[Workshop Regensburg] Verfasste/öffentliche versus private Religiosität

07.03.2017 (13:00 - 19:00)

Die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien veranstaltet am 7. März 2017 in Regensburg den Workshop "Verfasste/öffentliche versus private Religiosität" zum Wechselspiel der Standardisierung und Destandardisierung von Religion in Ost- und Südosteuropa. Geleitet wird er von Prof. Dr. Klaus Buchenau.

Religion unterliegt in der Moderne einem Wechselspiel von Standardisierung und Destandardisierung. In Ost- und Südosteuropa haben religiöse Experten bis ins 20. Jahrhundert, oft im Verein mit staatlichen Institutionen, an der Standardisierung religiöser Glaubensvorstellungen und Praktiken gearbeitet. Mit dieser verfassten Religiosität sollte „Aberglaube“ bekämpft und der „wahre Glaube“ verteidigt werden. Religiöse Standardisierung war aber auch nützlich, um Gesellschaften besser durchherrschen und homogenisieren zu können. Die andere Seite der Medaille war, dass sich gesellschaftlicher Protest oft in der Ablehnung religiöser Standards äußerte. Während des Staatssozialismus drehte sich dann die Tendenz – atheistisch orientierte Regime verfolgten und marginalisierten die traditionellen Religionen, welche jetzt in Nischen weiterexistierten. Religiöse Autoritäten wurden schwächer und konnten nicht mehr auf staatliche Unterstützung zurückgreifen; die ins Private und an die gesellschaftlichen Ränder abgedrängte Religiosität destandardisierte sich teilweise wieder. Seit dem Ende des Sozialismus ist die Situation sehr unübersichtlich geworden – einerseits sind religiöse Autoritäten neu erstarkt, andererseits ermöglichen die vorangegangene Säkularisierung, die mittlerweile etablierte Gewissensfreiheit und schließlich das Internet die Konstruktion immer neuer religiöser Stile.

Dieser Workshop soll nicht nur Tendenzen religiösen Lebens in Ost- und Südosteuropa seit dem 19. Jahrhundert analysieren; er dient auch der Verständigung von Kollegen im bayrischen Raum, die in ihrer Forschung oft ähnlichen Fragestellungen nachgehen, dies aber bislang nicht gemeinsam getan haben.

Datum: 07.03.2017, 13-19 Uhr

Ort: Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, Landshuter Straße 4, 93047 Regensburg, Raum 017

Teilnahme: Nach vorheriger Anmeldung per E-Mail bis 01.03.2017.

Programm

13:00-13:15 Klaus Buchenau:
Begrüßung und Einleitung
13:15-14:00 Ger Duijzings:
Die ‚Privatisierung’ der Religion im postsozialistischen urbanen Raum. Das Beispiel Bukarest
14:00-14:45 Heiner Grunert:
Religiöser Wandel unter orthodoxen Serben im habsburgischen Bosnien. Kollektive, Eliten, Orte und Zeiten
14:45-15:15 Kaffeepause
15:15-16:00 Dietmar Schon:
Geistliche Begleitung als Form von Einzelseelsorge in der Russischen Orthodoxen Kirche des 19./20. Jahrhundert
16:00-16:45 Katrin Boeckh:
Gemeinden ohne Pfarrer. Religiöse Praxis im Stalinismus
16:45-17:00 Kaffeepause
17:00-17:45 Nadežda Beljakova:
Religiöse Praktiken der griechisch-katholischen Untergrundkirche in der Westukraine (1970er und frühe 1980er Jahre)
17:45-18:30 Klaus Buchenau:
Eindeutig zweideutig. „Religiöses“ Reden und Handeln in der Karpatenukraine zwischen den Weltkriegen
18:30-19:00 Abschlussdiskussion

 

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