Kulturelle Ordnungen

Kirchtürme in Moskau, Foto: Andreas Renner

In diesem Forschungsfeld untersucht die Graduiertenschule u.a. literarische Diskurse, künstlerische Produktionen, religiöse Kulturen, sprachliche Systeme und kollektive Erinnerung. Ausgehend von der Einsicht, dass auch die Konstruktion und Wahrnehmung von Raum ein kultureller Prozess ist, müssen Vorstellungen von räumlich klar begrenzten kulturellen, sprachlichen und künstlerischen Praktiken hinterfragt werden.

Zum Verständnis der sozialen Praxis ist Kultur als Zeichensystem unerlässlich : Sie ermöglicht es den Akteuren, die Welt als eine sinnvolle wahrzunehmen; sie umfasst jene Wissensordnungen, die Handeln erst ermöglichen und mit Bedeutung versehen. Kultur spiegelt Strukturen nicht allein wider, sondern trägt zu deren (Re-)Produktion und Modifikation bei. Kultur kann sowohl herrschaftslegitimierende als auch subversive Diskurse und Praktiken hervorbringen, weswegen Zusammenhänge von besonderem Interesse sind, in denen dominierende Bedeutungen neu kodiert oder unterminiert werden. Kultur hilft, wesentliche Veränderungen, Brüche und Spaltungen einer Gesellschaft zu verstehen, weil sie uns auf das Veränderbare und Instabile ebenso aufmerksam macht wie auf die vorgestellten Traditionen, Kontinuitäten und Identitäten.

Wie wird Differenz konstruiert und politisiert? Diese Thematik ist für Ost- und Südosteuropa seit dem 19. Jahrhundert von besonderer Brisanz, da unterschiedliche politische Ordnungen eine von dem Ideal der Homogenität motivierte Politik begünstigten, gleichzeitig aber das Entstehen neuer kultureller Unterschiede forcierten. Außerdem kennzeichnen intensive kulturelle Austauschprozesse sowohl innerhalb der Region als auch mit anderen Regionen den Raum Ost- und Südosteuropas.

Kulturelle Austausch- und Amalgamierungsprozesse sind eng mit Symbolisierungen, Narrationen und Imaginationen des Raums und der in ihm lebenden Gesellschaften verbunden. Deshalb sollen in diesem Forschungsfeld räumliche Selbst- und Fremdkonzepte, symbolische Geographien und mentale Landkarten untersucht werden. Konzepte wie Hegemonie, Hybridität, Liminalität, Ambiguität, Bricolage, Intermedialität und sprachliches Repertoire eröffnen dabei vielfältige interdisziplinäre Schnittstellen.