"Osteuropa": Beiträge von Alexander Libman und Alvydas Nikžentaitis in der neuen Ausgabe "Der Fall. Gefangen in Russland, Erinnerung in Litauen"

14.09.2018 (08:38)

Unter dem Titel "Der lange Schatten der Vergangenheit. Historisches Erbe und quantitative Sozialwissenschaft" hat Prof. Dr. Alexander Libman, Professor für sozialwissenschaftliche Osteuropastudien an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Principal Investigator der Graduiertenschule, einen Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Osteuropa" veröffentlicht. Einen weiteren Beitrag mit dem Titel "Aufruhr um einen Partisanen. Eine litauische Erinnerungsdebatte" verfasste Prof. Dr. Alvydas Nikžentaitis, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Graduiertenschule, zusammen mit Joachim Tauber.

Die Zeitschrift "Osteuropa" analysiert Politik und Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft im Osten Europas als Teil der globalisierten Welt. In der neuen Ausgabe mit dem Titel "Der Fall. Gefangen in Russland, Erinnerung in Litauen" geht es unter anderem um die konservative Bewegung und die Vergangenheitsbewältigung in Russland sowie um Erinnerungskonflikte in Litauen.

Prof. Dr. Alexander Libmann beschäftigt sich in seiner Forschung vor allem mit informellen Machtverhältnissen und Bürokratie in postsowjetischen autoritären Regimen, mit historischen Vermächtnissen und politische Entwicklungen des postsowjetischen Eurasiens und mit subnationalen politischen Regimen und regionaler Politik in Russland.

Prof. Dr. Alvydas Nikžentaitis arbeitet am Litauischen Historischen Institut in Vilnius.

Kurzfassung des Aufsatzes von A. Libman

Alle Regionalwissenschaften stützen sich auf die Annahme, dass verschiedene Länder oder Regionen durch historisch bedingte Unterschiede geprägt sind. In den letzten Jahren begannen Politik- und Wirtschaftswissenschaftler, den Einfluss von Geschichte auf die gegenwärtige Entwicklung der Länder Ostmittel- und Osteuropas auch mit statistischen Methoden zu untersuchen. Solche Studien schauen auf die Variation der historischen Entwicklungen und versuchen daraus Rückschlüsse auf Ursache-Wirkung-Beziehungen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu ziehen. Die Forschung liefert eine breite Palette von Ergebnissen, die den Einfluss des historischen Erbes – des Sozialismus wie der vorsozialistischen Ordnung – in vielen Einzelfällen bestätigen. Es ist jedoch äußerste methodische Sorgfalt geboten.

Kurzfassung des Aufsatzes von A. Nikžentaitis und J. Tauber

Ende 2017 erschütterte eine heftige Debatte die litauische Öffentlichkeit. Anlass waren Vorwürfe der Publizistin Rūta Vanagaitė, der Partisanenführer Adolfas Ramanauskas habe an der Ermordung der litauischen Juden mitgewirkt und später für den sowjetischen Geheimdienst gearbeitet. Die Vorwürfe erwiesen sich als unhaltbar. Die Schärfe der Auseinandersetzung ist ein Indikator dafür, wie stark der Partisanenkampf als nationaler Mythos verankert ist und jede Infragestellung dieses Mythos als Angriff auf das litauische heroische Selbstbild einer um Freiheit kämpfenden Nation verstanden wird.

 

Alexander Libman: Der lange Schatten der Vergangenheit. Historisches Erbe und quantitative Sozialwissenschaft. In: Osteuropa 6, 2018, S. 18-66.

Alvydas Nikžentaitis und Joachim Tauber: Aufruhr um einen Partisanen. Eine litauische Erinnerungsdebatte. In: Osteuropa 6, 2018, S. 83-90.

Cover: © Zeitschrift Osteuropa

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