Marie-Janine Calic ist im Kollegjahr 2017/18 Stipendiatin des Berliner Kollegs Kalter Krieg

04.10.2017 (13:21)

Marie-Janine Calic, Professorin für Ost- und Südosteuropäische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Principal Investigator der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, ist im Wintersemester 2017/18 Stipendiatin des Berliner Kollegs Kalter Krieg | Berlin Center for Cold War Studies.

Marie-Janine Calic wird sich in München und Berlin ihrem Forschungsprojekt "Tito und die jugoslawische Politik 'aktiver friedlicher Koexistenz' im Kalten Krieg" widmen. Darin analysiert sie die Außenpolitik Jugoslawiens in den 1960er und 1970er Jahren und widmet sich den ideologischen, politischen und kulturhistorischen Dimensionen von Jugoslawiens Doktrin der "aktiven friedlichen Koexistenz".

Gefragt wird nach Bedingungen, Motiven und treibenden Akteuren sowie einzelnen Initiativen von Moderation und Mediation im Rahmen dieser neuen Politik. Welche Rolle spielte Tito dabei selbst, welche Funktion kam seinem Apparat zu und inwieweit wirkten sich innere Entwicklungen auf die Gestaltung dieser Politik aus? Wie war sie ideologisch, institutionell und gesellschaftlich verankert? Ferner sind die Konsequenzen der Präventions- und Vermittlungsstrategien sowie der Aufbau multilateraler Systeme für den bündnisfreien Staat und für Titos Herrschaft von Interesse. So ist auch zu fragen, inwieweit die "aktive friedliche Koexistenz" dazu diente, Tito als Staatsführer im multinationalen Jugoslawien zu legitimieren, seinen Personenkult auszuschmücken und die staatliche Identität und Integration Jugoslawiens zu festigen.

2016 veröffentlichte Marie-Janine Calic ihre etwa 700 Seiten umfassende Monografie "Südosteuropa. Weltgeschichte einer Region", die bereits als neues Standardwerk zur Geschichte des Balkans gilt. In der aktuellen Ausgabe ( der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ) der Bundeszentrale für politische Bildung ist ein Beitrag Calics mit dem Titel "Kleine Geschichte Jugoslawiens" erschienen, in dem sie die wichtigsten Ereignisse der (post)jugoslawischen Geschichte zusammenfasst und erläutert.

Marie-Janine Calic ist seit 2004 Professorin für Ost- und Südosteuropäische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Von 1992 bis 2004 war sie als Wissenschaftliche Referentin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Ebenhausen und Berlin tätig. Sie war Beraterin des UN-Sondergesandten für das ehemalige Jugoslawien in Zagreb und Politische Beraterin des Sonderkoordinators des Stabilitätspakts für Südosteuropa in Brüssel.

Das Berliner Kolleg Kalter Krieg | Berlin Center for Cold War Studies hat im März 2015 seine Arbeit aufgenommen. Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt des Hamburger Instituts für Sozialforschung, des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Humboldt-Universität zu Berlin.

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