[Forum München] Yohanan Petrovsky-Shtern stellt sein Buch "The Golden Age Shtetl" vor

20.07.2014 (14:18)

Im Anschluss feierten die Graduiertenschule und das IGK Religiöse Kulturen ein gemeinsames Sommerfest

Wie gestaltete sich das Leben in den Shtetl im Ansiedlungsrayon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts? Durchaus positiv sagt Yohanan Petrovsky-Shtern, Professor für jüdische Geschichte, der seine Studie zu dem Thema deshalb auch „The Golden Age Shtetl“ genannt hat. Mit seiner neuen Studie, die für den Pulitzer-Preis nominiert worden ist, hat Petrovsky-Shtern zugleich eine Forschungslücke geschlossen: Denn obwohl zwei Drittel der osteuropäischen Juden des 18. und 19. Jahrhunderts in einem Shtetl gelebt hatten, blieb dieser Teil der jüdischen Geschichte in der Historiographie bislang größtenteils unbeachtet.

Häufig wird das Shtetl mit Pogromen und Armut assoziiert. Um 1800 habe sich jedoch den russischen Beamten, die durch die Shtetl reisten, ein gänzlich anderes Bild geboten, nämlich das von „blühenden Marktstädten an Kreuzungen von Handlungswegen.“ Der Autor beschreibt in seinem Buch die Einwohner, das Alltagsleben, soziale und wirtschaftliche Strukturen, Begegnungen von Juden, Katholiken und Orthodoxen und bietet mit seiner facettenreichen Herangehensweise ein alternatives Bild jüdischer Lebenswelten im Shtetl . In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfüllte sich die Hoffnung vieler Juden, die russische Regierung würde sie vor dem Willkürsystem polnischer Magnaten bewahren, weshalb das Shtetl sein „goldenes Zeitalter“ erleben konnte, woraus sich auch der Titel des Buches ableitet.

Dieses Buch hat Petrovsky-Shtern am 11. Juli 2014 im Forum der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien vorgestellt. Die Buchpräsentation war zugleich eine Premiere, nämlich der erste Vortrag, den der Historiker in deutscher Sprache gehalten hat. Er stellte seine Quellen und Herangehensweise vor und bot Einblicke in die einzelnen Kapitel seines Buches.

Organisiert hatten den Vortrag die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien und das Internationale Graduiertenkolleg „Religiöse Kulturen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts“. Im Anschluss hatten beide Veranstalter zu einem gemeinsamen Sommerfest geladen. Am letzten Tag der Vorlesungszeit bot es die Gelegenheit, gemeinsam das Semester und das akademische Jahr 2013/14 ausklingen zu lassen, bekannte Gesichter wiederzusehen und neue Kontakte zu knüpfen. Der Garten hinter der Villa in der Maria-Theresia-Straße 21, in der der Münchner Zweig der Graduiertenschule untergebracht ist, bot dafür den idealen Ort. Das Wetter blieb trocken, zu essen und trinken gab es reichlich, sodass einige noch beim Schein der farbenfrohen Lichterkette bis spät in der Nacht auf den Bierbänken unter dem Kastanienbaum zusammensaßen.

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