Reger wissenschaftlicher Austausch und intensive Archivstudien

19.03.2015 (18:13)

Darina Majernikovas Aufenthalt an der Karls-Universität in Prag

Promovierende der Graduiertenschule haben die Möglichkeit, einen längeren Forschungsaufenthalt im Ausland zu verbringen. Die Gelegenheit nutzte Darina Majernikova, die drei Monate an der Karls-Universität in Prag verbracht hat. Der Aufenthalt ermöglichte der Doktorandin, die zu Amerika- und Russlandbildern in der Tschechoslowakei von 1948 bis 1992 forscht, wichtige Archivrecherchen. Zugleich bot er Gelegenheit, für einen anregenden wissenschaftlichen Austausch mit tschechischen und internationalen Wissenschaftlern.

In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich Amerika- und Russlandbilder in der Tschechoslowakei von 1948 bis 1992. Anhand von Zeitungen, Zeitschriften, Monographien, Plakaten, Samisdat sowie Debatten in der Führung der Kommunistischen Partei sollen Konstruktion, Etablierung, Funktionen und Wandel dieser Bilder in tschechoslowakischen Diskursen gezeigt werden.

Im Frühjahr 2014 hatte ich dank der Kooperationsvereinbarung der Graduiertenschule mit der Karls-Universität in Prag und mit finanzieller Unterstützung des tschechischen Schulministeriums die Möglichkeit, für meine Dissertation in Prag drei Monate lang zu forschen und das dort befindliche Archivmaterial zu studieren. Außerdem untersuchte ich Printmedien der 50er Jahre, die zum großen Teil nur noch in der Tschechischen Nationalbibliothek in Prag vorhanden sind, und nutzte die große Sammlung des tschechischen und slowakischen Samisdat in der Bibliothek Libri Prohibiti. Für mich war dies nicht der erste Forschungsaufenthalt in Prag, da ich bereits ein Jahr zuvor in Prager Archiven und Bibliotheken recherchiert hatte. Allerdings waren diesmal die Anbindung an die Karls-Universität sowie der längere Zeitraum von großem Vorteil für meine Arbeit.

Zwei Ziele hatte ich mir für meinen Aufenthalt gesetzt: Material für meine Dissertation zu sammeln und ein erstes Kapitel der Dissertation zu verfassen. Darüber hinaus hatte ich mir von dem Aufenthalt neue Anregungen für mein Projekt und neue Kontakte erhofft und in dieser Hinsicht wurden meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Als sehr hilfreich erwies sich der Kontakt zu Professor Michal Pullmann, den ich während seiner Zeit als Gastdozent an der LMU kennengelernt und einige Monate vor dem Aufenthalt bei einem Kolloquium der Graduiertenschule wieder getroffen hatte. Seine Bereitschaft, meine Doktorarbeit in Prag zu betreuen, erleichterte mir die Organisation des Aufenthaltes, da ich so als Gastdoktorandin an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität aufgenommen werden konnte. In Prag besprach ich mein Projekt ausführlich mit ihm und er gab mir viele konstruktive Hinweise. Außerdem nutzte ich die Möglichkeit, mein Thema im Kolloquium vor tschechischen Kommilitonen vorzustellen. In der anschließenden regen Diskussion erhielt ich sowohl Anregungen für die Arbeit als auch Hinweise auf interessante Quellen und Literatur. Auf der anderen Seite lernte ich in diesem Kolloquium auch die Projekte der Studenten der Karls-Universität kennen und verschuf mir dadurch einen Überblick über die dortige aktuelle Forschung. Da auch ausländische Gäste ihre Projekte im Kolloquium vorstellten, war das Kolloquium ein geeignetes Forum, um sich (auch international) über methodische Probleme, theoretische Zugänge sowie inhaltliche Fragen auszutauschen. Die vielen Impulse aus diesem Kolloquium sowie die geknüpften Kontakte betrachte ich als den bedeutendsten Ertrag des Prag-Aufenthaltes. Auch lag an dessen Ende das geplante erste Kapitel meiner Dissertation vor.

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