[Interview] Griechische Reparationsforderungen zu Zeiten der Eurokrise

16.03.2015 (14:06)

Professor Dr. Brunnbauer im Gespräch mit dem Deutschlandfunk

Für moralisch berechtigt hält Professor Dr. Ulf Brunnbauer, Sprecher der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, die Reparationsforderungen der griechischen Regierung an Deutschland. Die Platzierung des Themas im Rahmen der Eurokrise hält er jedoch für kontraproduktiv. Im Interview mit dem Deutschlandfunk erläutert er die Besatzungsfolgen, die in Deutschland noch zu wenig bekannt seien.

Die Verbrechen von SS und Wehrmacht gehörten in Griechenland selbstverständlich zum kollektiven Gedächtnis, in Deutschland jedoch fehle das Thema in den Schulbüchern wie im öffentlichen Diskurs. Zusätzlich zu grausamen Vergeltungsmaßnahmen als Reaktion auf den griechischen Partisanenkrieg litt die Bevölkerung durch den Abzug von Lebensmitteln unter einer starken Hungersnot. Der Regensburger Historiker regt zu einer verstärkten Beschäftigung damit auch innerhalb der deutschen Wissenschaft an. Gerade ein Dialog zwischen deutschen und griechischen HistorikerInnen sei wünschenswert.

Brunnbauer, der gerade mit einer deutsch-griechischen Studierendengruppe in Athen eben diese Fragen diskutiert, betont, dass die Reparationsforderungen nicht neu seien. Jedoch sei die jetzige Politisierung in der Eurokrise kontraproduktiv, "auch für die Anerkennung der Opfer von deutscher Seite."

Das gesamte Interview ist nachzuhören oder nachzulesen unter deutschlandfunk.de.

 

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