Henner Kropp, M.A.

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Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Universität Regensburg
Landshuter Str. 4
D-93047 Regensburg
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Promotionsprojekt

Die Kolonisten in Russisch-Amerika in den Expansionsprozessen Russlands und der Vereinigten Staaten von Amerika, 1787-1867

Die im 16. Jahrhundert einsetzende Expansion des Russischen Reiches nach Osten war für mehrere Jahrhunderte eine der wichtigsten Leitlinien für die Entwicklung des Zarenreiches und ist heute ein etabliertes Narrativ in der Geschichtsschreibung Russlands. In atemberaubender Geschwindigkeit wurde der sibirische Raum bis an den Pazifik und darüber hinaus durchschritten. So reichte der russische Einfluss im 18. und 19. Jahrhundert bis ins heutige Alaska und stellte den äußersten Nordwesten des amerikanischen Kontinents als einzige überseeische Kolonie des Russischen Reiches (Russisch-Amerika) unter den Schutz der Zaren.

Auch für einen anderen Staat lässt sich die territoriale Expansion als ebenso zentrales, wenn nicht noch bedeutenderes staatsbildendes Element ausmachen. Binnen eines Jahrhunderts reklamierten die Vereinigten Staaten von Amerika den nordamerikanischen Kontinent als Expansionsraum und verdrängten ihre europäischen Rivalen weitestgehend aus der westlichen Hemisphäre, so auch das Russische Reich durch den Kauf Alaskas 1867. Die Eroberung des Westens ist seit jeher Bestandteil der US-amerikanischen Identität und ein zentrales Narrativ der nationalen Geschichtsschreibung.

Das russische und amerikanische Ausgreifen nach Alaska bildet die thematische, politische und geographische Schnittstelle zwischen den beiden Expansionsprozessen. Den russischen Kolonisten in Nordwestamerika kommt also eine ganz besondere außenpolitische und imperialgeschichtliche Bedeutung zu. Dass sie sich ungeachtet dessen lange außerhalb des politischen und geographischen Fokus' der Machtzentren Sankt Petersburg und Washington befanden, gestaltet ihre Rolle nur noch interessanter.

Im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses stehen im Rahmen der Arbeit nicht die Zentren Sankt Petersburg und Washington, sondern die Men on the Spot in Alaska, die russischen Kolonisten. Die Untersuchung baut auf der These auf, dass die Kolonisten mit diversen Unsicherheitsfaktoren konfrontiert waren und sich in einem ihnen unbekannten Raum mit der autochthonen Bevölkerung sowie formellen und informellen Akteuren anderer Staaten und deren Agenden auseinandersetzen mussten. Aufgrund dieser Annahme soll im Rahmen des Promotionsprojektes erarbeitet werden, wie die Kolonisten in Russisch-Amerika ihre Rolle im russischen Expansionsprozess definierten und wie sich ihr Selbstverständnis von den Zielen und Interessen der Regierungen in Sankt Petersburg und Washington unterschied.

Curriculum Vitae

Henner Kropp, geboren in Bremen. 2006 bis 2009 B.A.-Studium an den Universitäten Bremen und Kaliningrad (Russland) in den Fächern European Studies, Geschichte und Kulturgeschichte Osteuropas. 2009 bis 2012 M.A.-Studium an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und an der American University (Washington D.C., USA) in den Fächern Kultur- und Geschichtswissenschaften sowie Internationaler Politik. 2012 bis 2013 Freier Mitarbeiter im Sprachassistentenprogramm GUS des Goethe-Instituts und des Auswärtigen Amtes in Jekaterinburg (Russland). Seit 2013 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Ulf Brunnbauer für Geschichte Südost- und Osteuropas an der Universität Regensburg und Doktorand von Prof. Dr. Martin Aust und Prof. Dr. Volker Depkat in der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien.

Publikationen

Aufsatz

Halfway around the World. Russian America as a Part of the Russian Empire. In: Global Humanities. Studies in Histories, Cultures, and Societies 01/2015, S. 13-23.

Blogbeitrag

Das Ende Russisch-Amerikas: Anmerkungen zum 150. Jahrestag des Verkaufs Alaskas. In: Erinnerungskulturen: Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa, 30.03.2017.

Rezensionen

James R. Gibson (Hg.): California Through Russian Eyes, 1806–1848, Norman: University of Oklahoma Press, 2013. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas/jgo.e-reviews, 2016, 4, S. 15-17 (auch online zugänglich via recensio.net).

Karl Schlögel, Grenzland Europa. Unterwegs auf einem neuen Kontinent, München: Hanser, 2013. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas/jgo.e-reviews, 2014, Nr. 4, S. 50-51 (auch online zugänglich via recensio.net).

Vorträge

11/2016 The Colonists in Russian-America and the Expansion of Russia and the USA, ASEEES-Convention, Washington, D.C.
11/2016 Die Erfindung Russisch-Amerikas: Koloniale Perspektiven auf das russische Alaska, 1742-1799, Forschungskolloquium zur Osteuropäischen Geschichte, Universität Bonn

07/2016

Imperial expansion into the North Pacific, 1784-1825: distinctions and entanglements from a colonial perspective, Imperial Comparison, All Souls College, University of Oxford

09/2015

Russland: Eine Großmacht auf drei Kontinenten und ihre Anerkennung als politischer Akteur in Europa im 18. Jahrhundert, Frühneuzeittag "Globale Verflechtungen - Europa neu denken", Universität Heidelberg
06/2015 Vorstellung des Promotionsprojektes, Kolloquium zur Ost(mittel)europäischen Geschichte, Universität Bremen
11/2014 Vorstellung des Promotionsprojektes, Oberseminar zur Geschichte Russlands und Asiens, LMU München
10/2014 Vorstellung des Promotionsprojektes, 4th German-Russian Week of the Young Researcher: Global History and Regional Studies, Sankt Petersburg