Eine wichtige Lektion

28.07.2016 (07:45)

Interview mit Ulf Brunnbauer über den Ausbruch des Jugoslawien-Krieges

Am 27. Juli strahlte Deutschlandradio Kultur ein Interview mit Ulf Brunnbauer aus, in dem der Regensburger Sprecher der Graduiertenschule und der geschäftsführende Direktor des Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung über die Hintergründe und Lehren des Ausbruchs des Jugoslawien-Krieges vor 25 Jahren sprach.

Die Sendereihe "Zeitfragen" beschäftigte sich an diesem Tag mit Jugoslawiens Weg in den Krieg und dem Zerfall des Vielvölkerstaats. In dem Interview wurde an das Friedenskonzert in Sarajevo am 28. Juli 1991 erinnert, auf dem die wichtigsten Musiker Jugoslawiens spielten und so eindrucksvoll für den Erhalt des Friedens demonstrierten. Große Teile der Bevölkerung wollten keinen Krieg - und doch brach er wenige Monate später aus.

Die Organisatoren und Besucher des Friedenskonzerts seinen keinesfalls naiv gewesen, schließlich stellte das Konzert nur ein Element einer breiten Friedensbewegung im Land dar. Um zu erklären, wie es trotzdem zum Krieg gekommen sei, müsse man zwischen "jenen, die den Krieg in Kauf nahmen", wozu viele der damals verantwortlichen Politiker zu zählen seien, und jenen radikalen Nationalisten auf allen Seiten, "die ihn tatsächlich wollten" differenzieren, erklärte Brunnbauer.

Die damalige Rhetorik einer Unausweichlichkeit des Krieges, die alternative Handlungsweisen strikt ausblende und letztlich das eigene Agieren im Krieg unhinterfragbar machen solle, treffe derweil auch für viele andere militärischen Konflikte zu. Die Ereignisse vor 25 Jahren im damaligen Jugoslawien stellten insofern eine wichtige historische Lektion dar.

Brunnbauer warb für eine stärkere Berücksichtigung der jugoslawischen Zerfallskriege im Schulunterricht. Die Ereignisse in Jugoslawien vor 25 Jahren seien ein Beispiel dafür, was passiere, wenn radikale, populistische, nationalistische Programme tatsächlich politische Realität werden und wie kurz der Weg von einem friedlichen Zusammenleben zu einem brutalen Krieg sein könne.

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