Dr. Nina Weller

Kontakt

Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Ludwig-Maximilians-Universität München
Maria-Theresia-Str. 21

81675 München

Tel.: +49 (0)89 / 2180 - 9597

Forschungsprojekt

Fiktionalisierung der Geschichte: Repräsentationen des zweiten Weltkriegs und ihre erinnerungskulturellen Dimensionen in der russischen, ukrainischen und belarussischen Literatur

Das Forschungsprojekt untersucht Thematisierungen des zweiten Weltkriegs in der russischen, ukrainischen und belarussischen Gegenwartsliteratur. Es geht davon aus, dass in den Literaturen der drei Länder eine kontroverse Pluralisierung des kulturellen Gedächtnisses an die Stelle der ehemals verbindlichen sozialistisch-autoritativen Geschichtspolitik und der an historische Zeitzeugenschaft gebundenen Erinnerungsnarrative getreten ist. Es fragt danach, welche Erzählformen zur Rekonfiguration der Vergangenheit gefunden und welche fiktionalen (imaginativen, fantastischen, alternativgeschichtlichen) Bearbeitungen historischer historischen Ereignisse und  Geschichtsbilder von AutorInnen eingesetzt werden, die nicht mehr der Zeitzeugengeneration angehören und sich mit ihren Texten unmittelbar in Problematiken des transgenerationalen Gedächtnisses und der aktuellen gedächtnispolitischen Kontroversen aber auch in die Traditionen der Erinnerungs- und Kriegsliteratur einschreiben. Es soll gezeigt werden, wie Literatur zur kritischen Reflexion vormals tabuisierter oder verdrängter Seiten der Erinnerung beitragen, wie auch politische Gegenwart affirmativ bestärken kann, die in oftmals fragwürdiger Weise über historische Mythen erst legitimiert wird. Ziel dieser vergleichenden Untersuchung ist es, einen Beitrag zur Frage nach der Geschichte evozierenden Imaginationskraft der Literatur im Vergleich zu anderen Medien im Kontext der aktuellen gesellschaftlichen und kulturbetrieblichen Situation in Belarus, Russland und der Ukraine zu leisten.

Siehe auch die Projektskizze in Newsletter Nr. 4, Sommersemester 2015, der Graduiertenschule

Forschungsinteressen: Russische, Belarussische und Ukrainische Literaturen des 20. und 21. Jahrhunderts, Erinnerung und Gedächtnis, Alternative Geschichtsmodellierungen in der Literatur, Fantastische Literatur und Popkultur, Erzähltheorie und Theorien der Fiktionalität, Stadt- und Dorfliteratur, Russische und Sowjetische Kulturgeschichte

Curriculum Vitae

Wissenschaftliche Ausbildung

Studium

  • Studium der Russistik und der Neueren Deutschen Literatur (zwischenzeitlich auch der Musikwissenschaften) an der Humboldt-Universität zu Berlin

  • Studienaufenthalte an der RGGU und der MGLU Moskau

  • Magisterarbeit: „Körperformen und Grenzüberschreitungen. Der ‚andere Held‘ in Jurij Marmleevs Roman Šatuny“ (betreut von Prof. Dr. Georg Witte und von Prof. Dr. Petra Hesse)

Promotion

  • Promotion am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität. Arbeitstitel der Dissertation: „Transitorische Lebensentwürfe und Kontingenzerfahrungen im postsowjetischen russischen Roman: Sergej Bolmats V vozduche und Aleksandr Iličevskijs Matiss  (betreut von Prof. Dr. Georg Witte, Prof. Dr. Magdalena Marszałek)

  • Forschungsaufenthalte in Moskau und St. Petersburg

Forschungs- und Lehrtätigkeit

  • seit 2015 Postdoc an der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien an der LMU München

  • 2014-2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Osteuropainstitut der Freien Universität Berlin

  • 2012-2014 wissenschaftliche Koordinatorin und Beauftragte für  Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam

  • 2012 wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Slavistik der Universität Potsdam

  • 2009-2012 Stipendiatin des Begabtenförderungswerkes Evangelischen Studienwerkes Villigst e.V. sowie freie Lehrbeauftrage und Lektorin

  • 2006-2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Die nicht mehr neuen Menschen. Fiktionalisierung von Individualität im postsowjetischen russischen Film und Roman“ (2006-2009) am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin  (zusammen mit Georg Witte und Bettina Lange)

  • 2004-2016 Lehre an der Humboldt-Universität Berlin, der Freien Universität Berlin und der Ludwig-Maximilians-Universität München

Weitere Tätigkeiten

  • Redaktionsmitglied der Online-Zeitschrift novinki. Neuerscheinungen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa

  • Jurymitgliedbeim n-ost-Reportagepreis (2012-2015 ) in der Rubrik Textreportage

  • freie Lektorin, Verlagsgutachterin und Mitarbeiterin in einer Literaturagentur (2004-2012)

Publikationen

Monografie

  • Zwischenzeit. Kontingenz-Erfahrung und transitorische Lebensentwürfe in den Romanen V vozduche von Sergej Bolmat und Matiss von Aleksandr Iličevskij. Slavistische Beiträge, Bd. 506. Wiesbaden 2017.

Herausgeberschaft

  • zus. mit Bettina Lange & Georg Witte (Hrsg.): Die nicht mehr neuen Menschen. Russische Filme und Romane der Jahrtausendwende (Wiener Slawistischer Almanach: Sonderband 79), München/Berlin/Wien 2012.

Aufsätze

  • Rückkehr nach Matjora“? Die Wiederentdeckung des Dorfs als sozial-utopischer Imaginationsraum in russischen zeitgenössischen Romanen. [in Vorbereitung]

  • Demythologizing history. On the phantasmatic dismantling of the Leningrad blockade narrations. [in Vorbereitung]

  • "Fantastische Grenzerkundungen des (neo)imperialen Mythos in der russischen und ukrainischen Gegenwartsliteratur (2000), in: Sebastian Cwiklinski,Roman Dubasevych, Matthias Schwartz (Hrsg): Gefühle im Krieg. Imaginäre und affektive Dimensionen des Ukraine-Konflikts. [in Vorbereitung]

  • "Entmythisierung der Blockade Leningrads: Fiktionalisierung der Vergangenheit zwischen offizieller und persönlicher Erinnerung", in: Danijela Lugarić/Milka Car/Gábor Tamás Molnár (Hg.): Myth and Its Discontents / Mythos und Ernüchterung: Memory and Trauma in Central and Eastern European Literature / Zu Trauma und (fraglicher) Erinnerung in den Literaturen des zentralen und östlichen Europa. Wien 2017, 155–176.

  • "Heimatsuche und Raumaneignung bei Aleksandr Iličevskij und Aleksej Ivanov", in: Bettina Lange/Nina Weller/Georg Witte (Hg.): Die nicht mehr neuen Menschen. Russische Filme und Romane der Jahrtausendwende, München/Berlin/Wien 2012, S. 111 - 142 (mit Svetlana Sirotinina).

  • "Ein Schiff wird kommen! Mythopoetische Dekonstruktionen und Neukonstruktionen russisch - jüdischer Identität in Oleg Jur’evs Roman Vineta (Die Russische Fracht)", in: Lange; Weller; Witte (Hg.): Die nicht mehr neuen Menschen. Russische Filme und Romane der Jahrtausendwende München/Berlin/Wien 2012, S. 187 - 221 (mit Miriam Finkelstein).

  • "Putins Matrix: Zur Mystifizierung, Banalisierung und Subversion des Politischen in aktueller russischer Fantastik", in: Wiener Slawistischer Almanach 68 (2011), S. 225 - 273 (mit Matthias Schwartz).

  • „Kontingenz, Kontextualität und Potentialität von Lebensgeschichten in Sergej Bolmats Roman V vozduche/In der Luft“, in: Bildschirmtexte IV, 2009 Beiträge zum 9. Arbeitstreffen des Jungen Forums Slavistische Literaturwissenschaft (Wien 2008)

Kleinere Beiträge

  • Wiederholungen der Vergangenheit. Formen des Reenactments in Medien, Kunst und Wissenschaft: Gespräch mit Magdalena Marszałek und Anja Schwartz, in: Portal Wissen. Das Forschungsmagazin der Universität Potsdam 2 (2014), S. 96-99.

Rezensionen

Lexikonartikel & Onlinepublikationen

  • Aleksandr Iličevskij: Soldaty Apšeronskogo polka, Eintrag im Kindler-Literaturlexikon (Online) [in Vorbereitung]

  • Hans Knudsen, in: König, Christoph; Wägenbaur, Birgit (Hg.): Internationales Germanistenlexikon: 1800 - 1950 (Band 3), Berlin/New York 2003, S. 960 – 962

Übersetzungen

  • “Tränen und Hysterie”. Kommentar von Nina Belenitskaja, in: Theater der Zeit, 01/07, S. 66 - 67.
  • “Die Angst begleitet uns zur Arbeit”. Kommentar von Nina Belenitskaja, in: Theater der Zeit, 11/06, S.80

Vorträge

  • "'Mensch in Landschaft'. Urbane Landschaften, Stadtfluchten und Dorfutopien in russischer Prosa der Gegenwart". Vortrag im Rahmen der Ringvorlesungsreihe: „Vernetzte Räume. Zum Verhältnis von Literatur und Architektur“, Institut für Slavische Philologie, LMU München, 31.05.2016.

  • Rückkehr nach Matjora? Die Wiederentdeckung des Dorfs als sozial-utopischer Imaginationsraum in russischen zeitgenössischen Romanen“. Im Rahmen der Ringvorlesung "Was gibt es Neues auf dem Lande? Ethnologische, historische und literarische Perspektiven auf das ost(mittel)europäische Dorf"am Institut für Slavistik der Universität Potsdam, 15. 12.2015.

  • "Demythologizing History. On the Phantasmatic Dismantling of the Leningrad Blockade Narrations". Internationale Konferenz: After Memory. Conflicting Claims to World War II in Contemporary Eastern European Literatures, ZfL Berlin, 07.11. 2015.

  • „Entmythisierung der Geschichte: Zur Demontage des heroisierenden Blockademythos bei Andrej Turgenev (alias Vjačeslav Kuricyn)“ im Rahmen des 12. Deutschen Slavistentags , Gießen, 02.12.2015.

  • "Entmythisierung der Geschichte: Zur Demontage des Blockademythos in der postsowjetischen russischen Literatur". Konferenz "Theorizing Myth, Trauma and Memory in Central and East European Cultural Spaces“, Lovran, Croatia/Kroatien, 25.09.2015.

  • "Fantastische  Grenzerkundungen  des  (neo)imperialen  Mythos  in der  russischen Gegenwartsliteratur". Im Rahmen des Workshops "Imperiale Emotionen". Zur Konzeptualisierung ost-westlicher Affektkulturen angesichts der Ukraine-Krise, ZfL Berlin, 06.12.2014.

  • „Obdachlosigkeit und stille Revolte als Paradigmen pikaresker Lebens- und Weltentwürfe bei Natal’ja Ključareva und Aleksej Iličevskij“. Vortrag am 12./13.11.2009 am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, FU Berlin.

  • „Putins Matrix: Die Mystifizierung und Banalisierung des Politischen in aktueller russischer Fantastik". Workshop: "Politische Narrative und Inszenierungen in aktueller russischer Literatur" am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin (ZfL), 19.06.2009.

  • „Möglichkeitssinn und Langeweile in Sergej Bolmats Roman V vozduche/In der Luft“. Vortrag am 27./28.11.2008 am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, FU Berlin.

  • „Leben im Konjunktiv. Selbstentwürfe und Möglichkeitssinn in Sergej Bolmats Roman V vozduche/In der Luft“. Vortrag im September 2008 im Rahmen des 9. Arbeitstreffens des Jungen Forums Slavistische Literaturwissenschaft, Universität Wien.

  • „Die Kunst des Scheiterns oder Figurationen des Marginalen bei Marusja Klimova“. Vortrag am 21./22.02.2008 am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, FU Berlin.

Konferenzen und Workshops (Organisation)

  • Panel: "Trauer, Spiel, Phantasma. Zum Umgang mit Geschichte in zeitgenössischen osteuropäischen Literaturen“ auf dem 12. Deutschen Slavistentag in Gießen, 01.-03.10. 2015 zusammen mit Matthias Schwarz und Heike Winkel

  • Workshop: „Rollenspiele in der Randzone bei Kira Muratova und Marusja Klimova“, 21./22. 02. 2008 am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin, zusammen mit Bettina Lange und Georg Witte

  • Workshop: „Lebens-Geschichte und Kontingenzerfahrung im postsowjetischen Film und Roman“, 27./28.01. 2008, am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin, zusammen mit Bettina Lange und Georg Witte

  • Workshop: „Offene Konstellationen und Narrative der Beweglichkeit im gegenwärtigen russischen Film und Roman“, 12./13. 11. 2009, am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin, zusammen mit Bettina Lange und Georg Witte

Lehre

  • Stadt, Land, Fluss - geopoetische Kontrasträume in der belarussischen und ukrainischen Literatur und Kultur (SoSe 2017, LMU München)

  • Zwischen Sieg und Frieden: Historische und kulturelle Narrative der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in der Ukraine (WS 2016/2017, LMU München), gemeinsam mit Mykola Borovyk

  • Was wäre gewesen, wenn…? Kontrafaktisches Erzählen in der Literatur (WS 2015/2016, LMU München), gemeinsam mit Riccardo Nicolosi

  • „Fabrik der Antiutopien“: Fantastische Zukunftsentwürfe und Mystifizierung des Politischen in aktuellen russischen Romanen (SoSe 2015, LMU München)

  • Die Leningrader Blockade im narrativen und medialen Gedächtnis (WS 2014/2015, FU Berlin)

  • Kulturtheoretische Grundlagen der Osteuropa-Forschung (WS 2014/2015, FU Berlin)

  • Narren- und Außenseiterfiguren in der russischen Kultur und Literatur (SoSe 2014, FU Berlin)

  • „Flüchtige Identitäten. Kontingenzerfahrung und Laufbahnen in russischen Romanen der Gegenwart“ (SoSe 2010, FU Berlin)

  • „Kindheit erzählen: Konstruktionen von Kindheit und Strategien des Kindlichen in sowjetischen und postsowjetischen Prosatexten“ (WS 2008/2009, FU Berlin), gemeinsam mit Miriam Finkelstein)

  • „Putins Matrix. Aktuelle Romane aus Russland“ (SoSe 2008, FU Berlin), gemeinsam mit Matthias Schwartz

  • „Der Literaturbetrieb im heutigen Russland“ (WS 2005/2006, FU Berlin)

  • „Poetik des Monströsen im Kontext der russischen Gegenwartsliteratur“ (WS 2004/2005, HU Berlin)

 

Dr. des. Nina Weller