Graduiertenschule unterstützt Forschungsaufenthalt ukrainischer Historikerinnen

09.12.2016 (11:43)

Forschungsstipendiatinnen der Deutsch-Ukrainischen Historikerkommission zu Gast in München

Die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in München unterstützt derzeit den Forschungsaufenthalt der ukrainischen Historikerinnen Dr. Iryna Skubij (Charkiv) und Dr. Tetjana Ševčenko (Kyjiv) in Bayern. Beide gehören zu den ersten ukrainischen Forschungsstipendiatinnen und -stipendiaten der Deutsch-Ukrainischen Historikerkommission (DUHK), die im November 2016 ihren Forschungsaufenthalt in Deutschland begonnen haben. An der Graduiertenschule haben Skubij und Ševčenko die Möglichkeit, Arbeitsplätze und die Forschungsinfrastruktur zu nutzen sowie mit den dort arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über ihre Projekte zu sprechen.

Dr. Iryna Skubij, die an der Nationalen Technischen Petro Vasylenko Universität für Landwirtschaft in Charkiv beschäftigt ist, hat ein einmonatiges Stipendium der DUHK erhalten. Sie bearbeitet ein Forschungsprojekt, das sich mit dem Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen in der Sowjetrepublik Ukraine in den 1920er und 1930er Jahren beschäftigt. Noch bis Februar 2017 bleibt Dr. Tetjana Ševčenko vom Kyjiver Forschungsinstitut für Ukraine-Studien des Ministeriums für Bildung und Forschung der Ukraine. Ihr Projekt untersucht das Schicksal einstmaliger zaristischer Eliten aus Kyjiv in den historischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts.

Beide nutzen für ihre Forschungsprojekte nun die reichhaltigen Bestände der einschlägigen Forschungsbibliotheken und Spezialarchive in München und im Umland. Dazu gehören etwa die Universitätsbibliothek der LMU München, die Bayerische Staatsbibliothek mit ihrer europaweit führenden Osteuropaabteilung, das Archiv sowie die Bibliothek der Ukrainischen Freien Universität in München oder Archiv und Bibliothek der KZ-Gedenkstätte Dachau. Des Weiteren tauschen sie sich mit verschiedenen Kolleginnen und Kollegen universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Deutschland über ihre Arbeiten aus.

Die Deutsch-Ukrainische Historikerkommission (DUHK) vergibt seit diesem Jahr aus Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der Robert Bosch Stiftung ein- bis maximal dreimonatige Forschungsstipendien an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler (Masterstudierende, Promovierende und Postdocs) aus Deutschland und der Ukraine. Die nächste Ausschreibung für die Forschungsstipendien für das Jahr 2017 wird noch in diesem Monat veröffentlicht.

Die DUHK wurde im September 2014 vom Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) initiiert und im Februar 2015 gemeinsam mit dem Ukrainischen Historikerverband eingerichtet. Mit Prof. Dr. Martin Schulze Wessel und Prof. Dr. Guido Hausmann gehören zwei Mitglieder der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien der deutschen Sektion der DUHK an.

Die Kommission steht für die institutionelle Verbindung zwischen deutscher und ukrainischer Geschichtswissenschaft und fördert die Verbreitung des Wissens um die deutsche und ukrainische Geschichte. Im April 2016 haben der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Frank-Walter Steinmeier, und der Außenminister der Ukraine, Pavlo Klimkin, die Schirmherrschaft über die DUHK übernommen. Als wissenschaftlich unabhängige Einrichtung wird sich die DUHK in den kommenden Jahren auf folgende Kernbereiche und Themenfelder der deutschen, ukrainischen und deutsch-ukrainischen Geschichte konzentrieren: Erster und Zweiter Weltkrieg in Deutschland und der Ukraine, deutsche Besatzungspolitik, Holocaust, Zwischen- und Nachkriegszeit sowie die Hungersnot "Holodomor".

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