Religion und Nation: Tschechen, Deutsche und Slowaken im 20. Jahrhundert

16.04.2015 (14:26)

Sammelband erschienen

Kristina Kaiserová, Eduard Nižňanský und Martin Schulze Wessel sind Herausgeber des Sammelbandes "Religion und Nation: Tschechen, Deutschen und Slowaken im 20. Jahrhundert", der sich mit der Mobilisierungsfähigkeit des Komplexes von Religion und Nationalismus beschäftigt. Die darin versammelten Beiträge untersuchen, welche Semantiken Vertreter von Religionsgemeinschaften und Politik genutzt haben. Außerdem analysieren sie soziale Bewegungen und Entwicklungen, bei denen sich religiöse und nationale Deutungsmuster verschränkten

Was rechtfertigt es, sich speziell mit der Religions- und Nationalismusgeschichte der Deutschen, Tschechen und Slowaken zu beschäftigen? Für die böhmischen Länder und Oberungarn bzw. die Slowakei lässt sich feststellen, dass es im 19. und 20. Jahrhundert keine reinen Konfessionsnationen gab. Die konfessionelle Identität verstärkte in diesen Regionen auch nicht die ethnischen Abgrenzungen zwischen nationalen Mehrheiten und Minderheiten. Vielmehr waren sowohl Tschechen, Slowaken als auch Sudetendeutsche in ihrer großen Mehrheit katholisch und es gab protestantische Minderheiten. Die Konfessionen konkurrierten um die Ausdeutung ihrer Nation, und die Nationen waren Arenen des konfessionellen Konfliktes.

Die Beiträge des Bandes vermessen die Mobilisierungsfähigkeit des Komplexes von Religion und Nationalismus. Sie fragen einerseits nach den Semantiken, die von Vertretern der Religionsgemeinschaften und der Politik entwickelt wurden. Andererseits werden die sozialen Bewegungen und Entwicklungen analysiert, die für die Verschränkung von nationalen und religiösen Deutungsmustern grundlegend waren.

Herausgegeben haben den Sammelband Kristina Kaiserová, Eduard Nižňanský und Martin Schulze Wessel. Kristina Kaiserová lehrt an der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität Ústí nad Labem und ist Mitglied der Deutsch-Tschechischen Historikerkommission. Eduard Nižňanský lehrt an der Philosophische Fakultät der Comenius-Universität in Bratislava und ist Mitglied der Deutsch-Slowakischen Historikerkommission. Martin Schulze Wessel ist Münchner Sprecher der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien.

Der Sammelband ist zugleich Band 20 der Reihe "Veröffentlichungen der Deutsch-Tschechischen und Deutsch-Slowakischen Historikerkommission".

192 Seiten, Hardcover, 29,95 €, ISBN: 978-3-8375-1286-1, Verlag Klartext.

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