Ehrendoktorwürde für Walter Koschmal

16.09.2015 (14:40)

Nationale Taras-Ševčenko-Universität in Kiew ehrt verdienten Forscher und Brückenbauer

Am 7. September 2015 wurde Prof. Dr. Walter Koschmal vom Institut für Slavistik der Universität Regensburg in Kiew die Ehrendoktorwürde der Nationalen Taras-Ševčenko-Universität verliehen. Die größte ukrainische Universität würdigt damit Koschmals Verdienste um die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit und dessen wissenschaftliche Leistungen.

Der "Gelehrte Senat" der Nationalen Taras-Ševčenko-Universität hatte dem Mitglied der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien die Ehrung im April zuerkannt. Koschmal ist erst der fünfte Deutsche, der diese Auszeichnung erhält; zuletzt war dies Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (1996). Auf der Ehrentafel der Universität wird Koschmal ab sofort als Nr. 102 der Ehrendoktoren aufgeführt.

Koschmal erinnerte in seiner Dankesrede unter anderem an den Humanisten und "ersten bewußten Europäer" Erasmus von Rotterdam. Dessen Name sei nicht zufällig für die Benennung europäischer Programme zum Austausch von Studierenden ausgewählt worden. Der geduldige Weg des übernational-europäischen Humanismus' von Erasmus bilde eine wichtige Basis. "An der Umsetzung dieses inneren ethischen Imperativs gilt es in Europa kontinuierlich zu arbeiten. Selbstverständlich auch mit der Ukraine und ihren Menschen", sagte Koschmal. Er sei dankbar, gemeinsam mit seinen Partnern bescheiden an einer ukrainisch-europäischen Zukunft arbeiten dürfen.

Koschmal studierte Slavische Philologie, Deutsche Philologie und Geschichte. 1983 wurde der mit einer Arbeit über das poetische System der Dramen I. S. Turgenevs promoviert. An der Ludwig-Maximilians-Universität in München habilitierte er sich 1988 mit einer Arbeit zu den älteren ostslavischen Literaturen. Seit Herbst 1994 ist Koschmal Inhaber des Lehrstuhls für Slavische Philologie (Literatur- und Kulturwissenschaft) an der Universität Regensburg.

Er ist Mitherausgeber der "Zeitschrift für Slavische Philologie", der Zeitschrift "POETICA" sowie mehrerer wissenschaftlicher Buchreihen.

In Lehre und Forschung beschäftigt sich Koschmal vor allem mit der russischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Neben weiteren slavischen Literaturen hat er sich auch intensiv mit der ukrainischen Literaturgeschichte beschäftigt. Im vergangenen Jahr wurde eine Studie veröffentlicht, die sich dem Namenspatron der Kiewer Universität widmet: "Taras Ševčenko. Die vergessene Dichter-Ikone" (München/Berlin/Washington D.C.: Verlag Otto Sagner).

1997 erarbeitete Walter Koschmal zudem in einer Kommission im Auftrag der Hochschulrektorenkonferenz das erste Abkommen über Hochschulkooperationen zwischen der Ukraine und Deutschland.

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