20 Jahre Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München

06.07.2017 (12:45)

Jüdische Studien fester Bestandteil der Forschungsarbeit an der Graduiertenschule

Der Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität feiert in diesen Tagen sein 20-jähriges Bestehen. Ein Schwerpunkt der Forschung und Lehre ist die Neuere und Neueste Jüdische Geschichte. Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Michael Brenner ist zugleich Principal Investigator der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, wodurch die jüdische Geschichte und Kultur Ost- und Südosteuropas ein wichtiges Forschungsfeld der Graduiertenschule darstellen.

Affiliated Researcher Dr. Tobias Grill, ein ehemaliger Postdoc der Graduiertenschule, arbeitet derzeit an einer globalgeschichtlichen Biografie Isaak Nachman Steinbergs. Der russisch-jüdische Jurist, Politiker und Publizist Steinberg bildete in seinem Kampf für Sozialismus und Judentum transnationale Netzwerke. Grill war nach seiner Zeit als Postdoc der Graduiertenschule bis 2016 Mitarbeiter des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur. Anschließend wurde er Postdoc des Internationalen Graduiertenkollegs „Religiöse Kulturen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts“ in München. Er bereichert das Lehrangebot des Elitestudiengangs Osteuropastudien und des Historischen Seminars mit unterschiedlichen Veranstaltungen zur Geschichte des osteuropäischen Judentums.

In Regensburg wird das Themenfeld der Jewish Studies unter anderem durch Prof. Dr. Sabine Koller vertreten, die ebenfalls Principal Investigator der Graduiertenschule ist und die Professur für Slavisch-Jüdische Studien an der Universität Regensburg innehat. Derzeit leitet sie ein Forschungsprojekt zum Kulturschaffenden Nokhem Shtif und dem Wiederaufleben jiddischer Kultur in der Frühphase der Sowjetunion.

Der Literaturwissenschaftler Emanuel Tatu, M.A. beschäftigt sich in seiner ebenfalls in Regensburg entstehenden Dissertation mit "Erfahrung" und "Wahrnehmung" in der Prosa rumänisch-jüdischer Autoren der Zwischenkriegszeit (ca. 1920-1940). Im Mittelpunkt stehen dabei die Schriftsteller Ion Călugăru, Ury Benador und Max Blecher.

Im Internationalen Graduiertenkolleg „Religiöse Kulturen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts“, einer Studiengruppe der Graduiertenschule, versammeln sich Doktorandinnen und Doktoranden, die in ihren Dissertationsprojekten den Beziehungen verschiedener Religionen in der Moderne nachgehen. In diesem Kontext entstand etwa der 2015 veröffentlichte Sammelband "Jews and Muslims in the Russian Empire and the Soviet Union". Herausgegeben haben ihn Prof. Dr. Michael Brenner und Prof. Dr. Martin Schulze Wessel sowie Dr. Franziska Davies.

In der Publikationsreihe "Schnittstellen. Studien zum östlichen und südöstlichen Europa" der Graduiertenschule sind mehrere Titel erschienen, die sich mit Aspekten jüdischer Kultur und Geschichte beschäftigen. Peter Hallamas Studie zu tschechischen Repräsentationen des Holocaust bildete den Auftakt der Reihe. Hannah Maischein beschäftigte sich mit Augenzeugenschaft, Visualität und Politik in der polnischen Erinnerung an die deutsche Judenvernichtung (Band 2). Die literaturwissenschaftliche Untersuchung von Anna Juraschek nahm Bruno Schulz’ Bild-Idee in dessen prosaischem und bildnerischem Werk in den Blick (Band 3). Zuletzt erschienen ist Ekaterina Makhotinas Studie, in der sie konkurrierende Erinnerungskulturen an den Zweiten Weltkrieg in Litauen beleuchtet (Band 4).

Die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien trägt dem hohen Stellenwert der jüdischen Geschichte und Kultur Ost- und Südosteuropas in ihrem Forschungsprofil weiterhin Rechnung und schreibt derzeit am Standort  Regensburg eine Postdoc-Stelle im Forschungsfeld Jüdische Sprachen, Literaturen und Kulturen Osteuropas aus. Interessierte können sich bis zum 9. Juli 2017 bewerben. Dissertationsprojekte aus dem gesamten Bereich der Jüdischen Studien sind ebenso ausdrücklich erwünscht; Bewerbungen für Promotionsstellen und -stipendien an der Graduiertenschule in München oder Regensburg können aktuell noch bis zum 23. Juli 2017 eingereicht werden.

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