Graduiertenschule sorgt sich um CEU Budapest

31.03.2017 (07:37)

Geplante Änderungen im ungarischen Hochschulgesetz stellen "einen Angriff auf die akademische Freiheit dar"

Mit großer Besorgnis hat die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien von der geplanten Novelle des ungarischen Gesetzes über die nationale Hochschulbildung erfahren. Diese Gesetzesänderung richtet sich ganz offensichtlich gegen die Central European University (CEU) in Budapest und würde deren weitere Arbeit in Ungarn unmöglich machen. Die beiden Sprecher der Graduiertenschule, Prof. Dr. Martin Schulze Wessel und Prof. Dr. Ulf Brunnbauer, erklären daher ihre Solidarität mit der CEU, die zu einem der wichtigsten internationalen Kooperationspartner der Graduiertenschule geworden ist, und fordern den ungarischen Minister für Humanressourcen (mit der Zuständigkeit für die Bereiche Gesundheit, Soziales, Jugend, Bildung, Kultur und Sport), Zoltán Balog, auf, die Gesetzesnovelle zurückzuziehen.

"Die CEU ist eine der wichtigsten und besten Universitäten in Mitteleuropa. Die Regierung Ungarns sollte stolz sein, dass diese akademische Institution in Ungarn ihre Heimat hat und in den letzten 25 Jahren wesentlich zur Weiterentwicklung der Wissenschaften im Land beigetragen hat", erklärten Schulze Wessel und Brunnbauer in ihrem Solidaritätsschreiben. Die CEU biete vielen ungarischen Wissenschaftlern die Möglichkeit, an ihr zu lehren und zu forschen; Ungarn stellten die größte nationale Gruppe unter den Studierenden dar. Gleichzeitig wirke die CEU als internationaler Magnet, indem sie viele bedeutende Wissenschaftler aus dem Ausland nach Budapest bringe und Studenten aus mehr als 100 Ländern ausbilde. Das ausgezeichnete Ranking einiger CEU Departments ebenso wie die erfolgreiche Einwerbung von ERC Grants und diverse Auszeichnungen für Wissenschaftler der CEU zeigten die akademische Exzellenz, welche die CEU in Budapest aufgebaut habe – zum Nutzen Ihres Landes ebenso wie der weltweiten internationalen Forschercommunity.

Die vorgeschlagenen Gesetzesänderungen würden nicht nur diese großartige Aufbauleistung zunichtemachen, sondern auch dem Wissenschaftsstandort Ungarn einen irreparablen Schaden zufügen. "Das Gesetz stellt einen Angriff auf die akademische Freiheit dar", so Schulze Wessel und Brunnbauer. Dieses Prinzip werde von der CEU hochgehalten und sei die Grundlage jeglicher exzellenter wissenschaftlicher Arbeit. Unter einem Angriff auf die akademische Freiheit würden auch die staatlichen Universitäten Ungarns leiden, für die zudem die CEU ein wichtiger Partner sei und die von der Internationalität der CEU profitierten. In der internationalen Forschergemeinde würde das Image Ungarns als wichtiger europäischer Wissenschaftsstandort massiv Schaden nehmen.

"Für die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in München und Regensburg und auch uns persönlich stellt die CEU einen der wichtigsten internationalen Partner dar", betonten die beiden Sprecher der Graduiertenschule. Deren erste Sommerschule (im Jahr 2013) fand an der CEU in Budapest statt, eine der ersten Gastwissenschaftlerinnen kam von der CEU, Studenten der CEU wurden als Doktoranden aufgenommen und es besteht ein reger Austausch mit der Universität, etwa durch gemeinsame Publikationen und Tagungen. Das Ende der CEU würde die Kooperationsbeziehungen der Graduiertenschule mit Ungarn massiv beschädigen und zwar auch jene zu den staatlichen Universitäten, weil internationale Wissenschaft nur unter den Bedingungen der Freiheit florieren könne.

Daher fordern die beiden Sprecher der Graduiertenschule den zuständigen Minister mit allem Respekt, aber auch mit Nachdruck auf, die geplante Gesetzesänderung zurückzuziehen und die so erfolgreiche Arbeit der CEU nicht durch administrative Schikanen zu behindern. "Die gesamte ungarische Wissenschaftslandschaft profitiert von dieser Universität und ihrer hervorragenden internationalen Vernetzung. Das Gesetz würde ohne Not die akademische Landschaft Europas, gerade in seinem Zentrum, um ein zentrales Element ärmer machen."

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