Infrastrukturen, Migrationen und Wissenstransfers

Kraftwerk Gabčíkovo, Foto: Arnošt Štanzel

Das Forschungsfeld beschäftigt sich mit sozialen und kulturellen Praktiken im Raum und ihren infrastrukturellen Voraussetzungen. Dabei wird untersucht, wie sich Menschen im Raum bewegen, Wissensbestände transferieren und miteinander in Austauschbeziehungen treten: Wie nehmen sie den Raum und die natürliche Umwelt wahr? Nach welchen Mustern eignen sie sich den materiellen Raum sozioökonomisch an?

Wie sich Menschen den materiellen Raum mit seinen klimatischen und topographischen Spezifika sozial aneignen, ist eine für dieses Forschungsfeld grundlegende Frage: Denn erst durch Kommunikationsverbindungen und Infrastrukturen werden räumliches Handeln und Interagieren möglich. Eine kultur- und sozialhistorisch orientierte Infrastruktur- und Umweltgeschichte erlaubt einen neuen Blick auf die Bedeutung imperialer, nationaler und regionaler sowie sprachlicher Grenzen im östlichen und südöstlichen Europa und deren Rekonfigurationen – eine angesichts vielfacher Grenzverschiebungen in der Untersuchungsregion bis in die jüngste Vergangenheit zentrale Frage. Forschungsgegenstände sind dabei territorialräumliche Integration bzw. Desintegration, kulturelle und gesellschaftliche Dimensionen der Nutzung von Naturräumen, aber auch die mentalen Grundlagen der Erschließung des Raums.

Einen weiteren thematischen Schwerpunkt stellt Migration dar. Massive und unterschiedliche Migrationsprozesse haben das östliche und südöstliche Europa in den letzten beiden Jahrhunderten geprägt und lassen die Region zu einem regelrechten Laboratorium der Migrationsforschung werden.

Zugleich bedingt die hohe Migrationsintensität eine große gesellschaftliche Dynamik und verbindet die Region mit anderen Teilen der Welt, wovon die  Sprachentwicklung ebenso wie kollektive Identifikationsmuster beeinflusst werden. Ein wichtiges Thema sind zudem Wissenstransfers, wobei die Inhalte und Praktiken solcher Prozesse ebenso wie ihre Folgen für konkrete Wissensordnungen untersucht werden.

Die Akteure dieser Beziehungsgeflechte agieren in einem durch Macht strukturierten Feld und verfügen über unterschiedliche Machtmittel. Daher geht es in diesem Forschungsfeld auch um die Analyse von Handlungsmöglichkeiten vor dem Hintergrund konkreter Strukturen.