[Interview] Die neue, alte griechisch-russische Verbundenheit

10.04.2015 (08:49)

Interview des Schweizer Radio und Fernsehen mit Martin Schulze Wessel

Der Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras beim russischen Präsidenten Wladimir Putin sorgt derzeit für viel Aufsehen. Denn das Treffen scheint die Annäherung zwischen dem EU-Land und dem russischen Präsidenten zu vertiefen. Über die historische Gründe dieser von beiden Ländern in jüngster Zeit verstärkt betonte Verbundenheit hat das Schweizer Radio und Fernsehen mit Martin Schulze Wessel in einem Radiointerview am 8. April 2015 gesprochen.

Martin Schulze Wessel nannte mehrere wichtige Daten: angefangen von Russlands Übernahme des orthodoxen Christentums vom griechisch geprägten Byzanz im 10. Jahrhundert über einen regen theologischen Austausch zwischen den beiden Ländern im 17. Jahrhundert bis hin zum Jahr 1821, in dem Griechenland unter anderem mit Unterstützung des Zarenreichs unabhängig wurde. Zudem eine beide Länder der „Antifaschismus und das sehr berechtigte Gefühl, im Zweiten Weltkrieg eine Hauptlast getragen zu haben und Opfer einer brutalen Besatzungspolitik gewesen zu sein.“

Wirtschaftlich hingegen verbinde die Länder wenig. Zwar beziehe Griechenland einen großen Teil seines Gases aus Russland, doch sei im Energiesektor „bislang kein wirkliches Interesse von russischer Seite an einem stärkeren Engagement zu spüren.“ Griechenland selbst exportiere nur zwei Prozent seiner Außenhandelsgüter nach Russland. Wesentlich wichtigere Handelspartner stellten die Türkei und die Europäische Union dar. Auch vor diesem Hintergrund erwartet Martin Schulze Wessel keine grundsätzliche Kehrtwende Griechenlands nach Russland.

Nachhören kann man das gesamte Interview auf SRF.ch.

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