Migration, Transfers, Kulturkontakt (bis 06/2018)

Ehemalige Leiter: Prof. Dr. Ulf Brunnbauer, Prof. Dr. Björn Hansen

Die Studiengruppe bestand aus Doktoranden, Postdocs und Principal Investigators aus zwei Disziplinen: Geschichte und Linguistik. Die Interessensschwerpunkte lagen auf den Begegnungen (und den Transfers) von Menschen, Kulturen und Sprachen. Begegnungen gehen mit Austausch sowie Missverständnissen einher, mit der Vermehrung und dem Verlust geteilter Informationen. Nicht erkannte gemeinsame historische Erfahrungen (oft eine Folge von Missverständnissen) oder umgekehrt die Anerkennung und Konsolidierung um eine gemeinsame Erfahrung herum, haben direkte Auswirkungen auf die Bewahrung oder den Zerfall kultureller und linguistischer Identifikationen.

Fälle von Informationsverlust sind zum Beispiel verblassende Erinnerungen von Migranten, Überalterung traditioneller kultureller Praktiken oder Reduktion und Verlust von grammatischen Kategorien im Sprachkontakt. Ein Prozess der Informationsreduktion kann jedoch auch zu neuen komplexen Phänomenen führen. Beispiele aus der Linguistik sind die Neuerungen in der Grammatik von „Semi-Speakers“ aussterbender Sprachen. Im Kontext von Migrationen ist die Loslösung vom ursprünglichen kulturellen und sozialen Kontext oft mit der Entstehung neuer Identifikationen und Interaktionsmuster verbunden. Darüber hinaus bringen kulturelle und sprachliche Transfers oft als Gegenreaktion bewusste Revitalisierungs- und Erneuerungsversuche mit sich; Beispiele hierfür sind die Herleitung neuer Identitätsanker auf der Basis gemeinsamer Erinnerungsfragmente, die Vorstellung stabiler, aber transterritorialer „nationaler Körper“ oder die Einführung neuer grammatikalischer Strukturen auf der Basis archaischer oder rekonstruierter Formen.

Als Historiker und Linguisten haben wir unsere Expertise verbunden, um Synergieeffekte in Theorie und Praxis zu erreichen. Die praktische Überlegung, die hinter unserer Zusammenarbeit stand, beinhaltete den Austausch von methodischem Know-How (z. B. Datenextraktion, Stichproben, reduktionistischen Techniken, logischen Argumentationsmustern und Methoden zur Identifizierung wiederkehrender Muster). Die theoretischen Schnittstellen zwischen unseren Disziplinen und den einzelnen Forschungsprojekten umfassten Fragen im Zusammenhang mit Komplexität, illokutionären Handlungen und Performativität (sowohl im narrativen Diskurs als auch in der Grammatik) sowie das gemeinsame Interesse für jene kognitiven Fähigkeiten, die für die Informationsverarbeitung, Reduktion und Erneuerung von entscheidender Bedeutung sind.

Vergangene Aktivitäten ...

Ehemalige Mitglieder:

Katharina Anna Aubele, M.A.

Kathleen Beger, M.A.

Dr. Beate Feldmeier, Dipl.-Math.

Petar Kehayov, Ph.D. habil.

Dr. Friederike Kind-Kovács

Henner Kropp, M.A.

Ana-Teodora Kurkina, M.A.

Bajro Murić, M.A.

Jakub Sawicki, M.A.

Dr. Karina Shyrokykh

Oana-Valentina Sorescu-Iudean, M.A.

Sophie Straube, M.A.

Dr. Jasper Trautsch

Dóra Vuk, M.A.

Veronika Wald, M.A.

Kai Johann Willms, M.A.