Philipp Tvrdinić, M.A.

Kontakt

Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Ludwig-Maximilians-Universität München
Maria-Theresia-Straße 21
D-81675 München
Tel.: +49 (0)89 / 2180 - 9592
E-Mail

Promotionsprojekt

Stanisław Lem und die Kybernetik

Das Dissertationsprojekt widmet sich dem Übervater der polnischen Science Fiction – Stanisław Lem (1921-2006). In einer diskursanalytischen Untersuchung, die Impulse der „Poetologie des Wissens“ aufgreift sowie Anleihen bei der Systemtheorie macht, soll das Verhältnis von Literatur und Wissen(schaft) in Lems literarischen wie diskursiven Texten aus der ersten Hälfte seines 50-jährigen Schaffens (etwa von 1956 bis 1980) ausgelotet werden. Schließlich macht Lem die „Wissenschaft“ Kybernetik, deren Stern nach 1945 auf- und in den späten 1970er Jahren untergeht, zu seiner poetologischen Grundlage.

Dabei etabliert die zum Teil aus Norbert Wieners Kriegsforschung zur Flugabwehr hervorgegangene „Steuermannskunst“ (gr. kybernētikḗ) ein neues, interdisziplinär besonders anschlussfähiges Paradigma, mit dem sich utopische Hoffnungen einer Überbrückung der Kluft zwischen den „zwei Kulturen“ verbinden. In dessen Zentrum steht eine wirkmächtige Analogie: So wie die Steuerung einer Maschine (z.B. eines Thermostats) auf Feedback basiert – aus einem Informationsinput (Raumtemperatur) wird durch Rückkopplung ein Output (Heizkörper wird entweder ein- oder ausgeschaltet) generiert –, so verhält es sich prinzipiell auch beim Menschen und in jedem lebenden Organismus, der auf Basis von Informations- oder Kommunikationsprozessen mit seiner Umwelt interagiert – von der einzelnen Zelle bis zur gesamten Gesellschaft. Die Kybernetik markiert damit einen epistemischen Bruch, mit dessen weitreichenden Implikationen und Möglichkeiten sich Lems literarische wie theoretische Gedankenexperimente zentral befassen.

Untersucht werden soll insbesondere, inwiefern Lems Schriften nicht nur das neue kybernetische Paradigma reflektieren, sondern inwieweit sie auch selbst an der Bildung und Stabilisierung sowie vielleicht der Kritik der Wissensordnung des – von Lem im Untertitel seiner Cyberiada [Die Kyberiade] (1965) so getauften – „kybernetischen Zeitalters“ partizipieren.

Curriculum Vitae

Studium von Literatur-Kunst-Medien und Philosophie an der Universität Konstanz mit einem Aufenthalt an der Jagiellonen-Universität in Kraków/Krakau. März 2016 Abschluss im Masterstudiengang Osteuropastudien an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Arbeit „Das Monster als Figur des Dritten. Andrzej Sapkowskis Wiedźmin [Hexer] in Prosatexten und Computerspielen“ bei Prof. Dr. Raoul Eshelman. Seit November 2016 Promotionsstudium an der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, betreut von Prof. Dr. Riccardo Nicolosi.

Philipp Tvrdinić