[Call for Abstracts] Wissensproduktion und -zirkulation zwischen Russland und Asien

01.12.2014 (00:00)

Workshop: Wissensproduktion und -zirkulation zwischen Russland und Asien 21.-22.5.2015, München

In der Russlandforschung werden die Beziehungen zwischen West und Ost gewöhnlich mit Parametern aus der europäischen Geschichte untersucht. Zwar hat die Vorstellung eines Zivilisationsgefälles vom Atlantik zum Ural als schlichte Erklärung für die komplizierte Dynamik der Beziehungen zwischen Russland und (West-)europa ausgedient; doch eurozentristisch ist der Blick auf Russland gleichwohl geblieben und noch selten über den Ural hinaus gewandert. Der Workshop betont dagegen eine andere West-Ost-Perspektive, indem er Wissensaustausche einerseits zwischen Russland (dem Zarenreich, der Sowjetunion) und seinen asiatischen Nachbarn untersucht, andererseits zwischen den europäischen und asiatischen Teilen des Landes. Das Ziel ist ein dreifaches: Erstens soll die russische Wissensgeschichte der letzten zwei, drei Jahrhunderte gegen den Strich gelesen und dem schillernden Faszinosum „Europa“ ein weniger aufdringlicher (wenn auch nicht weniger amorpher) Begriff von „Asien“ gegenüber gestellt werden. Dabei geht es sowohl um explizites/implizites Wissen von „Asien“ als auch um Transfer/Rezeption unterschiedlichen Wissens aus bzw. nach Asien. Zweitens wird nach der Rolle Russlands als Mediationsraum zwischen West und Ost gefragt. Das dritte, pragmatische Anliegen ist es, den Austausch zwischen Forschern und Forscherinnen, die in unterschiedlichen Disziplinen über verwandte, aber bislang kaum verbundene Themen arbeiten, in Gang zu bringen. Angesprochen sind insbesondere Predocs und Postdocs aus dem Bereich der osteuropäischen Geschichte, den asiatischen Regionalwissenschaften (Japanologie, Sinologie, Turkologie), aber ebenso aus der Wissenschaftsgeschichte, der historischen Anthropologie, Geografie oder Kulturwissenschaften
Es versteht sich, dass eine so heterogene und derzeit wachsende Teildisziplin wie die Wissensgeschichte ein gigantisches Forschungsfeld wie Russland-Asien nicht in eine kompakte Tagungs-Agenda verwandeln kann. Doch es kann für unterschiedliche Fallstudien verbindende Kristallisationskerne, methodische Anregungen und Fragehorizonte öffnen. Hilfreich ist vor allem die Eigenschaft von Wissen, über geografische und soziale Grenzen hinweg zirkulieren zu können. Diese Zirkulation erfolgt niemals natürlich oder automatisch, sondern innerhalb sozialer, kultureller und politischer Systeme. Aus dieser Grundüberlegung ergeben sich mögliche weiterführende Fragen:


- nach dem Begriff des Wissens selbst (in Abgrenzung zum bloßen Meinen oder auch zum Nicht-Wissen);
- nach den Institutionen und Trägern sowie nach den sozialen Praktiken bei der Produktion und Verbreitung von Wissen;
- nach den Medien und Repräsentationen, in denen Wissen vermittelt und gespeichert wird;
- nach der Herkunft und Verwendung, Reproduktion und Reputation von fremdem Wissen;
- nach der zeitlichen, geografischen und kulturellen Relevanz von Wissen;
- nach einer möglichen Typisierung von (alltäglichen, esoterischen, professionellen) Wissensformen im Hinblick auf ihre Zirkulationshäufigkeit und -intensität.


Der Workshop findet vom 21. Mai bis 22. Mai 2015 in der Münchener Geschäftsstelle der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien statt. Geplant ist über kurze Projektvorstellungen hinaus die Diskussion projektübergreifender Fragen und weiterführender Perspektiven. Um einen anregenden Austausch zu ermöglichen, soll der Teilnehmerkreis klein gehalten werden. Eine Bewerbung war bis zum 1. Dezember 2014 möglich, die das kurze Exposé (eine Seite) eines Forschungsprojekts enthalten sollte, einen Vorschlag für eine themen-oder epochenübergreifende Diskussionsfrage sowie einen CV.

Kontakt:

Dr. Frank Grüner, Exzellenzcluster „Asien und Europa im globalen Kontext“, Ruprecht- Karls-Universität Heidelberg,
Prof. Dr. Andreas Renner, Lehrstuhl Russland-/ Asienstudien, Ludwig-Maximilians-Universität, München

Zurück