[Interview] Den Haag: Urteil über ein Geschichtskapitel

03.02.2015 (10:45)

Am 3. Februar wies der Internationale Gerichtshof in Den Haag die Völkermord-Klage Kroatiens gegen Serbien ab. Im Vorfeld dieses Urteils interviewte der SWR Professor Dr. Marie-Janine Calic, Mitglied der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in München, zur heutigen Bedeutung der Vorkommnisse von vor 20 Jahren und zu den möglichen Auswirkungen des Urteils.

Professor Calic betonte, dass Kroatien nicht das heutige, sondern das damalige Serbien als Schuldigen ansehe. Insofern werde mehr ein Stück Geschichte verhandelt. Sie hoffe, "dass dieses Kapitel nun damit auch abgeschlossen ist." Die Behauptung, Kroatien erhoffe sich von einem Urteil zu seinen Gunsten auch hohe Reparationszahlungen, schätzt Calic dabei als Teil der politischen Auseinandersetzung ein, nicht aber als etwas, was Kroatien tatsächlich im Sinn habe. Generell sei der Konflikt in der kroatischen wie serbischen Politik jedoch nicht mehr so präsent wie noch vor einigen Jahren; innenpolitisch wie auch in Hinblick auf die EU seien die beiden Länder stabilisiert. Selbst ein Urteil zu Ungunsten Serbiens würde keine Auswirkungen auf die EU-Beitrittsverhandlungen des Landes haben. Serbien habe durch seine Kooperation mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag bewiesen, dass es an der Aufarbeitung seiner Geschichte interessiert ist.

Das gesamte Interview ist abrufbar in der Mediathek des SWR.

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