Gedenken an den 9. Mai: Ausstellungseröffnung in Berlin-Karlshorst

12.05.2015 (15:14)

Am 8. Mai, dem 70. Jahrestag des Kriegsendes in Europa, wurde im Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst die Ausstellung „Der 9. Mai. Formen des Gedenkens an das Kriegsende 1945“ eröffnet. Die Ausstellung wurde im Rahmen des von der Graduiertenschule mitgeförderten Forschungsprojektes „Sieg - Befreiung - Besatzung. Kriegsdenkmäler und Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des Kriegsende im postsozialistischen Europa“ vom Leitungsteam des Projektes - Ekaterina Makhotina (GS OSES), Mischa Gabowitsch und Cordula Gdaniec (Einstein Forum Potsdam) - konzipiert und vorbereitet.

Die 22 Ausstellungstafeln präsentierten zahlreiche verschiedene Facetten des 8. und des 9. Mai, seine räumliche, rituelle, soziale, politische und „dingliche“ Dimension. Die für diese Ausstellung ausgewählten Fotografien wurden am 8./9. Mai 2013 bzw. 2014 in neun Ländern und achtzehn Städten gemacht. Bilder aus Moskau, St. Petersburg, Tula, Rostow am Don, Grosny, Sotschi, Perm, Sortawala, Sewastopol, Minsk, Charkow, Odessa, Vilnius, Riga, Tiraspol, Schykment, Wien und Berlin zeigen die Vielfalt der Formen des Feierns und Gedenkens am 9. Mai.

Das Thema der Feierlichkeiten am „Tag des Sieges“ in Vilnius, einen Aspekt, den Ekaterina Makhotina für ihr Dissertationsprojekt erforscht hatte, ist ein durchgehendes Motiv der Ausstellung. Der Fall Vilnius stellt exemplarisch dar, wie die sozialen Praktiken des Gedenkens an den Zweiten Weltkrieg in einem postsowjetischen Staat ausfallen, der seine historische Identität auf einem post-, wenn nicht gar anti-sowjetischen Narrativ aufbaut. Die Erinnerungspraktiken am sowjetischen Ehrenfriedhof Antakalnis, der erinnerungskulturellen „Exklave“ in der städtischen sozialen und emotionalen Geografie am 9. Mai, zeigt die Möglichkeit der Weiterpflege einer Erinnerungskultur, die 1990 einen tiefen Bruch erlitten hat.

Im Zentrum der Ausstellung steht nicht das offizielle staatstragende Erinnern, wie die offiziellen politischen Ansprachen, Militärparaden oder staatlich organisierte Aktionen, sondern das gesellschaftliche Erinnern, wie es von den vielen verschiedenen nicht-staatlichen Initiativen entwickelt wird: „Das Unsterbliche Regiment“, historische Re-Enactments, spontane Musikkonzerte und vieles mehr. Auch tradierte und neu entstandene Symbole, die dieses Fest begleiten, werden mit ihren Entstehungsgeschichten präsentiert.

Die Eröffnung der Ausstellung fand im Rahmen des alljährlichen Museumsfest „8. Mai“ durch eine Podiumsdiskussion mit den Autoren der Ausstellung Cordula Gdaniec, Ekaterina Makhotina und Mischa Gabowitsch statt.

Das Projekt „9. Mai: Sieg—Befreiung—Besatzung“ wird von der Graduiertenschule Ost- und Südosteuropastudien, der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst gefördert.

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