[Call for Abstracts] Asienbilder

24.11.2014 (13:21)

„Russlands Orient“ und der Ferne Osten in der Geschichte der Fotografie

Bereits wenige Jahre nach ihrer Erfindung wanderte die Fotografie im Gepäck europäischer Reisender nach Asien. Asien wurde fotografisch entdeckt, das europäische Publikum war begeistert. Die Neugier der Fotografen galt dabei auch dem russischen Nord- und Zentralasien. Der fotografischen Erschließung dieser Region ist die Konferenz im September 2015 gewidmet.

Die Tagung versteht sich als Impulsgeber und als Bestandsaufnahme für ein zu erschließendes und zu vernetzendes Forschungsfeld und richtet sich insbesondere an pre-docs und post-docs. Einsendeschluss für Themenvorschläge ist der 1. Februar 2015.

17.-18.9.2015, München
Deadline: 1. Februar 2015
Organisatoren:

Laura Elias, Universität Basel
Andreas Renner, Ludwig-Maximilians-Universität, München


Vor wenigen Wochen ist im wiedereröffneten Museum für Ostasiatische Kunst in Köln eine beeindruckende Ausstellung über die fotografische Entdeckung Asiens zu Ende gegangen. Anhand der Exponate war nachzuverfolgen, wie die Fotografie bereits wenige Jahre nach ihrer Erfindung im Gepäck europäischer Reisender nach Asien und dort bald in andere Hände wanderte. Außereuropäische Fotografen lernten schnell, mit fotografischen Ansichten von Asien die Geldbeutel des europäischen Publikums zu öffnen. Die Kölner Museumsschau folgte der Kamera auf ihrem Siegeszug von Istanbul über Indien und Südostasien bis nach Yokohama – doch ganz Nordasien blieb unberücksichtigt. Dabei ist die fotografische Erschließung dieser Region, die zum Zarenreich und später zur UdSSR gehörte, durchaus gut dokumentiert. Wissenschaftliche Forschungsreisende, Touristen und später Fotojournalisten schufen auch in Russland seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ein eindrucksvolles fotografisches image von Asien.
Der „russische“ Blick auf die asiatischen Gebiete innerhalb der Grenzen des Zarenreichs bzw. der Sowjetunion stellt den ersten thematischen Schwerpunkt der geplanten Konferenz dar. In welchem Kontext sind die Bilder entstanden, und wie wurden sie rezipiert? Welche images wurden vom asiatischen Russland anhand fotografischer Aufnahmen konstruiert? Lassen sich die Bilder beispielsweise in ein Modell des visuellen Orientalismus einordnen, oder gab es einen spezifisch russischen Blick auf Asien? Welche Rolle spielten Fotografen, die aus den asiatischen Gebieten stammten, und wie entwickelte sich die Fotografie dort im Vergleich und in Auseinandersetzung mit dem Zentrum?
Russlands Asien endete aber nicht an den fernöstlichen Grenzen des Zarenreichs bzw. der Sowjetunion. Darüber hinaus weckten auch fernöstliche Gebiete wie China und Japan die Faszination der russländischen/sowjetischen Fotografen und ihrer Rezipienten. Deshalb soll ein zweiter Akzent auf der Frage liegen, inwiefern sich die fotografische Konstruktion des Fernen Ostens von der des Orients innerhalb der eigenen Grenzen unterschied? Und wie nahmen wiederum reisende Fotografen aus dem nicht-russischen Asien die asiatischen Gebiete des Zarenreichs bzw. der Sowjetunion wahr?
Ein dritter Fokus soll auf die Fotografen und die fotografische Infrastruktur gerichtet werden. In der Kölner Ausstellung fanden auch russische Reisende Erwähnung, die zu den Wegbereitern der Asien-Fotografie zählten. Es waren zum Beispiel Abgesandte des Zaren, die bereits im Jahr 1842 die erste
Fotokamera an den persischen Hof brachten. Nur wenige Jahre später begannen russische Fotografen mit der systematischen Erkundung der asiatischen Gebiete des Imperiums. Die Aufnahmen einiger dieser Expeditionen (wie das Turkestan-Album von 1872 oder, aus späterer Zeit, die Bildreportage des sowjetischen Fotografen Maks Al’pert) haben auch über die Landesgrenzen hinaus Bekanntheit erlangt. Doch sowohl ihre diachrone Einordnung in andere fotografische Serien als auch ihre synchrone Verknüpfung mit zeitgenössischen (stilistischen bis politischen) Ansprüchen und (medialen oder sozialen) Wirkungsmöglichkeiten sind kaum erforscht. Dies ist aber nötig, um über eine Analyse von Fotografien, die in Asien entstanden sind, zu einer Analyse von Asienbildern zu gelangen.
Die Konferenz wird diese drei Fragenkomplexe nicht erschöpfend behandeln können. Sie stellen eine Perspektive dar, um Projekte zu einzelnen Fotografen, wiederkehrenden Motiven, Ausstellungen oder Gesellschaften zu diskutieren. Die Tagung versteht sich auch als Bestandsaufnahme für ein zu erschließendes und zu vernetzendes Forschungsfeld. Daher sind Predocs und Postdocs besonders willkommen, ihre laufenden Projekte vorzustellen. Um eine anregende und intensive Diskussion zu ermöglichen, wird erwartet, dass alle papers vier Wochen vor der Konferenz eingereicht und in München selbst nur noch Impulsvorträge (maximal 15 Minuten) gehalten werden. Interessierte aus allen mit der Fotogeschichte kompatiblen Disziplinen, die an der Konferenz teilnehmen möchten, schicken bitte an die Organisatoren bis zum 1. Februar 2015 einen Themenvorschlag (maximal eine Seite) zusammen mit einem kurzen CV. Die Konferenzsprach ist Englisch. Eine Kostenübernahme ist geplant, kann aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vollständig zugesagt werden.

Kontakt
Laura Elias
Universität Basel
Departement Geschichte
Kanonengasse 27
CH-4051 Basel
laura.elias@unibas.ch


Prof. Dr. Andreas Renner
Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Ludwig-Maximilians-Universität
Maria-Theresia-Str. 21
D-81675 Munich
andreas.renner@lmu.de

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