Jeremias Schmidt, M.A.

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Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Universität Regensburg / Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung
Landshuter Str. 4
D-93047 Regensburg
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Promotionsprojekt

Kriegserfahrungen bayerischer Soldaten an der Ostfront des Ersten Weltkrieges, 1915-1918

Das Jubiläum des Kriegsausbruches 2014 hat zwar das Interesse der westlichen Geschichtsschreibung am Ersten Weltkrieg erhöht, aber zu keiner wesentlich stärkeren Einbeziehung der Ostfront in die allgemeine Literatur geführt. Die Wahrnehmung des „Weltkrieges“ geht weiterhin kaum über die Grabensysteme der Westfront hinaus. „Außer den Fachleuten“ würde sich kaum jemand an die gewaltigen Schlachten und Opfer der Ostfront erinnern, so Jörn Leonhard in seinem 2014 erschienen Werk „Die Büchse der Pandora“, das Schritte in diese Richtung geht. Das Dissertationsprojekt zur Erfahrungswelt bayerischer Kriegsteilnehmer versucht in diese breite Lücke zu treten und zumindest für einen Teil der deutschen Streitkräfte erstmals umfangreiche Aussagen zu den Schlachtfeldern Osteuropas zu treffen.

Im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg zog das Bayerische Herr im Jahre 1914 zum letzten Mal in seiner Geschichte als geschlossener Verband ins Feld und blieb auch bis zum Kriegsende 1918 eine nominell von der preußischen Armee getrennte Organisation. Etwaige Mentalitätsunterschiede zwischen den Soldaten aus dem protestantischen Norden und katholischen Süden spielten in der bisherigen Forschung allerdings keine Rolle; die Arbeit betritt also auch auf diesem Gebiet Neuland. Die Sammlung von Tagebüchern, Briefen, Memoirenliteratur und Berichten des Bayerischen Kriegsarchives bildet den umfangreichen, aber seit Jahrzehnten von der Wissenschaft weitestgehend unbeachteten Quellenfundus des Projektes. Um der hochgradig heterogenen Natur der Ostfront gerecht zu werden, wird die Arbeit drei verschiedene Schauplätze des Krieges in den Fokus nehmen und miteinander vergleichen. Es handelt sich dabei um den Feldzug in Russisch-Polen 1915, den Rumänischen Kriegsschauplatz 1916-1917 und die deutsche Besetzung der Ukraine im Jahr 1918. Neben der unmittelbaren Gewalterfahrung der Soldaten im Bewegungs- und Stellungskampf sollen auch die Geschehnisse jenseits der Kämpfe ausreichend gewürdigt werden, so etwa die Frage nach dem Verhältnis zwischen deutschen Soldaten und der Zivilbevölkerung und der Auswirkung der anti-slawischen Propaganda des Deutschen Reiches auf die Sichtweisen der Soldaten.

Curriculum Vitae

Studium der Geschichte und Anglistik in Regensburg und München. Masterabschluss 2015 mit der Arbeit „Die Kriegserfahrung der Bayerischen Armee an der Ostfront, 1915-1918.“ Aufnahme eines Promotionsstudiums  an der Universität Regensburg im Sommersemester 2016 sowie der Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung Regensburg. Seit April 2017 ist er zudem assoziierter Doktorand der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien.

Publikationen

Changing Fortunes: The Frontline-Experience of The Royal Bavarian Army on The Eastern Front 1915-1918. In: Agoston-Nikolova, Elka et al. (Hrsg.): Unknown Fronts: The Eastern Turn in First World War History. Groningen 2017, S. 127-146.