[Workshop München] "Zwischen Sieg und Frieden/Between Victory and Peace: Konkurrierende Diskurse zu Krieg und Gewalt in Belarus und der Ukraine"

17.07.2017 - 18.07.2017

Am 17. und 18. Juli veranstalten der Historiker Dr. Mykola Borovyk und die Slavistin/Literaturwissenschaftlerin Dr. Nina Weller, Postdocs der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, in den München den internationalen Workshop "Zwischen Sieg und Frieden: Konkurrierende Diskurse zu Krieg und Gewalt in Belarus und der Ukraine".

In aktuellen Debatten werden die Ukraine und Belarus erstaunlich selten in vergleichender Perspektive betrachtet. Das gilt insbesondere wenn es um die tragischen Kriegs- und Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts und um deren heutige Reflexion in beiden Ländern geht.

Sowohl Belarus als auch die Ukraine haben vor und nach dem Zweiten Weltkrieg ähnliche Prozesse der Okkupation, der Befreiung, der Neuordnung in der Nachkriegszeit und der postsowjetischen Unabhängigkeit erlebt. In beiden Ländern begann nach dem Wegfall bzw. der Aufweichung des staatlichen Monopols auf die Deutung der Geschichte die intensive Suche nach einer Sprache, die eine Auseinandersetzung mit den Schrecken der Vergangenheit aus der Perspektive einer wünschenswerten Zukunft erlaubte. Zugleich hat aber in beiden Ländern auch eine komplexe und hochkontroverse Pluralisierung der Erinnerungslandschaft eingesetzt, die sich in aufgeheizten öffentlichen Debatten und medialen Auseinandersetzungen um die Deutungshoheit der Geschichte sowie in politischen Inanspruchnamen und in ideologischen Instrumentalisierungen historischer und erinnerungskultureller Narrative niederschlug.

Der Workshop will geschichtswissenschaftliche, kultur- und literaturwissenschaftliche Sichtweisen auf diese Situation zusammenbringen und diskutieren. Von besonderem Interesse ist dabei der Vergleich zwischen der Ukraine – als dem postsowjetischen Land, das seit drei Jahren wieder im Kriegszustand ist - und Belarus – als dem postsowjetischen Land, das sich aus diesem Konflikt heraus zu halten sucht: Welche Repräsentationsformen und Kriegsnarrative dominieren in aktuellen öffentlichen, medialen und künstlerischen Diskursen der beiden Länder? Gibt es neue Formen postmemorialer Erzählungen und Fiktionalisierungen der Vergangenheit? Welche Sprache, welche ikonographischen Sympoliken, welche Fremd-Feind-Bilder und Heldentopoi spielen in den Medien und der Populärkultur bei der Diskussion von Krieg und Gewalt eine Rolle und inwieweit sind diese auch vom aktuellen Krieg in der Ostukraine beeinflusst?

Unter Beteiligung von Historikern, Literatur- und Kulturwissenschaftlern sowie Künstlern aus Deutschland, der Ukraine und Belarus sollen diese Fragen an zwei Tagen, ergänzt um eine Abendveranstaltung, thematisiert werden. Der Workshop soll nicht nur zu einer anregenden Vertiefung unserer eigenen Forschungsprojekte beitragen, sondern auch einen fruchtbaren interdisziplinären Beitrag zu den zentralen Forschungsgebieten der Graduiertenschule - den Erinnerungskulturen, dem Zusammenwirken von gesellschaftspolitischen Prozessen, literarischen Diskursen, künstlerischen Produktionen und Wissensordnungen - leisten. Wir versprechen uns von der vergleichenden Themenstellung des Workshops zudem eine Perspektiverweiterung im Hinblick auf aktuelle erinnerungskulturelle und -politische Erscheinungen in Belarus und der Ukraine.

Programm

Monday, July 17

– Graduate School, Library –

09:30 – 10:00
Welcome Address and Introduction

10:00 – 10:45
Olena Petrenko (Bochum):
Das Frauenbild in der sowjetischen und ukrainischen Kriegsfotografie / Women in the Soviet and Ukrainian War Photography (Talk in German)

10:45 – 11:30
Mykola Borovyk (München):
“Earlier everything was alright:” The Soviet Narrative about the Great Patriotic War in Oral Autobiographical Recollections in Ukraine (Talk in English)

11:30 – 11:45
Coffee Break

11:45 – 12:30
Eleonora Narvselius (Lund):
“Formulas of Betrayal” in Public Discourses in Ukraine and Belarus after Euromaidan (Talk in English)

12:30 – 14:00
Lunch (Prinzregenten-Kantine, Prinzregentenplatz 12)

14:00 – 14:45
Yaraslava Ananka (Potsdam) and Heinrich Kirschbaum (Berlin):
Die belarussische Gegenwartsliteratur im Teufelskreis der Martyrologie / The Contemporary Belarusian Literature in the Vicious Circle of Martyrology (Talk in German)

14:45 – 15:00
Coffee Break

15:00 – 17:00
Public Round Table

“Between Victory and Peace: The War in the Eastern Ukraine in Photography and Literature” / „Zwischen Sieg und Frieden: Der Krieg in der Ostukraine in Fotografie und Literatur“

with Aleksander Vasukovich (Photographer / Minsk) who will present and speak about his photo project:
„War Among Sunflowers. Volunteers of Donbass“ and about other projects (Talk in English / Russian)

and Olena Styazhkina (Author and Historian / Kiev) who will speak about her novel:
„Na jazyke boga" ("In the Language of God" / "In der Sprache Gottes") and about other projects (Talk in English / Russian)

19:00
Dinner Max Emanuel Brauerei, Adalbertstrasse 33

Tuesday, July 18

– Graduate School, Library –

09:30  10:15
Alexey Bratochkin (Minsk):
Феномен "войны" в современной Беларуси: от советского героического нарратива о Второй мировой войне к "геймификации" войны в онлайн-играх / The Phenomenon of "War" in Contemporary Belarus: From the Soviet Heroic Narrative About the Second World War to "Gamification" in Online Games (Talk in Russian)

10:15 – 11:00
Roman Dubasevych (Greifswald):
„Z dnem Pobedy, ded!“: The New Life of Soviet Memory Discourses in the Ukraine War (Talk in English)

11:00 – 11:15
Coffee Break

11:15 – 12:00
Nina Weller (München):
Die "Mehrsprachigkeit" der Amnesie. Gespaltene Kriegserinnerung in der belarussischen Gegenwartsliteratur / The "Multilingualism" of Amnesia: Questions of Divided Memory in Contemporary Belarusian Literature (Talk in German)

12:00 – 12:30
Concluding Discussion

 

Teilnahme: nach vorheriger Anmeldung per E-Mail

Zeit: 17.-18.07.2017

Ort: Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, Maria-Theresia-Straße 21, 81675 München, Bibliothek (EG)

Zurück