Radio-Tipp: "Eiszeit: Die Niederschlagung des Prager Frühlings" am 15. August

14.08.2018 (08:50)

Radio-Feature zum 50. Jahrestag des Endes des "Prager Frühlings" auf Bayern 2 u.a. mit Martin Schulze Wessel

Am Mittwoch, dem 15. August 2018, sendet das Radioprogramm "Bayern 2" des Bayerischen Rundfunks ab 18 Uhr das Feature "Eiszeit: Die Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968" zum 50. Jahrestag des Endes des "Prager Frühlings". Zu hören ist unter anderem Prof. Dr. Martin Schulze Wessel, Professor für Osteuropäische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Sprecher der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, der die großen historischen Entwicklungen rund um das dramatische Jahr 1968 in der Tschechoslowakei skizziert.

Die sogenannte "Hilfe durch bewaffnete Kräfte" war Teil des großen Plans: Rund 500.000 Soldaten aus der Sowjetunion, aus Polen, Ungarn und Bulgarien marschierten in der Nacht zum 21. August 1968 in die Tschechoslowakei ein, um ein politisches Experiment gewaltsam zu beenden. Die Truppen des Warschauer Paktes setzten einen Schlussstrich unter die kurze Epoche eines "demokratischen Sozialismus" und damit unter eine Ära, die bei den Staats- und Parteiführungen in Moskau, Warschau und auch Ostberlin als "Konterrevolution" betrachtet wurde. Der Einmarsch in die Tschechoslowakei und das gewaltsame Ende des Prager Frühlings gehören zu den weitreichenden weltpolitischen Zäsuren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit der Entmachtung der liberalen Kräfte unter Alexander Dubček wurde jede weitere Reform der sozialistischen Idee unmöglich. In der Militärintervention ist einer der Gründe für den endgültigen Zusammenbruch des Kommunismus nach 1989 zu finden.

Dem Prager Frühling voraus ging eine intensive Auseinandersetzung mit den Justizverbrechen der 1950er Jahre in der Tschechoslowakei und ebenso ein außergewöhnlicher kultureller Aufschwung. Der kurzen Reformära vom Frühjahr und Sommer 1968 folgte wiederum - mit der sogenannten "Normalisierung" - eine Zeit schwerer politischer Repression. Der Lyriker Reiner Kunze hat darüber - als einer von vielen prominenten Beobachtern - in seinem Buch "Die wunderbaren Jahre" berichtet. Für die Sendung von Zuzana Jürgens und Niels Beintker blickt er - zusammen mit weiteren Zeitz eugen aus Tschechien und Deutschland - zurück auf die Ereignisse in Prag, auf ihre Vorgeschichte und ihre Folgen. Unter anderem erinnern der Osteuropahistoriker Martin Schulze Wessel, die Schriftsteller Ivan Binar und Eda Kriseová, der Literaturkritiker und Publizist Bohumil Doležal und der Kabarettist Bernd-Lutz Lange an diese Umbruchszeit.

Im Frühjahr 2018 erschien im Reclam-Verlag Martin Schulze Wessels Monografie "Der Prager Frühling. Aufbruch in eine neue Welt"; es handelt sich um die erste deutschsprachige Gesamtdarstellung der Ereignisse in der Tschechoslowakei des Jahres 1968. Im August wurde das Buch auch in tschechischer Sprache veröffentlicht.

Die Sendedaten

"Eiszeit. Die Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968", Feature von Zuzana Jürgens und Niels Beintker, Bayern 2 - am Feiertag "50. Jahrestag des Ende des 'Prager Frühlings'", Mittwoch, 15.08.2018, 18:05 bis 19:00 Uhr.

 

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