Prof. Dr. Andreas Renner

Lehrstuhl Russland/Asienstudien

Seit dem Zeitalter der Aufklärung bildet der Vergleich Russlands mit dem (europäischen) Westen eine Zentralperspektive der Osteuropaforschung. Russland als europäische Macht, als „verspätete“ Industrienation, als Blüte der europäischen Kultur oder als Gegenspieler im Ost-West-Konflikt waren lange Zeit die Standardthemen. Erst mit der Renaissance der Imperiumsforschung in den 1990er Jahren gerieten das Zarenreich und die Sowjetunion nicht nur wieder als Vielvölkerreiche in den Blick, sondern auch als größte und einflussreiche Staaten in Asien. Der in seiner Konzeption einzigartige Lehrstuhl „Russland-/ Asienstudien“ untersucht sowohl die als asiatisch definierten Gebiete, Bewohner und Kulturen des Zarenreichs (beziehungsweise der UdSSR) als auch die Verflechtungen Russlands mit seinen asiatischen Nachbarn in Geschichte und Gegenwart. Russland-/ Asienstudien analysieren nicht nur grenzübergreifende Prozesse und Zusammenhänge, sondern überschreiten auch selbst disziplinäre Grenzen zwischen der Osteuropaforschung und benachbarten Fächern wie der Turkologie, Sinologie und Japanologie.

Geographisch geht es um die Landmasse zwischen dem Schwarzem Meer, dem Polarmeer und dem Nordpazifik, chronologisch um den Zeitraum nach der Eroberung Sibiriens im 17. Jahrhundert. Die West-Ost Expansion des Zarenreichs hat diese Gebiete zwar verklammert, jedoch keine klar umrissene, eurasische Weltregion geschaffen. Vielmehr sind in dem skizzierten, dynamischen Untersuchungsrahmen sehr unterschiedlich gedeutete Räume entstanden. Darin eingebundene Vorstellungen von Russland, Russland/Asien und Asien finden am Lehrstuhl besondere Aufmerksamkeit.