Workshop Regensburg: Biographieforschung

14.11.2014 - 15.11.2014

Der „cultural turn“ in den Geisteswissenschaften hat eine Renaissance, wenn nicht sogar einen Boom der wissenschaftlichen Biografik mit sich gebracht. Seit etwa der Jahrtausendwende ist eine „neue Biografik“ entstanden, die in Abkehr von der auf Strukturen und anonymen Prozessen fixierten historischen Sozialforschung nicht mehr allein davon ausgeht, dass Individuen den Strukturen gegenüberstehen und von diesen dominiert werden, sondern dass sie diese durch ihr Handeln auch selbst produzieren und reproduzieren. Biografien und historisch-soziale Kontexte bedingen sich gegenseitig und ergänzen einander. Dadurch werden vielfältige neue Perspektiven auf das durch und durch dynamische Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, Individualität und Kollektivität, Agency und Struktur, Kontingenz und Kausalität eröffnet.

Ziel des Workshops ist es, die in der komplexen Trias von „Lebenslauf“, „Biografie“ und „Autobiografie“ wurzelnde „neue Biografik“ mit jüngeren Ansätzen und Zugängen in den Geschichts- und Kulturwissenschaften in Beziehung zu setzen. Die Panels reflektieren die Erkenntnischancen der „neuen Biografik“ für die Imperiums-, Global- und transnationale Geschichte, thematisieren Art und Beschaffenheit biografischer Quellen im Spannungsfeld von Schriftlichkeit, Visualität und Materialität und erörtern praktische Fragen des biografischen Schreibens.

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