[Slawisten-Konferenz] "Akademisches Speed-Dating" am University College London

30.07.2014 (13:21)

13th International Postgraduate Conference on Central & Eastern Europe

Die International Postgraduate Conference on Central & Eastern Europe der School of Slavonic and East European Studies des University College London ist eine der größten Konferenzen zu Osteuropastudien, bei der mehr als 140 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschungen präsentieren. Eine von ihnen war in diesem Jahr Alice Buzdugan, Doktorandin der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien. Sie stellte Ausschnitte aus ihrem Promotionsprojekt vor, lernte in kürzester Zeit umso mehr Teilnehmer kennen und erfuhr außerdem, wie man sich erfolgreich in akademischen Netzwerken präsentiert.

Wie ein akademisches Speed-Dating wirkte die diesjährige Konferenz der School of Slavonic and East European Studies vom University College London mit ihren über 140 Vorträgen und etwa 40 Panels in nur drei Tagen. Die Konferenz mit dem Titel „Old Rules and New Traditions: Generational Divides in Central and Eastern Europe“ fand zwischen dem 19. und 21. Februar 2014 statt und versammelte Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter von etwa 100 verschiedenen Universitäten und Forschungseinrichtungen weltweit, die ihre frisch abgeschlossenen oder gerade laufenden wissenschaftlichen Projekte vorstellten.

Eine einfache Aufzählung der vertretenen Themenbereiche würde der großen Fülle an Schwerpunkten, Forschungsansätzen, Disziplinen, vertretenen Institutionen und Beitragenden eher Unrecht tun. Die Abstracts zu den Vorträgen können auf dem Konferenzblog durchblättert werden. Darunter war auch die Literaturwissenschaft mit einem eigenen Panel vertreten, das auch meinen Beitrag beherbergte. Unter der Überschrift The City in Romanian Interwar literature between national propaganda and cultural philosophy präsentierte ich einige literarische Strategien der deutschsprachigen Autoren aus „Großrumänien“, um die eigenen Kulturdiskurse in der Zwischenkriegszeit vor der deutschsprachigen Leserschaft erfolgreich zu legitimieren.

Neben der Vorstellung der eigenen Forschungsarbeiten spielte in London thematisch auch die Reflexion über die berufliche Praxis in der Wissenschaft eine bedeutende Rolle: Mehrere Panels waren dem Umgang mit den eigenen Forschungsergebnissen in bereits etablierten oder noch im Entstehen begriffenen akademischen Gemeinschaften gewidmet. Erfolgreiche Spezialisten aus den jeweiligen Bereichen sprachen zudem über die Vorteile des Academic Bloggings und der Social Media, aber auch über die Aussichten zur Veröffentlichung der eigenen Forschungsergebnisse und über die beruflichen Perspektiven für frisch Promovierte der Geisteswissenschaften. Dabei wurde der für den englischsprachigen Raum spezifische Unterschied zwischen Berufen in der Forschung und solchen in der Lehre betont. Als „Geheimtipp“ wurde zudem die Möglichkeit besprochen, für die Bewerbung um eine Stelle im hochbegehrten akademischen Bereich, wenn noch nicht die eigene Dissertation, dann zumindest eine Patchwork-Monographie zu veröffentlichen.

Vom Elfenbeinturm zum Teamgeist

Die dreitägige Konferenz übernahm die Rolle eines effizienten und dynamischen Reiseführers durch das internationale Dickicht der Ost- und Südosteuropaforschung. Neben Informationen darüber, welche Forschungsrichtungen und –einrichtungen gerade angesagt sind, erhielten die Teilnehmer einen Einblick in die erfolgreiche Selbstpräsentation: Im agilen akademischen Netzwerken sollte man wichtige Schlüsselwörter zum eigenen Projekt und zu dessen institutionelle Einbettung, aber auch – für den deutschsprachigen Raum eher unüblich – zur Verbindung zwischen dem privaten Lebenslauf und der eigenen Arbeit immer parat haben. „Passwörter“ wie „Minderheitenforschung“, „Patchwork-Monographie“ oder „alternative Jugendkultur“ polierten die eigene Visitenkarte auf und ersetzten erfolgreich oft wegen der großen Teilnehmerzahl eine ausgedehntere Konversation. Der hinterlassene erste Eindruck war häufig auch der einzige, weil die Chance, denselben Teilnehmern mehrmals zu begegnen, eher gering ausfiel.

Zum vermittelten Bild des Nachwuchswissenschaftlers konnte ich folgende Feststellung machen: Dem Nachdenken im Elfenbeinturm scheint nun die Methode der Gruppenarbeit mithilfe der digitalen Medien bevorzugt zu werden. Inwiefern diese Form der Wissensverarbeitung sich auch für Fächer durchsetzen kann, deren Grundstoff aus Texten besteht, bleibt immerhin offen.

Ein besonderer Dank gebührt der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, die mit einem großzügigen Reisekostenzuschuss meine Teilnahme an der Konferenz ermöglicht hat.

Alice Buzdugan, Regensburg

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