung derjenigen Forschung gewährleisten, die sie erzeugt hat. Eine weitere, spezifische Schwierigkeit beim Umgang mit den Tondokumenten besteht auch darin, dass mit solchen Datenformaten gearbeitet wird, die vor dem Hintergrund der raschen Wandel der Speichermedien sehr begrenzte Haltbarkeit haben. Der dringende Handlungsbedarf in diesem Bereich ist inzwischen von einzelnen Forschern wie den Forschungseinrichtungen ausdrücklich anerkannt.

Zu diesen technischen Aspekten kommt erschwerend hinzu, dass sich viele Forscher ihrer Verpflichtung zur Veröffentlichung der im Rahmen der geförderten Projekten entstandenen Daten nicht bewusst sind, so dass viel Arbeit – vor allem die Rechteklärung – erst nachträglich anfällt. Die Veröffentlichung von Forschungsprimärdaten wird dadurch weiter erschwert und verzögert. Daher sind diese Daten, die als Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis einen grundsätzlich hohen Nutzungswert haben, nach der Auswertung durch einzelne Wissenschaftler oder Projektteams und nach dem Abschluss des Projekts kaum mehr verfügbar.

Ziel dieses Workshops ist es, zu diskutieren, welchen Stellenwert audiogestützte Forschungsdaten in den Geschichtswissenschaften haben, mit welchen technischen, inhaltlichen und rechtlichen Problemen die Forscher konfrontiert sind. Schließlich soll auch besprochen werden, welche Möglichkeiten für die nachhaltige Verfügbarkeit solcher Daten der Geschichtswissenschaft zur Verfügung stehen und welche Desiderate hervorgehoben werden können. Diese Fragen sollen explizit im Hinblick auf die Erfahrungen anderer Fachdisziplinen sowie aus der Sicht der Forschungsförderung diskutiert werden.

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