Kathleen Beger, M.A.

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Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Universität Regensburg
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Projekt

Kleine Bürger für die große Zukunft: Sowjetische Einrichtungen für Kinder und Jugendliche im Vergleich (1925-1965)

Projektbeschreibung

In meiner Dissertation untersuche ich am Beispiel zweier diametral zueinander stehender Institutionen, wie die jüngsten Mitglieder der sowjetischen Gesellschaft zu zukünftigen Erbauern des Sozialismus erzogen wurden. Dabei vergleiche ich das auf der Halbinsel Krim gelegene Pionierlager „Artek“ mit einer Arbeitskolonie in der Oblast Archangelsk. Während eine Teilnahme am prestigeträchtigen „Artek“ als Auszeichnung galt und nur den besten Pionieren des Landes vorbehalten blieb, stellte ein Aufenthalt in der Arbeitskolonie eine Bestrafung für Minderjährige dar, die ein Verbrechen begangen hatten. Folglich bestanden die Aufgaben dieser Einrichtungen entweder darin, die staatliche Elite in spe zu formieren („Artek“) oder delinquente Heranwachsende umzuerziehen und zu reintegrieren (Arbeitskolonie).

Grundsätzlich verfolgten beide Institutionen jedoch ein ähnliches Ziel und wiesen ungeachtet ihrer vermeintlich noch so großen Unterschiede zahlreiche Gemeinsamkeiten auf. Gestützt auf die Konzepte der Heterotopie (Michel Foucault) sowie der totalen Institution (Erving Goffman) fasse ich „Artek“ und die Arbeitskolonie als in sich abgeschlossene Systeme auf, die zur Schaffung des „neuen Menschen“ sowie zum Aufbau und Erhalt der sowjetischen Gesellschaft dienten. Diesem universellen Ziel nach sollten Kinder und Jugendliche zu treuen Anhängern des Sozialismus erzogen werden, um als Erwachsene einen produktiven Beitrag zur Unterstützung von Staat und Gesellschaft leisten zu können.

Das pädagogische Ideal des „neuen Menschen“ mitsamt seinen Ausprägungen und Variationen ist es, welchem ich in meiner Arbeit nachspüre. Während die erzieherischen Theorien, Methoden und Maßnahmen in „Artek“ rasch einer Verstetigung unterlagen, verzeichneten jene in der Arbeitskolonie einen stärkeren Wandel. Im Zentrum der Analysen steht somit die Frage, welche Vorstellungen und Parameter dafür verantwortlich waren, dass sich der pädagogische Umgang mit der zukünftigen Elite weitaus unflexibler und starrer gestaltete („Artek“) als jener mit delinquenten Kindern und Jugendlichen (Arbeitskolonie).

Lebenslauf

geb. in Meißen

2007-2011: Studium der Ostslavistik und Polonistik an der Universität Leipzig

2009-2010: Auslandsteilstudium an der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität Kiew (Ukraine)

2011-2014: Studium der Allgemeinen Slawistik und Osteuropäischen Geschichte an der Uni­ver­sität Wien

03/2012-02/2014: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im FWF-Projekt „Tausend Jahre ukrai­ni­sche Sprachgeschichte in Galizien“ am Institut für Slawistik der Universität Wien unter Lei­tung von Ao. o. Univ. Prof. Mag. Dr. Michael Moser

seit 11/2014: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichte Südost- und Ost­europas an der Universität Regensburg unter Leitung von Prof. Dr. Ulf Brunnbauer

Konferenzen, Workshops

„Heile Welt im Pionierlager ‚Artek‘?“ DoktorandInnen-Workshop „Heil der Diktatur. Über die Attraktivität illiberaler, antidemokratischer Herrschaftsvorstellungen“, November 2016, Humboldt-Universität zu Berlin

„‘Going International?‘ Staatsozialistischer Kinder- und Jugendtourismus am Beispiel des sowjetischen Pionierlagers ‚Artek‘“, Workshop „Tourismuswelten. Translokale Perspektiven auf die Tourismusgeschichte”, Februar 2016, Greifswald/Alfried Krupp Wissenschaftskolleg

“Camps with a ‘Friendly Face’? A Comparative Study of Social Experiments on Children and Youth in Soviet Camps (ca. 1925-1975)”, International Workshop “New Research in the Social History of State Socialism”, October 2015, Charles University Prague

“Where Future Meets Past – The Soviet Pioneer Camp ‘Artek’ as a Site between Socialist Utopia and Memory”, International Conference “Sites of Memory of Socialism and Communism in Europe”, September 2015, Münchenwiler, Switzerland

Publikationen

Rezension zu Volker Zimmermann/Michal Pullmann (Hg.): Ordnung und Sicherheit, Devianz und Kriminalität im Staatssozialismus. Tschechoslowakei und DDR 1948/49–1989, 2014. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas/jgo.e-reviews, jgo.e-reviews 2015, 4, S. 37f. (online unter http://www.recensio.net/rezensionen/zeitschriften/jahrbucher-fur-geschichte-osteuropas/jgo-e-reviews-2015/4/ReviewMonograph861528107/?searchterm=beger)

Lehre

WiSe 2016/2017 Proseminar „Zwischen Ost und West: Die Ukraine im 20./21. Jahrhundert“

WiSe 2015/2016 Proseminar „Tourismus in Osteuropa vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart“

Kathleen Beger