[Medienecho] Alexis Tsipras in Moskau

13.04.2015 (12:15)

In der vergangenen Woche waren die griechisch-russischen Beziehungen aufgrund des Besuchs des griechischen Ministerpräsidenten Tsipras in Moskau ein viel diskutiertes Thema in den Medien. Professor Dr. Martin Schulze Wessel und Professor Dr. Ulf Brunnbauer nahmen dazu mehrfach Stellung.

Die Sprecher der Graduiertenschule erklärten jeweils, dass die wirtschaftlichen Bande der beiden Länder relativ gering seien. Durch die aktuelle Sanktionspolitik seien lediglich zwei Prozent der griechischen Exporte betroffen, sagte Professor Schulze Wessel dem SRF. Die Gemeinsamkeiten seien eher in der Berufung auf eine antifaschistische Tradition und der orthodoxen Religion vorhanden, obwohl natürlich diese Traditionen jeweils neu reaktiviert werden müssten, um aktuell zu bleiben. Besonders sehe man dies momentan an Premier Tsipras. Obwohl Atheist rekuriere er auf die gemeinsamen orthodoxen Wurzeln. Insofern sei die aktuelle Betonung der Gemeinsamkeiten zwar "instrumentell eingesetzt", wie Schulze Wessel dem Deutschlandfunk bestätigte, habe aber sehr wohl eine reale Grundlage, die sich in gemeinsamen Wertvorstellungen wiederspiegele. Diese Ansicht äußerte auch Brunnbauer gegenüber MDR Info - sei doch nicht nur die Sympathie der Griechen und Griechinnen gegenüber Russland auch nach der Ukraine-Krise ungebrochen. Auch die Zustimmungswerte für Putin lägen in Griechenland im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten bei ca. 40 Prozent. Zudem sähen sich die beiden Länder als Verbündete im Kampf gegen den Kapitalismus.

Aufgrund seiner aktuellen Beschäftigung mit den NS-Verbrechen in Griechenland wurde Professor Brunnbauer zudem von der Tageszeitung WELT sowie france24 zu den griechischen Reparationszahlungen interviewt. Er betonte, dass die Archivdokumente "extrem verstörend" seien - 90 Dörfer wurden von den Besatzern ausradiert; ein Geschehen, das in Deutschland noch immer eine Leerstelle im öffentlichen Bewusstsein sei. Jedoch halte er die Grundlage für Reparationsforderungen von rund 279 Milliarden Euro für "intransparent": "Ich frage mich, welche 55.000 Dokumente genau die Kommission in dem für eine solche Aufgabe kurzen Zeitraum von zwei Jahren zur Berechnung der Reparationshöhe gesichtet hat."

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