Rückblick: Kolloquium mit Paul Chaisty über The Bases of Ukrainian Attitudes Towards Decentralisation in München

04.12.2015 (13:42)

Vortrag über die Einstellungen der ukrainischen Bevölkerung zu aktuellen Politik der Dezentralisierung im Kolloquium

In seinem Vortrag im Kolloquium der Graduiertenschule am 18. November 2015 gab Paul Chaisty, Associate Professor in Russian Government an der Universität Oxford, einen Einblick in die politischen Einstellungen der Ukrainer gegenüber der Dezentralisierung. Dabei bezog er sich auf eigens von ihm und seinem Kollegen Stephen Whitefield in Auftrag gegebenen Meinungsumfragen von Dezember 2014, die auch die Gebiete Donezk und Luhansk umfassten.

Die Dezentralisierung ukrainischer Staatlichkeit war u.a. in den Minsker Abkommen festgehalten worden, deswegen sind politische Einstellungen von Bürgern für Reformvorhaben von zentraler Wichtigkeit. Dreierlei theoretische Erwartungen legte Chaisty an sein empirisches Material an: Einstellungen in Bezug auf eine unitaristische, föderale oder dezentralisierte Staatsorganisation könnten erstens von wirtschaftlichem Nutzen geprägt sein (instrumenteller Ansatz), zweitens von Präferenzen einer sozialen Gruppe wie Klasse, Ethnie oder Region (Identität) oder drittens von Wertvorstellungen, wie Staat, Wirtschaft und Außenpolitik sich entwickeln sollte (Werte).

Der Krieg, so Chaistys Schlussfolgerungen, habe ethnische Spaltungsstrukturen aktiviert, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie (Ukrainisch/Russisch) können die Einstellungen besser erklären als andere Faktoren. Wären Bürger mehr auf wirtschaftliche Folgen der Dezentralisierung fixiert gewesen, hätte dies mehr Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft für Präsident Poroschenko geboten.

In der anschließenden Diskussion sprachen die Kolloquiumsteilnehmer mögliche andere Einflussfaktoren wie Alter und Sozialisierung in der Sowjetunion an, debattierten die Interpretation der statistischen Ergebnisse und interessierten sich für den Ausgang eines möglichen Referendums über die Dezentralisierung. Paul Chaisty teilte zudem seine Erfahrung mit interdisziplinärer und interregionaler Forschung an der School of Interdisciplinary Area Studies (SIAS) mit den Mitgliedern der Graduiertenschule.

Fabian Burkhardt

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