Ausgezeichnet! Ekaterina Makhotina erhält Preis der Peregrinus-Stiftung

04.12.2017 (15:31)

Bayerische Akademie der Wissenschaften zeichnet Dissertation der Münchner Alumna aus

Für ihre herausragende Dissertationsschrift über den Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen und postsowjetischen Erinnerungskultur Litauens hat Dr. Ekaterina Makhotina, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Osteuropäische Geschichte der Universität Bonn und Alumna der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, am 2. Dezember 2017 in München den Preis der Peregrinus-Stiftung erhalten.

Verliehen wurde ihr die renommierte Auszeichnung im Rahmen der Feierlichen Jahressitzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW), der größten und einer der ältesten Akademien in Deutschland. Mit dem 1997 ins Leben gerufenen Preis der Peregrinus-Stiftung würdigt die BAdW Arbeiten, die dem Verständnis interdisziplinärer Zusammenhänge dienen beziehungsweise gesellschaftspolitisch relevant sind.

Die Preisträgerin zeichne sich durch ein beeindruckendes wissenschaftliches Œuvre mit schon jetzt zwei Monografien, drei mitherausgegebenen Bänden und 20 z.T. im Peer-Review-Verfahren publizierten Aufsätzen sowie durch einen beruflichen Werdegang aus, der von Forschungsinteresse und gesellschaftlichem Engagement zugleich geprägt sei, wie die Preisbegründung erläutert.

In ihrer nun ausgezeichneten Dissertation, die die 1982 in St. Petersburg geborene Historikerin als assoziierte Doktorandin der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien verfasste und 2015 an der Ludwig-Maximilians-Universität München verteidigte, widmet sich Ekaterina Makhotina den kulturellen und kommunikativen Formen des Gedenkens an den Zweiten Weltkrieg in Litauen. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Martin Schulze Wessel.

Makhotina sei es gelungen, die musealen Formen des litauischen Kriegserinnerns umfassend in ihren politischen und gesellschaftlichen Kontexten zu erforschen und darüber hinaus auch zum breiteren Thema der sowjetischen Erinnerungskultur wichtige Einsichten zu vermitteln, wird in der Preisbegründung hervorgehoben. Entsprechend habe die Studie sowohl bei litauischen als auch bei russischen Historikern Anerkennung gefunden.

2017 ist die Studie unter dem Titel "Erinnerungen an den Krieg – Krieg der Erinnerungen. Litauen und der Zweite Weltkrieg" als vierter Band der von Prof. Dr. Martin Schulze Wessel und Prof. Dr. Ulf Brunnbauer für die Graduiertenschule herausgegebenen Schriftenreihe "Schnittstellen. Studien zum östlichen und südöstlichen Europa" (Verlag Vandenhoeck & Ruprecht) erschienen.

Makhotinas Arbeit schließe, so die Würdigung durch die Akademie, nicht nur eine Forschungslücke zur Erinnerungskultur der baltischen Länder in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg, sondern biete zugleich wichtige analytische Einblicke in die im gegenwärtigen Osteuropa immer wieder hochpolitische Angelegenheit konkurrierender Erinnerungskulturen.

Im Weblog "Erinnerungskulturen. Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa" ist dieser Tage ein Beitrag von Ekaterina Makhotina erschienen, der die Brisanz widerstreitenden Erinnerns noch einmal eindrücklich aufzeigt. Betrachtet wird darin die aktuelle Debatte um die Theaterwissenschaftlerin und Publizistin Ruta Vanagaite in Litauen. 2015 hatte Vanagaite mit dem breit rezipierten Buch "Die Unsrigen" aufgezeigt, dass Litauer Mittäter am Holocaust waren, und dazu aufgerufen, die vernichtete Juden nicht als "Fremde" anzusehen. Nachdem Vanagaite in diesem Jahr nun Adolfas Ramanauskas-Vanagas, den letzten Anführer des antisowjetischen Partisanenwiderstands in Litauen, als Antisemiten und KGB-Agenten brandmarkte, distanzierte sich ihr Verlag. Öffentlich wird sie scharf angegriffen. Der Fall unterstreiche, wie fatal sich nationalisierende Erinnerungskulturen auf polyethnische Gesellschaften auswirkten, so Makhotina. Der Geschichtswissenschaft komme vor diesem Hintergrund eine besondere Verantwortung zur Versachlichung solcher Debatten zu.

 

Ekaterina Makhotina (Mitte, 4.v.r.) im Kreis der Preisträgerinnen und Preisträger der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 2017 — Foto: Bayerische Akademie der Wissenschaften/Kai Neunert

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