Nach dem Bruch der Koalition in Kroatien: Geschichtsrevisionismus auf dem Balkan

14.06.2016 (10:41)

Marie-Janine Calic im SWR 2-Kulturgespräch zum aktuellen Streit um die Deutung der Geschichte in Kroatien

Zum aktuellen Streit um geschichtsrevisionistische Tendenzen in Kroatien sprach Marie-Janine Calic, Professorin für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München & Mitglied der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, am 14. Juni 2016 mit Fabian Elsäßer in der SWR 2-Hörfunkreihe "Kulturgespräch".

Kulturkampf in Kroatien: im tief gespaltenen Land geht es um Geschichtsrevisionismus, autoritäre Strukturen, den Einfluss der Kirche, konservative Frauen- und Familienbilder, Säuberung der Medien und das Ausschalten kritischer Stimmen. Kulturschaffende warnen vor einem kulturellem Rechtsruck. Das Jüngste EU-Mitglied entwickelt sich zum Sorgenkind, in Kroatien ist nach nur wenigen Monaten die Regierungskoalition der konservativen HDZ und der Reformpartei Most zerbrochen, außerdem protestierten hunderte von Lehrern gegen konservative Einflüsse im Bildungssystem und forderten Eltern auf mit ihren Kindern auszuwandern. Aus Sicht ihrer Kritiker steht die HDZ der Kirche zu nah, pflegt ein veraltetes Familienbild und verklärt die nicht immer makellose Geschichte Kroatiens. Insbesondere der Umgang mit den Verbrechen des faschistischen Ustascha-Regimes während des Zweiten Weltkrieges, stößt dabei seit Jahren auf Kritik im In- und Ausland. Es gibt deutliche Warnungen vor einem Geschichtsrevisionismus im Land, auch von der Historikerin Marie-Janine Calic. Zugleich stellt sie fest, dass es einen solchen Revisionismus eigentlich in allen Balkanstaaten gibt. Ihr mache aber Hoffnung, dass es dort auch  sehr professionelle Historiker, Journalisten und Kulturschaffende gebe, die sich solchen Ansinnen entgegen stellten.

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